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Wie viele verpasste Chancen braucht es?

Das Thema wird immer lästiger, weil die Zeitpunkte, an denen eine Korrektur hätte stattfinden können, regelmäßig nicht genutzt wurden. Die Berichterstattung über das, was auf der Welt geschieht, findet in den öffentlich-rechtlichen Medien schlecht oder gar nicht statt. Mit schlecht ist gemeint, dass behauptet werden könnte, hinter der schlechten Qualität liege Absicht, um Trugschlüsse auf eindeutiges Geschehen zu inszenieren. Und wenn etwas gar nicht erwähnt wird, obwohl es für das hiesige Schicksal wichtiger ist als ein verunglückter Bus in Guatemala, dann kann auch das eine absichtsvolle Handlung genannt werden. 

So ist beim Konflikt zwischen Russland und der Ukraine der jüngste Vorfall im Meer von Asow keine neue Eskalation, sondern die Folge von Handlungen, die bereits zurück liegen. Da wurden russische Seeleute von ukrainischen Kräften aufgebracht, die Schiffe beschlagnahmt und die Besatzung inhaftiert. Da gab es das auch schon auf der anderen Seite und es gab Verhandlungen über den Austausch des jeweiligen Personals. Die russische Seite ließ ukrainische Seeleute frei, die russischen dagegen sitzen noch in ukrainischer Haft. Wer das weiß, spricht nicht von einer dramatischen Eskalation seitens Russlands und rekonstruiert ein anderes Bild im Kopf. Dass das geschieht, scheint nicht gewollt zu sein. Herauszufinden war die Vorgeschichte, sie hätte Erwähnung finden müssen, um das Publikum nicht eindeutig zu positionieren.

Die gelben Westen, die wie Mensch gewordene Kleidungsstücke im benachbarten Frankreich auf die Barrikaden gehen und allerlei Unruhe stiften, sind in der öffentlich-rechtlich aufbereiteten Berichtsform eine heikle Angelegenheit. Was wir aus dieser Quelle wissen, ist, dass sie sich aus Anlass von einer neuen Form der Benzinpreiserhöhung organisierten und dann, so die Darstellung, allgemein gegen Macron sind und nun das Land in Brand setzen. Wer sich aus anderen Quellen informiert, erfährt jedoch, dass es von Anfang an um die Kritik an der neoliberalen Agenda des dortigen Präsidenten ging, dass sich hinter den gelben Westen eine Massenbewegung steht, in der Menschen aus allen Parteien und auch aus Macrons eigener En-Märchen-Bewegung sind. Da erhebt sich ein Land gegen eine neoliberale Agenda, es ereignet sich etwas, das durchaus Analogien zu hiesigen politischen Verhältnissen zeigt, und da wird von ominösen, entmenschlichten gelben Westen berichtet, die in Paris Autos in Brand setzen und gegen die sich die Polizei mit Tränengas wehrt. Die journalistische Agenda ist nicht verborgen, sie ist offen und setzt auf Desinformation. Und dass der Lack der Ikone Macron längst ab ist und die negativen Folgen, die durchaus absehbar waren, nun zutage treten, dass ist, wie so vieles, kein Thema.

Ein weiteres Beispiel wäre der Migrationspakt der Vereinten Nationen, von dem berichtet wird, er wäre lange und breit diskutiert worden, den jedoch die wenigsten kennen. Wäre es nicht, so stellt sich die vielen durchaus zugängliche Frage, im internationalen Kontext die zu erörtern, durch was Migrationsströme entstehen und was vor allem geschehen muss, um Menschen vor der Flucht zu bewahren? Wäre es nicht konsequent logisch, das Strategem des Regime Change, welchem die USA und die ihr im Westen folgende Korona seit nahezu einem Vierteljahrhundert folgen, den aus ökonomischen Motiven stattfindenden Raub von Ressourcen und die Zerstörung der Natur als Ursache für Massenmigration auszumachen?  Wäre das nicht ein Sujet für die Berichterstattung? Wie viele verpasste Chancen braucht es, um den Ruf für final zu ruinieren?