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Das große Schweigen im Raum der vergeblichen Schritte

Die Lobpreisungen über die neuen Möglichkeiten, die die weltumspannende Kommunikation mit sich gebracht hat, unterschlagen einen Verlust, der gravierend und nachhaltig ist. Es handelt sich um das Verschwinden des spontanen zwischenmenschlichen Diskurses. Deutlich wird dieses Phänomen auf Reisen. Das goldene Licht, in dem einstmals die Exkursion in fremde Welten, und mochten sie noch so nah oder klein sein, erschien, war gespeist durch das Unvorhergesehene, welches der Reise den Nimbus verlieh, immer etwas zu produzieren, was erzählenswert war. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Es scheint einfach nicht mehr zu stimmen. Für diese These sprechen mehrere Beobachtungen.

Erstens. Die Welt ist erfasst. Es existieren kaum noch Gebiete, die noch nicht von Menschen besucht worden sind und die nicht entsprechend dokumentiert wurden. Diese Dokumentationen sind allen zugänglich und sie reichen von den topografischen Gegebenheiten über das vermeintlich Sehenswürdige bis hin zur Beschaffenheit der Hotelbetten und der Preise für Speis und Trank. Abzurufen über jedes Smartphone.

Zweitens. Die Welt ist standardisiert. Von der Währungsunion bis zur Normierung von Lebensmitteln und deren Verfügbarkeit an jedem Ort der Erde, der Uniformität von Unterkünften und der einheitlichen Transportmittel. Es ist äußerst unwahrscheinlich und von vielen auch nicht gewünscht, auf Abweichungen zu stoßen. Das Exotische, das Ungewohnte, das Abenteuer, Erscheinungen, die das Reisen einst ausmachten, sind heute meistens Pannen oder Pleiten, die über ein gut funktionierendes Beschwerdesystem schnellstens eliminiert werden.

Drittens. Das Denken derer, die unterwegs sind, hat sich geändert. Sie legen es nicht auf das Ungewohnte an, sie wollen nichts mehr erleben, sondern sie laben sich an einer durch hervorragende Organisation und präzise Information erfolgte Fahrt ohne Überraschungen. Es ist das Streben nach einer technologisch geplanten, reibungslosen Mobilität.

Viertens. Die Kommunikation mit Fremden ist erloschen. Wahrscheinlich ist das Verschwinden des Gesprächs zwischen Reisenden die gravierendste Veränderung. Die permanente, nicht mehr abreißende und die Sinne absorbierende Interaktion mit dem Wissen des Internets oder ganz einfach das Verlustieren in der digitalen Welt hat dazu geführt, dass die Blicke vom möglich Neuen abgewendet sind und der Dialog mit den Fremden nicht mehr stattfindet. Die Notwendigkeit, über soziale Interaktion Informationen zu erhalten, die für das Fortführen der Reise erforderlich sind, existiert ebenso wenig wie die Neugier auf etwas Neues, Unvorhergesehenes. Ja, die Fähigkeit, ein Gespräch auf Risiko zu eröffnen, scheint nicht mehr gegeben.

Ein Blick in die Wartesäle, die in Frankreich so schön als Raum der vergeblichen Schritte beschrieben wurden, in denen Menschen die Zeit verbringen, bis sich die Züge, Schiffe oder Flugzeuge in Bewegung setzen, liefert den Befund. Dort sitzen sie, schweigen, und starren auf ihre Displays. Vorbei sind die Zeiten, in denen Bekanntschaften geschlossen wurden mit supercoolen Moskowitern, mit von der Größe Ihre Landes schwärmenden Indern, mit prahlenden Seeleuten, die alle sieben Meere befahren hatten, mit Sängerinnen, die auf allen Kontinenten den Mond angeheult hatten, mit aufgeregten Auswanderern, die zum ersten mal nach Jahrzehnten in ihre alte Heimat zurückkamen, mit den Riggern von Ölplattformen, die den Rucksack voller Geld hatten und zuhause niemanden außer der Mutter oder die durchschaubaren Schwindler, die logen, dass es schon wieder amüsant wirkte.

Von allen Welten gibt es immer etwas. Nicht alles, was hier berichtet, ist überall und immer so. Nur scheint es, dass die Tendenz in Richtung Verarmung geht. Es sei den, wir erkämpfen uns das Recht auf Ungewissheit zurück.