Immer wieder ist es mir so ergangen. Ich fand Menschen, mit denen ich mich verstand. Da stimmte alles. Die Hoffnungen, die auf eine Zukunft gerichtet waren. Das Lebensgefühl. Der Lebenswillen. Der Genuss. Der Humor. Und die Unersättlichkeit. Wir freundeten uns an, wir stahlen uns das Leben und fraßen vom Kuchen des Daseins bis nichts mehr hineinpasste. Dabei fragten wir nicht nach der Zeit, sondern lebten in den Tag hinein. Jeder Tag ein Fest. Jeder Tag eine Revolution. Jeder Tag ein Superlativ. Und es schien, als ginge das immer so. Bis zum Jüngsten Tag.
Aber es war nicht so. Und es wird nie so sein. irgendwann war das Pulver verschossen. Irgendwann ereilte uns die Einsicht, dass es noch etwas anderes gab, das gemacht werden musste. Oder sollte. Weil im tiefen Innern doch so etwas wie eine Vernunft waltete, die uns soufflierte, dass das schöne Leben, mit allen Widrigkeiten, die auch das bot, nicht ewig so weitergehen konnte. Irgendwann rief die Pflicht. Sie war der Wink, den das bürgerliche Leben dem Drop Out gab. Hey, ihr kleinen Strunzer, nun mal ans Werk, wenn aus euch etwas werden soll.
Bei manchen, mit denen ich unbeschwerte Zeiten erlebte, kam der Wink nicht. Sie blieben das, was sie waren und versanken in der Belanglosigkeit. Manchmal reichten nur wenige Jahre, die ich sie nicht sah, und dann, wenn ich sie traf, ereilte mich das blanke Entsetzen. Sie so zu sehen, wie ich vor dieser Zeit auch war, nur ein bisschen älter, nur ein bisschen zerstörter. Sie blieben dort, und wenn sie nicht gestorben sind, dann vegetieren sie noch heute in der Vergangenheit.
Und andere wiederum, die auch den Wink bekommen hatten, sich aber anders orientiert hatten, sie waren, wenn ich sie traf, spannend geblieben. Das Interessante bei solchen Zusammenkünften war, dass wir uns viel zu erzählen hatten. Über das, was in der Zwischenzeit passiert war und das, was da noch kommen sollte. Die gemeinsame Vergangenheit spielte gar keine Rolle. Was uns verband, war das zurückliegende Glück und das inzwischen Gelernte.
Der Stillstand derer, mit denen ich so wilde Zeiten erlebt hatte, hat mich immer betrübt. Und das Tempo derer, die sich weiter entwickelt hatten, hat mich immer beglückt, auch wenn ich es oft nur noch aus der Ferne wahrnehmen konnte.
Der Ausgangspunkt war, zumindest bei mir, der Wunsch, aus beengten Verhältnissen entfliehen zu wollen. Da passte der Refrain des Dylan Songs.
How does it feel
To be on your own
With no direction home
Like a complete unknown
Like a rolling stone.
Was sich zu Anfang des Wegs wie der Blues pur anfühlte, ist heute, nach so viel Jahren und so vielen Erfahrungen, ein einziges Glücksgefühl. Ja, das ist der Weg, der ist richtig, und er bedeutet Freiheit. Und ja. Sie hat ihren Preis. Du darfst immer träumen. Aber nicht an der falschen Stelle. Das ist das Geheimnis.


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