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Einfache Fragen zum Thema Integration

Seit der Entscheidung, über eine Millionen Menschen die Einreise zu gewähren, die sich mehrheitlich als Kriegsflüchtlinge auf den Weg gemacht hatten, ist vieles geschehen. Die Entscheidung der Kanzlerin selbst zu skandalisieren ist müßig, denn entschieden ist entschieden und die Alternative, dass Tausende in einem Blutbad auf Ungarns Straßen und Feldern erlegen wären, weil Deutschland und Österreich die Grenzen geschlossen gehalten hätten, kann nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Da war der Kanzlerin die deutsche Geschichte präsent und da war auch ein tiefer humanistischer Impuls. Und bei the way, während die Koalitionspartner von der SPD bei Anruf sofort dieser Entscheidung zugestimmt hatten, war Kollege Seehofer in Urlaub und nicht erreichbar. Nach eigenen Angaben war sein Handy abgeschaltet. Absence by Staatskrise nennt man so etwas wohl.

Natürlich mussten die Behörden zunächst überfordert sein, denn einen solchen Fall in diesem Ausmaß hatte es vorher noch nicht gegeben. Interessant ist, wie sich einerseits die Bundesregierung zügig an die Optimierung der Verfahren gemacht hat und in den Kommunen, dort, wo letztendlich die Schicksale ankamen, ein gesellschaftliches Engagement sondergleichen zutage trat, das zeigte, dass die Gesellschaft nicht so satt und und phlegmatisch zu sein scheint, wie oftmals behauptet.

Nun, nachdem die entscheidenden Verfahren zumindest anwendbar geworden sind und vor Ort die große Herausforderung der Grundorganisation gemeistert wurde, stellen sich die eigentlichen Fragen, wie Integration bewerkstelligt werden kann. Und es ist festzustellen, dass die Bundesbehörden im Grunde genommen ihren Job als getan erachten und die Kommunen vor der Herkulesaufgabe stehen, Menschen aus anderen Kulturkreisen in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.

In das allseits beliebte Spiel der gegenseitigen Schuldzuweisungen oder der gegenseitigen Versagensvorwürfe zu verfallen, wird nicht hilfreich sein. Aber vielleicht wäre es hilfreich, sich zum Thema Integration einige Fragen zu stellen, die unabhängig von dem sind, was wir so gerne als deutsche Verhältnisse bezeichnen. Und das kann gar nicht so schwer sein, denn wir haben hier bereits zahlreiche Beispiele gelungener Immigration, wie zum Beispiel die vielen Flüchtlinge aus dem Balkan in den neunziger Jahren. Oder man fragt die Verwandten, die nach dem großen Krieg noch nach Amerika rübergemacht haben. Wie die USA, das größte Einwanderungsland des Westens, eine Fülle von Beispielen liefert, was die Integration von Menschen anderer Kulturen in die des Westens ausmacht.

Und da sind die Antworten, egal mit welcher Gruppe man sich befasst, sehr ähnlich. Menschen, von denen die Gesellschaft denkt, sie seien erfolgreich integriert und die das auch von sich selbst behaupten, haben die gleichen Erfahrungen gemacht. Sie kamen, aus welchen Umständen auch immer, weil sie ein besseres Leben wollten als das, welches hinter ihnen lag. Sie wollten und waren in der Lage, die Sprache dieses Landes zu lernen und sie wollten und waren in der Lage, in diesem neuen Land arbeiten zu können, um sich die wirtschaftlichen Grundlagen für eine Existenz zu schaffen. Die Staaten, die ihnen diese Chance gaben, lernten sie zu schätzen, auch und vor allem aufgrund ihrer institutionellen Verfasstheit. Unabhängige Institutionen, die leistungsfähig waren und auf einem allgemein gültigen Recht fußten, schufen die Bedingungen, die die Menschen befähigten, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen und etwas daraus zu machen. Das klingt sehr einfach. Und das ist sehr einfach. Man muss nur entlang dieser Aussagen einmal prüfen, wo die Reise in die falsche Richtung geht und wer den Blick für die Realität von Gesellschaften verloren hat.