Das alte Wort des Globetrotters hat zu Missverständnissen geführt, die nicht zu unterschätzen sind. Nicht, dass diejenigen, die sich historisch die Bezeichnung des Globetrotters redlich verdient hatten, dafür verantwortlich machen zu wollen, was heute an Mystifikation hinsichtlich einer falsch verstandenen Globalisierung die Runde macht. Die Globetrotter waren zumeist Freidenker und Abenteurer, die aus der Enge der Heimat in die Welt getrieben wurden, um ihren Horizont zu erweitern, Kenntnisse zu erwerben und der alten Heimat dazu zu verhelfen, die weite Welt etwas besser zu begreifen. Sie nahmen vieles auf sich, riskierten nicht selten ihr Leben und trugen dazu bei, dass es in manch dunklem Heimatland etwas lichter wurde, was die Welterkenntnis anbetraf.
Dann gab es diejenigen, die sich aufmachten, weil sie in der eigenen Welt nicht mehr zurechtkamen oder -fanden. Viele von ihnen fühlten sich eingeengt oder gestresst hinsichtlich der existenziellen Anforderungen, die die Heimat an sie stellte. Sie wollten dem entrinnen und sie wurden bekannt unter der Chiffre Aussteiger. Nimmt man die Metapher ernst, so verließen sie einen fahrenden Zug, weil sie das Bestimmungsziel nicht mehr erstrebenswert fanden. Auch ihre Motive sind nicht unbedingt zu kritisieren, denn schon Goethe wusste, dass der Mensch frei und sein Feld die Welt ist. Doch im Gegensatz zu Auswanderern, die wiederum in einem anderen Land ihre eigene Existenz errichten wollten, suchten die Aussteiger mehrheitlich Orte auf, die sie für geeignet hielten, sich auf keine zivilisierte Teilnahme an einem Gesellschaftsgebilde mehr einzulassen. Sie suchten Nischen, wo sie ihr Dasein in der gewünschten Form des Müßiggangs fristen konnten. Bedenkt man, dass es auf der Welt kaum Gesellschaften zu geben scheint, in denen man ohne ursprünglichen Besitz ein Leben ohne Leistung führen kann, dann liegt die Erkenntnis nahe, dass das Projekt des Aussteigens tendenziell zum Scheitern verurteilt ist.
So trifft man sie dennoch an, in vielen Ländern am Rande der großen Zivilisationen, zum Teil aus wirtschaftlich starken und komplexen Staaten kommend, wie sie sich entwickelt haben zu einer Kaste, die noch weit unter der untersten ihrer Gastländer figuriert. Je länger sie schon dort sind, desto desolater ihre Lage, desto größer die Kluft zwischen ihrem einst so großen Anspruch und dem täglichen Dasein. Man trifft sie zumeist dort, wo sich vielleicht die Touristen aus ihren eigenen Heimatländern herumtreiben, denen sie irgendwelche erbärmlichen Handarbeiten anbieten und Schauermärchen über ihre wunderbare Existenz erzählen. Dabei spielen sie die letzte Rolle und bezeichnen sich als die Pioniere der Globalisierung.
Letztere jedoch ist und war in den früheren, historischen Wellen immer ein Konstrukt gewaltiger Anstrengungen, die eigenen Leistungssphären zu erweitern, mit großer wirtschaftlicher Macht und mit kultureller Überlegenheit. Die Epochen der Globalisierung standen und stehen unter dem Zeichen der Perfektionierung und Optimierung. Aber auch sie produzierten die Flucht und das Aussteigertum. Der Eskapismus ist die Schattenseite der Globalisierung.
