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USA: Fall der Titanen

Jetzt werden sich viele freuen. Donald Trump wollte groß auftrumpfen und in Oklahoma seinen Wahlkampf neu starten. Es blieben nicht nur viele Plätze leer im Saal, nein, man hörte auch noch laute Proteste von außen. Er selbst wirkte unkonzentriert und man merkte ihm an, dass er Situationen, in denen er konfrontiert wird und nicht selbst den Mäusefänger spielt, nicht kennt. Insgesamt gut so. Aber ein Grund zum Jubeln? Wer hier, diesseits des Atlantiks, glaubt, mit einem stolpernden Trump sei die die Welt wieder in Ordnung, hat die Lage nicht begriffen. Es geht in den USA nicht um die Figur eines Banausen aus der Bau-Branche, den es in die Politik verirrt hat. Es geht um den letzten Kampf eines weißen, erschöpften Amerikas um die Vorherrschaft im eigenen Land und es geht um ein schwächelndes Imperium in einer von ihm bestimmten Weltordnung. Da reicht es nicht, wenn Donald, der Deutsche, endlich auf die Schnauze fällt.

Hier im heiligen Europa ist der Blick immer ein bisschen gefangen in den eigenen Gepflogenheiten. Das ist verständlich und sollte immer auch ein wenig Gnade walten lassen. Dennoch verstellt es den Blick auf Manches, das wesentlich ist. So ist hier nicht angekommen, dass die Wahl Trumps auch, in starkem Maße und sehr wohl immer wieder ausgesprochen, die Reaktion des weißen Amerikas auf den schwarzen Präsidenten Barack Obama war. Es entzieht sich der Imaginationskraft sehr vieler Menschen hierzulande, was für ein Affront der intellektuell und rhetorisch ausgewiesene Afroamerikaner aus dem urbanen Chicago für die alten Machteliten war. Ein Nigger im weißen Haus! Eine Katastrophe!

Dass für viele, die die USA nur unter der weißen Dominanz gesehen und begriffen haben, ein solches Ereignis eine Art Endkampfstimmung erzeugt hat, ist nicht überraschend. Und so wurde Donald Trump auch, nicht nur, wegen der Rassendominanz ins Amt gespült. Dass sich die demographischen Daten verschoben haben, macht die Sache nur umso skurriler. Denn die sagen, dass die Zeiten der weißen Mehrheit längst vorbei sind. Dass sich der Hass der alten weißen Rassisten gegen die alten Sklaven richtete, macht die Lage nur noch irrationaler. Denn die Konkurrenz um Funktionen und Ämter kommt eindeutig aus Asien und Südamerika. Die US-Bürgerinnen und -Bürger, die einst aus diesen Regionen kamen, sind zahlenmäßig soweit, dass sie sukzessive das Land übernehmen können. Und sie werden es tun. Derweil schlagen die alten Protagonisten aufeinander ein. Ball pompös! Ball fatal! Ball vor dem Fall!

Dass die Demokraten, obwohl sie exzellente, junge und charismatische Vertreterinnen aus den erwähnten Ethnien als Kandidatinnen hätten protegieren können, zeigt sehr deutlich, dass keine der weißen Parteien dem Kampf aus dem Weg gehen kann. Wenn man so will, kann man Joe Biden als den Donald Trump der Demokraten bezeichnen. Im Gegensatz zu ersterem kann dieser zwar mit Messer und Gabel essen, aber er ist in jeder Hinsicht ein ebenso glatter Bellizist wie der Republikaner. Er hat innerhalb der Partei alles rasiert, was in die Zukunft weist. Insofern ist, sollte es so kommen, mit der Wahl Joe Bidens der letzte Kampf der alten weißen Eliten noch nicht zu Ende. Es gehört keine große prognostische Fähigkeit dazu, den USA ein Jahrzehnt großer Auseinandersetzungen innerhalb der eigenen Grenzen zu prophezeien. 

Es wird also zu Sache gehen. Der letzte Kampf der White Anglosaxon Protestants um die Herrschaft ihres Hauses ist auch das Moment, welches das Auftreten in einer sich dynamisch verändernden Welt bestimmt. Ein weniger kriegerisch ausgerichtetes Arrangement innerhalb der Weltgemeinschaft wird erst dann zu erwarten sein, wenn die aus der inneren Dynamik der us-amerikanischen Gesellschaft erwachsenen Verhältnisse sich in den Funktionen des States Ausdruck verschafft haben. Wer das als Spekulation betrachtet, mögen das tun. Ein Blick auf die derzeitige Besetzung der wichtigen Bürgermeisterämter in den großen Städten zeigt jedoch, wohin die Reise gehen wird. 

Der zornige Iwan und die pikierte Gouvernante

Es gilt im Allgemeinen als untrügliches Alarmzeichen, wenn einem die Tragweite des eigenen Handelns nicht mehr bewusst ist. Ein solcher Umstand ist der Eintritt in die soziale Disruption. Die Person macht etwas, ohne zu reflektieren, was es mit anderen Personen macht, die von dem eigenen Handeln betroffen sind und sie ist sogar erstaunt, wenn Reaktionen kommen. Was im zivilen, persönlichen Bereich oft mit einer Irritation und nicht selten mit einer Tragödie oder einer professionellen Therapie und etwas Hoffnung endet, ist in der Politik die beste Voraussetzung für eine Katastrophe. 

Ein Akteur, der den beschriebenen Anschein erweckt, ist sicherlich der derzeitige amerikanische Präsident Donald Trump. Ihn jedoch in der Wahrnehmung als einen armen Tropf zu verbuchen, wäre ein gefährlicher Irrtum. Bei ihm, den die Medien gerne als einen erratischen Wirrkopf ohne Tischsitten darstellen, handelt es sich um bewusstes Kalkül. Was sich die meisten Menschen, die in einer zivilen Atmosphäre sozialisiert wurden, nicht vorstellen können oder wollen, ist bei ihm der Fall. Er spielt bewusst mit der Beschämung, der Brüskierung, der Provokation anderer und sieht sich an, was dann passiert. Trump ist kein pathologischer Fall im Sinne einer sozialen Störung, er ist ein Paradebeispiel für ein Individuum ohne sozialen Kodex. Vornehm ausgedrückt, könnte man ihn als eine Blaupause des Utilitarismus bezeichnen. Aber das nur für diejenigen, die selbst in der Verrohung noch einen ästhetischen Anspruch pflegen wollen.

Ob nun, um zu einem anderen Fall zu kommen, eine Bundesverteidigungsministerin, die vor allem in diesem Amt selbst mit der Chiffre AKK kokettiert, die mildernden Umstände einer pathologisch dissoziierten Person in Anspruch nehmen kann und ob ihr eine Therapie hülfe, sei dahingestellt. Dass sie sich jedoch so verhält, als hätte sie nicht den leisesten Schimmer, wie das von ihr politisch zu verantwortende Verhalten auf andere Beteiligte auswirkte, ist ausgemacht.

Im Rahmen einer „Rettungsaktion“ deutscher Staatsbürger aus dem chinesischen Wuhan, das als Zentrum der Corona-Infektion gilt, wurde ein Flugzeug der Luftwaffe eingesetzt. Selbstverständlich hatten die chinesischen Behörden zugestimmt und alles verlief reibungslos, bis auf den Rückflug, bei dem Russland einen Zwischenstopp auf dem eigenenTerritorium untersagte und folglich eine andere Route genommen werden musste. Frau AKK drückte in ihrem Pressestatement ihre Irritation über das russische Verhalten aus und formulierte in der Strenge einer pikierten Gouvernante, dass sie darüber nicht amüsiert und der Vorfall an anderer Stelle noch zu betrachten sei.

Nun muss konzediert werden, dass das russische Verhalten unter normalen Umständen durchaus Grundlage einer Irritation sein könnte. Was spricht dagegen, bei alle Menschen und Staaten betreffenden Gefahren international nicht zu kooperieren? Die Antwort ist einfach: der nicht oder schlecht informierte Bürger attestierte in einem solchen Fall dem russischen Part zumindest das Attribut eines Gemeinwesens ohne Herz und ohne Berechenbarkeit. 

Wer allerdings informiert ist, weiß, dass sich derzeit in einem seit dem Kalten krieg nie gekannten Ausmaß NATO-Truppen versammeln, um in einem Mammut-Manöver dem Iwan direkt an dessen Grenze das Fürchten zu lehren. Zu dem Aufgebot gehören auch alle deutschen Waffengattungen inklusive der Luftwaffe. Dass der seinerseits irritierte Iwan da mächtig angeraunzt ist und er sich nicht in Kooperationslaune befindet, wundert da in keiner Weise.

Bliebe nur noch die Frage, ob die offiziell dafür verantwortliche Ministerin eine eher bemitleidenswerte Person ist, die die Tragweite ihre eigenen Handelns nicht mehr überblickt und der empfohlen werden sollte, sich professionelle Hilfe zu holen, oder ob sie vom Naturell her mit dem großen Cowboy jenseits des Atlantiks verglichen werden kann, en miniature, versteht sich? Man kann es drehen und wenden, wie man will. Beides wäre und ist eine ausgewachsene Katastrophe.  

Die letzte Schlacht der alten, weißen Milliardäre

Wenn von Zukunft gesprochen wird, ist zumeist die Initiative der Jugend gemeint. Es wirkt immer etwas schrill, wenn die Perspektiven für die Zeit, die da kommen wird entwickelt werden und die Alten das Wort führen. Sie sind diejenigen, die, wenn es eine gute Zeit war, ihr Leben lang gestaltet haben, und wenn es schlecht war, dann haben sie nur verwaltet. Trifft letzteres zu, dann ist es um so erforderlicher, dass die Jugend die Initiative ergreift. Sie weiß, dass sie die Alten überleben wird und sie muss wissen, was sie will. Bleibt ihre Stimme stumm, dann dümpelt die Gesellschaft dahin, ohne Hoffnung und ohne Initiative. Bleiben wird nichts, wie es war, aber ein Subjekt mit einer gesicherten Perspektive sollte schon vorhanden sein, wenn ein Ende in der Katastrophe vermieden werden sollte.

Dass sich mit der großen Unordnung, die in der Welt herrscht, die Frage nach der Zukunft umso drängender stellt, ist folgerichtig. In diesem Kontext ist es ein einzigartiges Dokument, dass sich in den USA nun nach Trump ein weiterer alter Milliardär auf die Rampe stellt und seinen Anspruch formuliert, in seinem Land die Initiative ergreifen zu wollen, ist ein Schlag für eine erneuernde, innovative Perspektive. Donald Trump, der bis dato immer noch als Ausrutscher der Geschichte interpretiert wird, hat mit Micheal Bloomberg von den Demokraten nun einen Konkurrenten bekommen, der außer seinem Reichtum, mit dem er den Wahlkampf finanzieren will, nichts in Sachen Zukunft zu bieten. Er steht wie kaum ein anderer für den Niedergang der Demokraten, die sich vereint haben mit der weißen Ostküstenplutokratie. 

Sie haben das Land, das in der Welt seinen Hegemonialanspruch behalten will, zu einem bloßen Spekulationsobjekt gemacht, das große Teile der Bevölkerung sozial abgewickelt und politisch perspektivlos gemacht hat. Alle, die sich im Korpus der demokratischen Partei momentan den Kopf zerbrechen, wie sie aus der Geschichte wieder herauskommen und der Gesellschaft eine politische Perspektive anbieten können, sind mit Bloombergs Kampfansage böse überrascht worden. Die vielen Jungen, die dort in der Diskussion mit den Verlierern der Spekulation auf den lokalen Ebenen unterwegs sind, erleben die Kandidatur des Milliardärs als einen Putsch. 

Nach der desaströsen Zerstörung der Hoffnung, die der ehemalige Präsident Obama bei seiner Wahl noch vermittelte, sind die Demokraten in eine noch größere Depression geraten, als sie es bereits waren und für deren Dekadenz wie Rückwärtsgewandtheit vor allem der Name Clinton steht. Nun also nicht der alte Linke Bernie Sanders, nicht die junge, dynamische Tulsi Gabbard, nein Michael Bloomberg, der ehemalige New Yorker Bürgermeister, 77 Jahre alt, und mit seinem Privatvermögen auf 50 Milliarden Dollar geschätzt.

Mit Trump und Bloomberg stünden sich zwei alte Lokalrivalen gegenüber, die tief im Morast des Hudson stehen und beide die alte weiße, finanzgewaltige, maskuline, protestantische Ostküstenelite verkörpern. In einem Land, das die Arbeiterklasse geschreddert und die Mittelschichten geknebelt hat, das aber mehr denn je jung ist und eine große ethnische wie kulturelle Vielfalt aufs Tableau bringt, kann die Perspektive, die sich am Horizont mit diesem Szenario abzeichnet, nur noch als höllisch bezeichnet werden. Da ist keine Jugend, da ist keine Vielfalt, da ist kein kultureller Reichtum. Das ist das Festhalten am dicken, prall gefüllten Geldsack, koste es, was es wolle. Das Einzige, was in dieser Situation Anlass zur Hoffnung gibt, ist die Erwartung, dass die Rebellion auf dem Vormarsch ist. Denn ein „Weiter so!“ wird es nicht geben, auch wenn die alten, reichen Männer es noch einmal wissen wollen.