So, wie es scheint, wird die häufig zu beobachtende Hysterie zu einem Massenphänomen. Das, was uns die Politiker, unabhängig von der politischen Couleur, an Katastrophenprognosen übermitteln, reicht eigentlich schon aus, um, nimmt man die Botschaften ernst, den Gedanken an einen finalen Schuss vorm Toilettenspiegel schon einmal nähren kann. Wer allerdings glaubt, bei diesen Szenarien handelte es sich um die Klimax, hat sich mit den Dunkeltönen verspekuliert. Es geht immer noch eine Stufe schlimmer.
In den Nachrichtenorganen herrscht ein Wettbewerb darüber, wie die düsteren Prognosen aus der Politik noch gesteigert werden können. Wenn man sich vor Augen führt, dass das Genre ursprünglich einmal dafür gedacht war, harte Fakten und Informationen zu liefern, die die Empfänger dazu ermächtigten, sich eine eigene Meinung zu bilden, dann leben wir nach erfolgreicher Monopolisierung und Digitalisierung in einer anderen Welt. Dass das Metier mit sehr unterschiedlichen Maßstäben arbeitet, darf dabei nich aus dem Blick geraten. Denn während der Klimawandel jede Form von Zukunft in der Lage ist zu zerstören, so ist die Produktion und die massenhafte Anwendung von Waffen so etwas wie eine lässliche Notwendigkeit. Und dass gerade diejenigen, die sich für Maßnahmen gegen den Klimawandel aussprechen, in Sachen Krieg zu taubstummen Schaufensterpuppen degenerieren, stört allenfalls noch jene, die sich durch die geplante und zum Großteil erzielte Wirkung der Katastrophenprognostik, nämlich einer Form pathologischer Massenangst, nicht haben beeindrucken lassen. Diejenigen übrigens, die diesem inszenierten Wahnsinn bis heute zu widerstehen in der Lage sind, kann guten Gewissens eine Zukunft prognostiziert werden.
Die Realität, die durch ein konzentriertes Programm von Beeinflussung kontaminiert worden ist, sieht so aus wie in einer Psychoklamotte aus der vor-woken Hollywoodzeit. Da legen die einen große Lager an, in denen sich Ravioli-Dosen, Trinkwasserflaschen, Packungen mit Kraftkeksen, Toilettenartikeln, Fettreserven und Einmachgurken stapeln, da sind andere hektisch auf der Suche nach einem sicheren Exil, da werden Vermögen liquidiert und transferiert, da werden Visa beantragt und Flugtickets gebucht, da werden die Signets der alten Heimat auf den Sperrmüll gestellt und da werden Testamente geschrieben. Irren Blickes hasten die Armen durch die gefühlt letzten Alltage eines friedlichen, zivilisierten Lebens. Und die, die nichts haben als ihre Arbeitskraft, die zur Miete wohnen und gar nicht wissen, wie man sich aus dem Staub macht, die bleiben hier. Sie sind es, die immer die Suppe auslöffeln müssen.
Und wer meint, das sei nur hier, in der Bundesrepublik zu beobachten, sollte sich einmal anschauen, was in den USA zur Zeit die Gemüter erhitzt. Noch heute bekam ich eine Nachricht von an der Ostküste lebenden Demokraten, die mitteilten, dass aus ihrer Sicht Donald Trump nicht mehr aufzuhalten sei und sie die Koffer für das brasilianische Exil schon gepackt hätten. Grundlage für diese Art der Panik waren Artikel, in denen prognostiziert wurde, dass Trump auf Rache an den Demokraten Sinne.
Wenn es gelungen ist, die Dosis von Angst und Panik so in die Höhe zu treiben, wie das zur Zeit der Fall ist, dann ist guter Rat teuer. Nur so viel: Exil ist zumeist der erste Schritt im Sterberitual. Wer anderes erzählt, hat sich die vielen Fälle, die es aus politischen Gründen in der Geschichte gab, nicht angesehen. So schmerzhaft es scheinen mag: Zum Verbleib gibt es, besonders angesichts der vorhandenen Destruktionspotenziale, keine Alternative. Die Geschichte lehrt, dass jede Form der Macht und Herrschaft eine Halbwertzeit besitzt. Wer erzählt, dass alles immer so bleibt, wie es ist, möchte das vielleicht so hoffen. Diese Hoffnung wird sich mit Sicherheit nicht erfüllen.
