ZZ Top. La Futura
Es versteht sich von selbst, dass eine Band, die seit vierzig Jahren erfolgreich unterwegs ist und die durch verschiedene Entwicklungsphasen auch unterschiedliche begeisterte Hörer hervorgebracht hat, mit jedem neuen Album für großes Aufsehen sorgt. Dass ZZ Tops La Futura als erste komplette Studio-CD nach fast einer Dekade das machen würde, lag ebenfalls auf der Hand. Und dass vor allem Billy Gibbons die Chance nutzen würde, daraus eine gezielt angelegte Marketingstrategie zu machen, ist ebensowenig verwunderlich. Wenn dann dieses Produkt auch noch La Futura heißt und im Vorfeld als richtungsweisend bezeichnet wird, dann sind die Erwartungen groß.
La Futura ist da und es ist eine Produktion, die für diejenigen, die ZZ Top schon immer hören, sicherlich gelungen. Im Grunde genommen sind die zehn eingespielten Titel das, was man unter dem Label ZZ Top auch schon früher gehört hat. Für viele wohltuend ist die Rückkehr zu den musikalischen Anfängen, ohne die Überbordung mancher Kompositionen mit Synthesizertechnik. Das vor allem für Europäer Neue der Band, als sie vor allem 1980 im Rockpalast für Furore sorgte, nämlich diese wohl nur in Texas existierende Mixtur von erdigem Rock und Wüstenblues, ist ein Element, das sich in nahezu allen Songs von La Futura wieder findet.
Das lässt sich durchspielen, schon mit Gotsta Get Paid, dem ersten Stück, das einer in den USA bekannten Hip Hop Nummer entlehnt ist, rumpelt der durch knallharte, raue Gitarrenriffs getragene texanische Groove aus der Sechsten Straßen Austins durch alle Fugen. Auch im zweiten Stück, Chartreuse, das sich anhört wie die alten Zeiten, sind die allzu bekannten Schemen am Werk, die auch im folgenden Consumption wirken. Und als wolle Gibbons, den man sich mit dem Gesamtwerk nur ständig augenzwinkernd vorstellen kann, nach einer Beruhigung des Stammpublikums auch anderen Seiten zuwenden, folgt mit Over You eine der eher seltenen Balladen, von Gibbons selbst gesungen, rau, gefühlvoll, melancholisch und mit weitem Blick. Was dann folgt, ob Heartache in Blue, I Don´t Wanna Lose, Lose, You, oder Flyin´High und Big Shiny Nine, es sind wuchtige Applikationen des Texas Blues Rock a la ZZ Top. It´s Too Easy Manana ist die einzige, leichte Hommage an die alten Pop-Eskapaden und Have a Little Mercy, das letzte Stück, kommt daher wie eine Bitte, so manches der Vergangenheit zu verzeihen, das zu sehr die Wurzeln leugnete.
La Futura ist für diejenigen, die die einzigartige, betörende Südstaatenkombination aus Rock und Blues im klassischen Sinne mögen, eine sehr gelungene Vorstellung. Zu den Fähigkeiten der Akteure muss man nicht viel sagen und es ist immer noch ein Hochgenuss, den gnadenlosen, verrauchten und klirrenden Soli eines Gibbons, der fast zeitgleich auf einem Sampler zu Fleetwood Mac mit seiner Interpretation von Oh Well demonstriert hat, zu was er in seinem zarten Alter fähig ist, zuhören zu können. Die Zukunft von ZZ Top liegt, wenn es nicht nur eine exklusive Marketingstrategie, sondern auch eine programmatische Ausrichtung war, in den Wurzeln. Und das ist o.k. so.
