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Es grünt so grün – wenn Spaniens Blüten blühn!

Obwohl Spaniens Blüten nicht mehr blühen, wird es nochmal richtig spannend im grünen Biotop. Was sich dort momentan abspielt, hat etwas von Renaissance. Da müsste sich so mancher grüne Senior an alte Zeiten erinnert fühlen. Die dilettierende Führungsmannschaft wirft hin und die jungen Utopisten springen von Bord. Es war einfach Zuviel für viele, die trotz großer Bedenken den Weg bis hier hin mitgegangen sind. Da evaporierte ein schönes Programm des neuen urbanen Mittelstands zunehmend. Da wurden Waffenlieferungen gezeichnet, Kriege erklärt, Jobs vernichtet, Gelder verbrannt, die Klimafrage rasant entsorgt und immer alles mit einer feindlichen Umgebung begründet. Wenn die Welle rollt, vermag sie eine Menge Unrat zu tragen, doch wenn sie abebbt, fällt das Schäbige auf dem Kamm doppelt auf. Nun, nachdem eine Landtagswahl nach der anderen gezeigt hat, dass das En Vogue für die Grünen längst vorbei ist, tobt der Ball der Kalamitäten. Und, das nebenbei gemerkt, die von den handelnden Personen über lange Zeiträume an den Tag gelegte Arroganz bringt nun die Rendite. Der Michel, von dem man ausging, dass er eh nichts begreift, zeigt dem feinen Pinkel, was er von ihm hält.

Aber die Grünen wären nicht die Grünen, vor allem mit einem Großteil ihrer Gründungsmütter und Gründungsväter, als dass sie nicht in der Lage wären, in krisenhaften Situationen das alte Besteck vom Speicher zu holen. Jetzt ist, und das wird man schneller sehen als bei jeder anderen Partei in dieser Republik, die Zeit der Radikalisierung. Die Kader haben die blaue Uniform bereits an und übernehmen das Ruder. Wenn man so will, werden wir jetzt die Bolschewisierung der Grünen erleben. Obwohl sie organisatorisch noch im parlamentarischen Garten dahin dilettieren, sind sie mit ihrem Sektierertum programmatisch bereits blendend aufgestellt. Fehlt nur noch das Personal. Bestimmte Kader aus dem Nachwuchs stehen bereits bereit, denn die Senioren sind zu gebrechlich und fettsüchtig geworden. Aber das wird schon. In diesem Zusammenhang vielleicht noch ein Tipp an den Verfassungsschutz: mit den Kategorien „gesichert rechts- und linksextrem“ wird man nicht mehr auskommen. Das neue Phänomen wird nur unter der Rubrik „gesichert totalitär“ zu fassen sein.

Zur Beruhigung muss festgestellt werden, dass mit der zu erwartenden Entwicklung der Grünen zu einer sektiererischen, totalitären Kaderpartei im Auftrag des transatlantischen Herrn zwar ein finanzstarkes Phänomen auf der Bühne erscheinen wird, der Zuspruch durch das täglich mit dem Stinkefinger bedachte Wahlvolk wird allerdings ausbleiben. Als Historiker wird man in nicht allzu ferner Zukunft feststellen können: Sie kamen aus dem Kadermilieu, erfreuten sich eines libertären Frühlings und verendeten nach einem langen Sommer gesellschaftlicher Anerkennung im alten Moder des Totalitarismus.

Jenseits dieser letztendlich als historischer Randnotiz zu verbuchender Ereignisse sind Entwicklungen nicht unwahrscheinlich, die durchaus Grund zur Hoffnung geben. So, wie es aussieht, werden auch wieder Allianzen entstehen, die den unanständigen, teilweise terroristischen Formen des Individualismus eine Absage erteilen wollen und sich auf Grundlage von Prinzipien wie Frieden, Produktivität, Sozietät und gelebter Toleranz zusammenschließen.

Angesichts der Nachrichten fiel mir das Wort eines alten britischen Freundes ein, der, sobald ich die Zustände in meinem Land als sehr kritikwürdig beschrieb, mir immer zur Antwort gab: Never underestimate the Germans! Im Moment ist an dieser Feststellung etwas dran. Die Hoffnung stirbt eben doch zuletzt!  

Überhitzung und Entladung

Der Überhitzung folgt die Erschlaffung. Die Befindlichkeit dessen, was als öffentliche Meinung bezeichnet werden muss, ähnelt einer Wetterlage, wie sie in der letzten Zeit nicht untypisch ist. Drückende Hitze, heftige Entladung, Abkühlung und erneute Aufladung. Insofern ist das, was als Volkspsyche, oder, um dem Zeitgeist eine Referenz zu erteilen, die bundesrepublikanische Populationspsyche beschrieben werden kann, näher an den Naturphänomenen, als manchen lieb sein kann. Denn die menschliche Zivilisation zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie in der Lage ist, von den minutiösen Gegebenheiten ihrer materiellen Bedingungen zumindest temporär abstrahieren zu können. Der Blick, der dadurch entsteht, ermöglicht es, eine nicht durch Emotionen oder eigene Befindlichkeiten getrübte Betrachtungsweise zu erlangen, die durch Rationalität geprägt ist. Problematisch nur wird es, wenn die Rationalität, das Maß für gesellschaftliche Zustände seit der Aufklärung, keine sonderliche Wertigkeit mehr besitzt.

Bei der Betrachtung der seit langer Zeit vorherrschenden Gemütslage fällt gerade dieses Phänomen auf. Es sind kaum noch Zeichen vorhanden, die darauf hindeuten, dass die Rationalität im gesellschaftlichen Diskurs, oder den Fragmenten, die davon übrig geblieben sind, in irgend einer Weise vermisst wird. Ganz im Gegenteil: der Verweis auf diesen Missstand erntet in der Regel Spott und Häme. Welcher ahistorische, uncoole Kretin kommt denn da auf die Idee, von den eigenen, durch Subjektivität geprägten Interessen zu abstrahieren und sich mit dem Metier des sozialen Zusammenlebens und der sozialen Interaktion mit anderen Gesellschaftsformen auseinanderzusetzen? Wir sind divers, aber eine homogene Gruppe, die unabhängig von Sozialstatus und politischem System, frei von Gesellschaftsform und allgemein gültigen Normen gesteuert werden von Werten, die genauso diffus und divers sind wie diejenigen, die vorgeben, zu wissen, worin der Schlüssel zu gutem, nicht vernünftigem Handeln liegt.

Es sind die Maximen des Obskurantismus, die sich Bahn gebrochen haben. Im Obskurantismus herrschen Gefühle wie Angst und der Wunsch nach Erlösung und eine Dynamik, die dem Sektierertum entspringt. Die Gabe zur Differenzierung wird als Subversion abqualifiziert und die Frage nach Interessen als Anachronismus aus einer überkommenen Zeit disqualifiziert. Wohl dem, der sich dieser dem Mystizismus verschriebenen Bewegung verschrieben hat und wehe dem, der sich nach den alten, antiquierten Prinzipien von Vernunft und Logik zurücksehnt. Ihm wird heimgeleuchtet, in das Refugium der Verblendung und virtuos praktizierten gesellschaftlichen Spaltung.

Eine Erklärung für die Panik, die in der Zurückweisung rationaler, analytischer Betrachtungsweisen  liegt, kann in der Urangst gesucht werden, dass das eigene Reich der Deutungshoheit eben durch  jene Mittel bedroht wird und zusammenstürzen wird wie das berüchtigte Kartenhaus, sobald die zersetzende, subversive Kraft des kühlen Kopfes die Oberhand gewönne. Darum geht es. 

Es wird viel gestritten, wie der Hysterisierung der Verhältnisse begegnet werden kann. Eine Fraktion ist der Auffassung, man müsse von innen heraus versuchen, die Logik zurückzubringen. D.h. es sollten einige Positionen aus der sektiererischeren Programmatik, die von der Anlage her gar nicht so falsch seien, übernommen werden, um das Vertrauen als Bündnispartner herzustellen und von dort aus den Versuch unternehmen, die Vernunft zurückzubringen. Dass das Kalkül nicht aufgeht, sieht man an den politischen Kräften, die diesen Versuch bis dato unternommen haben. Sie haben ihre eigenen Reihen mit der Überhitzung, der Emotionalität und der Hysterie infiziert und sind zu Schweiffedern der eigentlichen politischen Kraft des Obskurantismus verkümmert.

Mit Sekten, Sektenwesen und Hysterikern gibt es keine Gemeinsamkeit. Sie zu bekämpfen geht nur von außen. Unmissverständlich, klar und laut. Mit eigener Haltung und eigenem Vokabular. Schluss mit Überhitzung und Entladung. Wohl temperiert, mit klarem Kopf und konsequenter Haltung. Alles andere ist Illusion. 

Die schöne neue Welt und das Sektierertum

Kann etwas, das als Bewegung gegen Unrecht entstanden ist, ins Gegenteil umschlagen? Können Maßnahmen und Aktionen, die sich gegen Diskriminierung richten, selbst zu dem alten Übel zurückkehren? Die Antwort ist schlicht wie beklemmend. Ja, das kann so sein und es ist, historisch betrachtet, gar nicht so selten. Bevor ein solches Phänomen sich ins Bewusstsein hocharbeitet, vergeht Zeit. Und diejenigen, die früh darauf hinweisen, stehen schnell am Pranger. Das Argument, das ihnen entgegen stürmt, bezieht sich jedoch auf die Ausgangslage. Es besteht aus dem Vorwurf, den alten Missstand zu vertreten.

Dass wir in Zeiten leben, in denen der beschriebene Umstand bereits zu voller Blüte gereift ist, dürfte all jenen, die sich ein wenig mit den Schwingungen der Kommunikation beschäftigen, längst aufgefallen sein. Alles, was aus den Anti-Diskriminierungskampagnen entstanden ist, hat einen Zustand erreicht, der seinerseits hinter den Ausgangspunkt zurückgegangen ist. Aus der Abwehr gegen Diskriminierung ist eine neue Art der Diskriminierung entstanden, die fröhliche Urstände feiert. Beispiele dafür gibt es genug, ob es um das fleißige Gendern bei positiven Erscheinungen geht, oder ob umgekehrt der alte Sprachgebrauch beibehalten wird, wie bei Terroristen, Gewalttätern, Kinderschändern, Kriminellen oder auch, man mag es kaum glauben, bei Mutanten, das alles bleibt selbstverständlich maskulin, oder ob es die alten weißen Männer sind, unabhängig von ihrer Lebensbilanz, das, was heute so unsinnig als Bashen bezeichnet wird, ist erlaubt. 

Daraus ist ein Gestus entstanden, der sich mit dem der alten Kolonialisten trefflich messen lassen kann. Bei der Betrachtung der Historie ist es noch abseitiger. Dass Mozart und Beethoven nicht mehr gehört werden sollen, weil sie ihrerseits Verklärer des Kolonialismus gewesen sein sollen wird immer weiter gesponnen, da ist man bereits an dem Punkt, dass Julius Cäsar aus den Geschichtsbüchern verschwinden soll, weil er den Müll nicht getrennt hat.

Das, was in der Geschichte immer wieder als der Abweg des Sektierertums bezeichnet wurde, hat sich in der heutigen bundesrepublikanischen Gesellschaft zur Staatsräson gemausert. Nichts ist unversucht, um den gesellschaftlichen Diskurs in diesen Sog einer totalitären, gleichwohl verkommenen Logik der Spaltung und Ausgrenzung und der daraus folgenden inquisitorischen Meinungsbildung zu ziehen. Sieht man genau hin, dann wird deutlich, dass das, was Arthur Koestler in seinem Roman „Sonnenfinsternis“ so bedrückend thematisiert hat, den öffentlichen Diskurs beherrscht: die Befolgung einer totalitären Logik bis zum bitteren Ende der Selbstverleugnung. 

Die Blindheit derer, die diesen Diskurs beherrschen, und das ist die gute Nachricht, führt dazu, dass sie im Rausch der ideologischen Unangefochtenheit den Blick für die Realität immer mehr verlieren. irgendwann, und dieser Zeitpunkt ist bereits erreicht, glauben sie tatsächlich, dass das verhängnisvolle Produkt ihrer eigenen Verblendung dem entspricht, wie das Gros der Gesellschaft, auch das von ihnen malträtierte, tatsächlich empfindet. Die Folge lässt sich historisch eindeutig dokumentieren. Es führt zum Zusammenbruch, zur nachhaltigen Diskreditierung aller gut gemeinten Anliegen und zu einer radikalen mentalen Umkehr. 

Die Bilder von der schönen neuen Welt, aus der das Unrecht verbannt ist, zerfließen zu einem höllischen Inferno, weil die Zorndepots der Beleidigten, Ausgegrenzten und ins Unrecht Gesetzten randvoll sind und in der Gegenreaktion kein Platz mehr ist für Vernunft und Maß. Aber, auch das lehrt die Geschichte, die die Inquisitoren unserer Tage aus gutem Grunde meiden wie der Teufel das Weihwasser, Sektierertum führt immer zu einem unheilvollen Ende, auch wenn viele glauben, ganz so schlimm werde es schon nicht werden.