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Das Gesetz der Straße

Es werden traditionell viele Gründe angeführt, die gegen das Aufwachsen auf der Straße sprechen. Da ist von Verrohung die Rede und von einer Art Verwilderung, die mit dem zivilen Umgang in einer saturierten bürgerlichen Gesellschaft nichts zu tun hat. Daran ist einiges, allerdings existieren auch bestimmte Vorteile, die, sind sie nicht erworben, in Zeiten großer Krisen sogar zu einer existenziellen Gefährdung führen können.

Das erste, was man auf der Straße lernt, ist die Fähigkeit, Schläge einzustecken. Wer das nicht kann, ist schnell weg vom Areal und sollte sich dort auch nicht mehr blicken lassen. Diejenigen hingegen, die so manche Blessur wie Orden an der Brust tragen, ernten dafür sogar, auch bei den konkurrierenden Clans, Respekt. Um es kurz zu fassen: wer jammert, zumal wenn er selbst bestimmte Ansprüche formuliert und sich an Angriffen auf andere beteiligt hat, ist raus.

Die zweite, entscheidende Lehre, ist die, die Notwendigkeit eigenen Handelns bei der Erlangung eines eigenen Rufes zu erkennen. Immer nur zu sagen, wir machen es, wie der Ede sagt, weil der Ede die Nummer Eins in deinem Block ist, wird niemals dazu führen, dass der Boss aus dem anderen Block mit dir sprechen will. Der geht dann nämlich gleich zum Ede. Nur, wenn er merkt, dass du selbst was auf die Beine stellen kannst und in dem einen oder anderen Punkt nicht unbedingt mit Ede übereinstimmst und du dieses auch zu verstehen gibst, weil du den Ede nämlich nicht fürchtest und dich deiner eigenen Bedeutung sicher fühlst,  gibt es einen Grund für den Boss von der Konkurrenz, sich mit dir mal zusammen zu setzen und sich mit dir grundsätzlich zu unterhalten. 

Wenn du eine eigene Resilienz besitzt und soviel Courage, in der eigenen Formation deine eigenen Interessen und deinen Standpunkt zu vertreten, bist du im Gesamtgefüge eine respektable Nummer. Wenn es dagegen immer heißt: wir machen es so, wie Ede sagt, und dabei auch noch ersichtlich wird, dass sich der Ede bei dem einen oder anderen Punkt in keiner Weise um deine eigenen Interessen kümmert und ausschließlich sein Ding macht, bist du ein Nichts.

Das war jetzt schön theoretisch gesprochen, und es beinhaltet weder die eine oder andere Wunde, die bei einer Haltung, die auf Selbstachtung und die Wahrung eigener Interessen beruht, zu erleiden ist noch die eine oder andere Portion Dreck, die dabei zu fressen ist ausgemalt wurde, sollte die Botschaft klar sein.

Diejenigen hingegen, die diese Lehre nicht erfahren haben, weil sie nicht auf der Straße aufgewachsen sind und niemand in der Nähe war, der sie ihnen hätte vermitteln können, tappen auch bei dem großen, globalen Kampf der Kräfte in eine Falle, die die Straßenjungs in diesem Spiel zu vermeiden wissen. Sie stecken ein, sie formulieren ihre eigenen Interessen und sie scheuen weder Konflikte nach außen noch nach innen. Und so ist es keine Überraschung, dass die schweren Jungs von der anderen Seite nicht mit denen sprechen wollen und werden, die immer sagen, wir machen es so wie Ede. Die sind nämlich draußen und die bleiben draußen. So einfach ist das. Das Gesetz der Straße ist dort nämlich die Hohe Schule.