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Globalisierung: Von Patriziern und Plebejern

Ein eigenartiges Gefühl hat sich breit gemacht. In Zeiten, in denen eine abermalige Globalisierung die Welt so tief gespalten hat in Arm und Reich, wie es war, bei allen Globalisierungen davor auch. Und wie bei ihren Vorläufern haben sich ausgerechnet in den Zentren der Profiteure bestimmte Milieus herausgebildet, die ihr eigenes Glück, das aus dem Reichtum resultiert, in seinen Auswirkungen beklagen. So frivol kann Geschichte sein. Und wenn wir uns schon in der Dimension von Geschichte bewegen, dann können wir auch Begriffe verwenden, die aus ihr stammen. Wir haben einen Stand der Patrizier, der schillernder nicht sein könnte. 

Saturiert durch die Gewinne aus der Globalisierung, beklagen sie die Schäden, die diese und die ihr zugrunde liegende Produktionsweise hervorbringen. Dabei geht es ihnen vor allem um die Vernichtung von Ressourcen, die der kapitalistische Hunger nach ständigem Wachstum vernichtet. Die Ressource Mensch, sprich die Plebejer, interessieren den Stand der Patrizier allerdings nicht. Sie sind so arm wie lange nicht mehr, sie kommen mit den ihnen gezahlten Löhnen nicht mehr aus, ihnen fehlt es trotz fleißiger Arbeit nicht, sich selbst und ihren Kindern ein Dasein in Würde aus eigener Kraft zu gestalten. 

Damit das funktioniert, ist dafür gesorgt worden, dass ein Heer von potenziellen Konkurrenten passiv und staatlich alimentiert bereit steht. Ihre Existenz ist keine Wohltat, sondern die Ko-Finanzierung der Gewinne der aktiven Patrizier. Es ist wichtig, im Lager der Patrizier zu unterscheiden. Da gibt es diejenigen, die aktiv sind und danach streben, den bereits vorhandenen Reichtum zu mehren. Und es existiert ein Milieu von passiven Patriziern, die die Art und Weise des agierenden Systems beklagen, ihm aber ihre Existenz und die Möglichkeit zum Müßiggang verdanken. 

Die Situation mutet absurd an, aber vielleicht ist das, aus dem der Stoff der Dekadenz gemacht ist. Der müßigste und unproduktivste Teil der herrschenden Patrizier hat die Hoheit über die geistige Befindlichkeit der Gesellschaft. Ihre Appelle, verfolgt man sie nach dem Prinzip strenger Logik, müssen im Nichts verpuffen, solange sie nicht das System selbst treffen, dem die Missstände entspringen. Das hieße jedoch, dass die Grundlage der eigenen Existenz angegriffen würde. Nach dem Prinzip der Selbsterhaltung ist dieses aber nicht der Fall.

So traurig das alles sein mag, aber der alles beherrschende Zeitgeist ist eine Schimäre, die in der nächsten großen Krise entlarvt werden wird. An großen Krisen mangelt es derweilen nicht, und in ihnen wird immer deutlicher, wie das passive, scheinbar liberale Patriziertum sich abwendet von der vermeintlich humanistisch-ökologischen Lehre und ihr Heil sucht in Zentralismus, staatlichem Durchgriff und militärischer Konfrontation. Daher wird alles, worüber sich viele Menschen in diesen Tagen so trefflich aufregen, irgendwann in den Geschichtsbüchern nur noch als eine Randnotiz, die einem Treppenwitz gleicht, erscheinen. Tunica propior pallio. Das Hemd sitzt näher als der Rock. Daran hat sich nichts und daran wird sich nichts ändern. 

Momentan dominiert noch die dem Müßiggang entsprungene Lebensbeichte der passiven Patrizier das Geschehen. Warum? Weil es ein angenehmes Leben widerspiegelt, das weit entfernt ist von den Plagen, die individuelle wie gesellschaftliche Leistung mit sich bringen. Viele wären gerne schick, ohne sich plagen zu müssen. Sie wären gerne Patrizier. Welch niedriges Lebensmotiv!

Grüne: Klimawandel und Imperialismus-Doktrin

Ein Denkfehler scheint das Gros der politischen Betrachter nicht zu kümmern. Wenn davon ausgegangen wird, dass der Klimawandel eine die Menschheit bedrohende Erscheinung ist, dann kann sie auch nur in einer gemeinsamen, den Globus umfassenden Anstrengung angegangen werden. Während im nationalen Fokus davon ausgegangen wird, was alles getan werden muss, um das beschriebene Phänomen in den Griff zu bekommen, angefangen von einem fragwürdigen De-Industrialisierungskonzept bis hin zu einer bis dato nur hypothetischen Energiekonzeption, werden in der Außenpolitik alte Stereotypen bedient, die sich aus einer Konfrontationspolitik speisen, die vor allem aus den Verlustängsten der eigenen Hegemonie seitens der USA gespeist werden. Konfrontation bedeutet, betrachtet man die Aktivitäten allein in den ersten beiden Jahrzehnten des neuen Jahrtausends, Regime-Change-Kriege, die die geostrategischen Linien alter Dominanz sichern sollen und die in keinem Fall eine Verbesserung der Lage für die jeweils betroffnen Länder zu Folge hatte. Das Resultat waren immer politisch instabile Verhältnisse, soziale Verwerfungen, Ausbeutung von Ressourcen, Korruption und Massenmigration aufgrund zerstörter Lebensverhältnisse.

Nähme man den Anspruch, etwas gegen den Klimawandel unternehmen zu wollen, nur für einen Augenblick ernst, dann käme man sehr schnell angesichts dieser Bilanz zu dem Schluss, dass diese Politik den falschen Weg beschreibt. Einmal abgesehen davon, dass militärische Aktionen immer, egal von wem durchgeführt, zu den größten vorstellbaren ökologischen Kontaminationen führen, sind die Auswirkungen der durchgeführten Kriege in multipler Weise ein Beleg für die systematische Zerstörung humaner Existenzgrundlagen.

Zwar mutet es an wie ein überflüssiger Hinweis, aber das kollektive Ausblenden dieser Zusammenhänge bei der Beurteilung der Grünen als einer Partei, die nach wie vor nach dem Kanzleramt strebt, so muss darauf hingewiesen werden, dass ausgerechnet diese Partei sich zur Speerspitze der von den USA getriebenen Konfrontationspolitik entwickelt hat. Woran das liegt, darüber kann nur spekuliert werden. Dass gerade dort die Konvertiten einer ehemaligen maoistischen Bewegung sich zu Hardlinern eines die neuen Realitäten in der Welt ignorierenden US-Imperialismus entwickelt haben, ist aus der Psychologie von Konvertiten zu erklären. Dass allerdings die vielen wohlmeinenden Menschen, denen es um eine ökologischere und humanitärere Politik geht, keinen Blick auf die vermeintliche Täuschung werfen, hat mit der unseligen Fokussierung auf den eigenen gesellschaftlichen Nabel zu tun.

Ein Land, in dem die politischen Eliten nahezu pausenlos von der wachsenden eigenen Verantwortung sprechen, ohne eine neue, transparente und öffentlich diskutierte Konzeption präsentieren zu können und ohne mit einem Wort den Konnex außenpolitischen Handelns mit den ökologischen Implikationen zu erwähnen, kommen mit diesen antiquierten Aufforderungen, sich einer Konfrontationspolitik im Streben nach Weltherrschaft anzuschließen nur deshalb so ungeschoren davon, weil sie gleichzeitig die Illusion nähren, mit mehr Radwegen in deutschen Innenstädten, mit mehr Windrädern und weniger Fleischkonsum könne eine Wende zum Besseren eingeleitet werden. Wer diese Illusion anhängt, wird böse erwachen.

Hand aufs Herz: wenn im Umgang mit Mensch und Natur etwas auf dem Globus verändert werden soll, wie soll das gehen ohne China, ohne Russland, ohne Brasilien, ohne Indien? Durch Konfrontation, durch deren Befriedung durch Kriege, durch die dortige Entstehung neuer urbaner Eliten, die durch ihr exklusives Konsumverhalten die Welt zu einer besseren machen? 

Die Grünen stehen, ohne lange recherchieren zu müssen, in ihren Äußerungen hinsichtlich militärischer Mobilmachung in vorderster Linie mit den aggressivsten Stimmen der us-amerikanischen Administration. In Bezug auf den Konnex zur Welt-Ökologie sind sie stumm wie ein Fisch. Nimmt man sie beim Wort, dann sind sie Kriegstreiber par excellence. Hinsichtlich einer neuen, notwendigen, internationalen Politik, herrscht das Schweigen der Phantasielosigkeit.