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Zum Konnex von Wertschöpfung und Niedergang

Eines sollte deutlich geworden sein: ohne eigene Produktivität und Wertschöpfung sind die Aussichten schlecht. Dass das nahezu die gesamte politische Entourage hierzulande nicht auf dem Schirm hat und sich weiter an einer sektiererisch begründeten gewaltigen Dekonstruktionsorgie abarbeitet, falsifiziert nicht die Kernaussage. Dort, wo auf Wertschöpfung gesetzt wird, ist die Krisenresistenz am größten. Was in der Weltwirtschaftskrise 2008 noch zum saturierten Regierungswissen gehörte, ist einer Generalamnesie zum Opfer gefallen. Damals war die Bundesrepublik noch relativ gut aus dem Schlamassel herausgekommen, während das europäische Zentrum der Finanzspekulation in London damit begann, ein flächendeckendes Netz von Hungerküchen zu installieren, das bis heute wichtiger denn je ist, weil mittlerweile fest Beschäftigte ohne diese Unterstützung nicht mehr über die Runden kommt.

Und diejenigen, die aufgrund des us-amerikanischen Machtportfolios als strategische Rivalen definiert werden, vor allem China, haben ihren Status und stetig wachsenden Wohlstand nicht irgendwelchen Räuberpistolen, sondern einer ungeheuren Anstrengung zu verdanken. Das, was dort auf den Sektoren Bildung, Infrastruktur und industrieller Wertschöpfung in den letzten Dekaden geschehen ist, wurde selbst in den Zeiten des Goldenen Westens nicht erreicht. Denn, und das war das hiesige Mantra der Globalisierung, Kostenreduktion um jeden Preis, Senkung von Lohn- und Transportkosten wo es nur ging, in der Nordsee gefangene, in Marokko gepulte Krabben, tausende Kilometer in LKWS durch Europa geschleppt, billige Fetzen, in den Feuerschuppen Bangladeshs produziert und mit Fliegern in Frankfurt eingeflogen, um hier den armen Seelen eine Möglichkeit zu bieten, nicht in Lumpen herumzulaufen. Wie traurig das alles ist, muss nicht betont werden. Und wie verlogen, wenn man sich die offiziellen Positionierungen ansieht, die zum Beispiel bei der letzten Fußball-WM ansieht. 

Dass, außer einer von einem medialen Komplex in die Nähe der Unzurechnungsfähigkeit getriebenen Masse, die Beobachter aus anderen Winkeln dieser Welt zu dem Schluss kommen müssen, dass hier die alten Quellen der Kraft versiegt sind, dürfte außer Frage sein. Wenn dann noch dazu kommt, dass ein politisches Personal, der eigenen Sprache nicht mächtig, aber mit der Chuzpe von Erleuchteten, der Welt erklären wollen, wie sie zu ticken hätte,  macht die Sache nur noch skurriler. Diejenigen, die sich weiter entwickeln wollen, orientieren sich an denen, denen etwas gelingt. So einfach ist das. Und wenn das diejenigen sind, die so gerne vom Westen beschimpft werden, dann ergibt das Ganze auch nochmal einen besonderen Sinn. Denn dann wird die Absicht klar, was hinter der schlechten Beleumundung der Konkurrenz steckt, nämlich die eigene Schwäche.

Die beschriebenen Entwicklungen sind für jeden, der es wissen und erfahren möchte, jeden Tag zu erkennen. Das hiesige Milieu, das glaubt, die Weisheit mit dem Schaumlöffel gefressen zu haben, hat sich seinerzeit seit langem vom Gedanken der Wertschöpfung abgewandt. Die große Maxime, hinter der sich die Kohorte der exklusiven Konsumenten verbirgt, lautet, die Mühen, Wohlstand zu produzieren, sollten sich doch die machen, die das für richtig hielten. Ihnen geht es um nichts anderes als Verzehr. Auch sie verfügen, wie alle historischen Eliten, die alle mehr oder weniger verkommen waren, wenn sie vergaßen, woher sie kamen, über ein ganzes Bündel von Statussymbolen. Die sind allesamt, das nur als Petitesse für das Protokoll, wenn sie auch bescheidener daher kommen, weder nachhaltig noch sonst etwas. Sie zeigen, dass sie nur eines verbürgen: den unaufhörlichen, ökonomischen, kulturellen und sozialen Niedergang. 

Jeden Tag, und da, wo wir sind!

Wie entsteht Produktivität? Durch Verbote par excellence? Dadurch, dass bestimmte Dinge nicht gedacht werden dürfen? Durch den Skandal in der ersten Sekunde? Oder durch eine Idee, aus der manches wird folgen können, was im ersten Augenblick nicht als möglich gehalten wird? 

Was ist Inspiration? Die freie Assoziation der Gedanken, das Testen bestimmter Beziehungen von Ideen zueinander, das Ausschweifen in der Phantasie, die Tabuisierung des Tabus! 

Und was ist das Gegenteil? Die Ideenlosigkeit, die entsteht, wenn es einen immer größeren Kanon gibt, der vorschreibt, was gedacht werden darf und was nicht. Der Kodex der reinen Lehre, nach der zwar niemand lebt, mit dem man aber die große Masse im Zaum halten kann. Wie bei der Heiligen Inquisition, so geht es auch heute zu, im Endstadium einer mit Intoleranz durchdeklinierten Gesellschaft, in der Moralisten den Wertekanon bestimmen, der die Inspiration in Angst und Schrecken versetzt. Eine Gesellschaft, in der die das Tabu zur strahlenden Größe geworden ist und seit Jahrzehnten die Regierenden von der Alternativlosigkeit ihrer Taten reden.

Machen wir das, was uns das europäische Erbe gelehrt hat. Halten wir uns nicht an den Kanon der geistigen Starre und lassen den Gedanken freien Lauf! Es darf alles geben, nur kein Weiter so! Die Bilanz ist ein Desaster. Das Vertrauen ist dahin, die Texte, mit denen wir zugemüllt werden, ergeben keinen Sinn mehr. Es ist das Geschwafel einer Ära, die nichts mehr zu sagen hat. Was soll das alles? Jede Auseinandersetzung mit der sinnentleerten Botschaft, in der keine valide Information mehr enthalten ist, ist vergeudete Zeit. 

Es geht um alles, es geht um das Leben. Wie bekommen die Menschen ein Einkommen, von dem sie existieren können? Wie bekommen sie Wohnungen, in denen sie sich wohl fühlen und die sie bezahlen können? Wie können sie sich fortbewegen, ohne Chaos und Dreck zu erzeugen? Wie können sie miteinander kommunizieren, ohne das das Gesagte von wirtschaftlichen oder politischen Spionageagenturen abgehört und gegen sie verwendet wird? Wie kann Arbeit gestaltet werden, in denen nicht die Maschinen die Menschen, sondern die Menschen die Maschinen regieren? Und wie können Entfremdung wie Plackerei bekämpft werden, damit Körper wie Seele befreit atmen können? 

Eigenartigerweise haben diese, sehr einfachen und grundsätzliche Fragen, die die Basis jeglicher politischer Betrachtung sein sollten, nichts mit dem zu tun, womit wir täglich konfrontiert werden. Darum aber geht es. Und um nichts anderes! Lässt Euch nicht täuschen! 

Und es geht weiter. Wo wird darüber verhandelt, was zu tun ist? In Berlin? In Brüssel? In Washington? Das ist nicht der Ernst, der erwartet werden kann. Die Debatte gehört genau dahin, wo wir uns bewegen. Lasen wir uns nicht abspeisen mit dem Verweis auf andere Orte. Gehen wir in die Offensive! Das Leben ist da, wo wir sind. Also Hosen runter und Karten auf den Tisch! Die erwähnten sechs Fragen decken zwar nicht alles ab, aber das Wesentliche. Also setzen wir sie auf die Tagesordnung. Jeden Tag, und da, wo wir sind. 

Die Denktabus nehmen die Luft zum Atmen. Sie verhindern genau das, worum es geht. Lasst Euch nicht einschüchtern! Es gilt!