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Der Manager und das Mädchen

Das ging schnell. Joe Kaeser, Chef von Siemens, lud mal schnell die kleine Neubauer von der Fridays-for-Future-Bewegung zu einem Gespräch ein und bot ihr hinterher gleich einen Vorstandsposten bei seiner Firma an. Ja, so macht man das. Frau Neubauer war wohl etwas überwältigt und musste sich einige Zeit sammeln, bevor sie absagte. Das hat sie gerettet. Hätte sie zugesagt, wäre das einem massiven Schlag gegen die eigene Bewegung gleichgekommen. Die Idee hätte gelitten, der Rest der Bewegung hätte gelitten und Frau Neubauer hätte ihre Seele verkauft. Wie sich damit lebt, haben schon andere bewiesen. Materiell geht es ihnen gut, das Stimmige in der eigenen Psyche ist dahin. Wer sich dafür bezahlen lässt, eine Idee zu schänden, findet das persönliche Glück nicht mehr.

Signore Kaeser dachte indessen wohl, nichts würde so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Warum sollte plötzlich auch alles anders sein? Da stellst du eine schöne Schachtel Pralinen auf den Tisch, und die Damen sind dir zugeneigt. Wenn es sein muss, noch eine Flasche Kognak und ein Paar Seidenstrümpfe. Dann ist aber auch gut! Ohne Frau Neubauer heroisieren zu wollen, denn sie hat noch viele Prüfungen vor sich, die sie wird bestehen müssen und in denen sie wird zeigen müssen, dass sie mehr ist als eine Variante des üppigen Mittelstandes, aber auf diesen Trick aus der Vertreterbranche des Wirtschaftswunders ist sie nicht hereingefallen. Signore Kaeser hingegen hat, ohne es zu wollen, dokumentiert, wie der fortgeschrittene Teil seiner Branche verhaftet ist in Werten, Verhaltensweisen und bei der Anwendung von Instrumenten, die von Sizilien aus den erfolgreichen Siegeszug in die Industriezentren dieser Welt genommen haben. Der Ehre wie der Zuversicht halber sollte allerdings nicht übersehen werden, dass aus der Industrie heraus selbst auch einiges an Umdenken entwickelt wird, ohne das eine Veränderung keine Chance haben würde.

Die umworbene Bewegung, die bis heute, was die zeitlichen Aktivitäten betrifft, nur punktuell in Erscheinung tritt und die, was ihre Programmatik anbetrifft, noch vieles klären muss, kann aus der Avance aus dem deutschen Top-Management zumindest lernen, wie schnell es gehen kann, dass politische Relevanz festzustellen ist. Das ist wohl auch das Positive, das aus dem Ereignis spricht. Mehr nicht. Und es wird dabei bleiben, wenn jetzt nicht mehr folgt. 

Wut allein im Bauch reicht nicht aus. So etwas muss praktische Folgen haben. Mit diesen Worten Bertolt Brechts ist genau das umschrieben, was die junge Bewegung vor sich hat. Die praktischen Folgen, sprich gezielte Maßnahmen gegen den Klimawandel, wird es nicht geben, wenn keine breite Front hergestellt werden kann zwischen denen, die mit der Vernichtung und Zerstörung von Ressourcen Geld verdienen und denen, die darunter zu leiden haben. Ökonomie, Ökologie und Frieden gehören zusammen. Und es ist eine schwere Hypothek, die da auf den Schultern vieler lasten. Denn jetzt nur auf die junge Bewegung zu schauen und selbst in der Betrachterrolle zu verharren ist nahezu eine Garantie für deren Scheitern. 

Die Spange zwischen Wirtschaftsinteressen, Friedenswunsch und Sphärenschutz ist von verschiedenen Seiten her zu schließen. Die seit den Balkankriegen am Boden liegende Friedensbewegung muss ebenso auferstehen wie die befriedete Gewerkschaftsbewegung, um die neue, nicht von irgendwelchen Think Tanks gesteuerte ökologische Bewegung zu unterstützen. Nur im Schulterschluss der allseitigen Aktivierung kann auch das verhindert werden, was als eine Spaltung der Generationen bereits inszeniert durch viele Köpfe geistert. 

Together we stand, divided we fall. Let´s work together!