Vielleicht ist die Klage über den Unhold Trump, die in Germanistan nahezu alle vereint, auch einfach nur der Konsens des Mittelmaßes. Das, was Trump an politischen Entscheidungen bisher getroffen hat, ist auf keinen Fall schlimmer als der politische Veitstanz, den ein George W. Bush aufgeführt hat. Vielleicht übertrifft Trump noch das weltweite Toben eines Bush und, das hat das arische Kollektiv vergessen, Obama hatte auch keine schlechte Bilanz. Allerdings ist es so, dass immer zählt, in welcher Garderobe und mit welcher Rhetorik etwas vorgetragen wird. Und liegen die Missetäter im Trend der Moden und Usancen, ist jeder Unsinn und jedes Verbrechen kaum der Rede wert.
Alle wissen, was deutsche Waffenexporte in der Welt anrichten, alle wissen, welche destabilisierende Politik die Deutschen auf dem Balkan einsetzten und dass sie mit alten Faschistenbündnissen kooperierten, alle wissen, in welchen Kaufrausch deutsche Banker den griechischen Staat trieben. Aber das alles sieht sehr solide aus, weil die Akteure dieser Politik mit grauen, schlecht sitzenden Anzügen oder Kostümen und Bürokratengesichtern agieren. Das schafft Vertrauen, wenigstens in Germanistan. Wer da langweilig daherredet, der kann nichts Schlimmes begehen. Das wird vielleicht erst anders, wenn die gewählten Politiker aus anderen Metiers kommen und sich nicht verstellen. Dann kommt das richtige Leben in die Politik und mit ihm das Zutrauen, dass man es tatsächlich mit Leuten zu tun hat, die nach Schweiß, Blut und Blei riechen.
Die seichte Schläfrigkeit, die sich über die bundesdeutsche Politik gelegt hat, führte zu einer Sedierung der gesamten Gesellschaft. Selbst die immer kritisch gegenüber den Herrschenden stehenden Intellektuellen sind sanft entschlafen in ihren hippen Caféterias, in denen vor lauter Latte kein Koffein mehr wirkt. Die einzigen Akteure, und das ist ein Zeichen an sich, die überhaupt noch Kritik an der Politik des neuen deutschen Imperiums üben, sind die Kabarettisten und Komiker. Man kann es nicht leugnen: Die bleierne Zeit ist lange vorbei und sie war lebendig gegen dieses Zeitalter der Inquisition ohne physische Folter. Hirnerweichung ist schlimmer als rohe Gewalt.
Insofern hat Amerika mit Donald Trump ein Geschenk erhalten. Obama, diesen Sympathieträger, für das imperiale und menschenverachtende Handeln der USA zu verurteilen, fiel schwer, sehr schwer. Dessen Nachfolger Trump, der aussieht wie ein Pokerspieler im Hinterzimmer einer Oben-ohne-Bar, und der sich auch so aufführt, ihm den ganzen Unsinn, den er verzapft, um die Ohren zu hauen, das fällt nicht schwer. Und dennoch: Hut ab vor einem Rapper wie Eminem, der sich das Früchtchen vorknöpft und kein gutes Haar an dessen aggressiver, menschenverachtender Politik lässt. Man sehe sich das auf YouTube an und träume von solchen Zuständen im eigenen Land. Rotzfreche Kritik gegen die Herrschenden, im Land der guten Deutschen ist sie unbekannt.
Nach Ursachen für das Fehlen eines deutschen Eminem muss nicht lange gesucht werden: In einem Land, von dem die Mehrheit meint, es sei eines der besten der Welt und wo die meisten tatsächlich glauben, dass hier das Beispiel für ein gutes Leben an sich gegeben wird, da kann es eigentlich auch keine harsche Kritik geben. In den USA, der ältesten Demokratie des Westens, die bis heute ohne Diktatur ausgekommen sind, da ist so etwas notwendig, meint man hier, aber in Germanistan, da ist alles zum Besten bestellt. Man scheint tatsächlich auf einem besten Weg zu sein: dem in die nächste Katastrophe!
