Zunächst klingt es etwas bizarr. Oder vielleicht auch nur deplatziert. Da meldet sich ein ukrainischer Präsident bei einem Konflikt zu Wort, der weit weg von dem zu sein scheint, womit er sich befassen müsste. Im eigenen Land herrscht, was die Frontlinien anbetrifft, ein militärischer Stillstand, der irreversibel zu sein scheint. Das heißt, nichts spricht dafür, dass die Ukraine, soviel militärische Unterstützung sie auch von NATO-Staaten bekommt, die Gebiete, die sie an Russland verloren hat, zurück erobern könnte. Was auffällt, ist die Entwicklung der ukrainischen Kriegsstrategie hin zur Asymmetrie. Vereinzelte Schläge auf logistische Einrichtungen der russischen Streitkräfte. Auch die verursachen nicht zu unterschätzende Schäden, ändern am Gesamtergebnis werden sie allerdings nichts.
In dieser Situation muss Selenskyj feststellen, dass die USA nicht nur mit ihrem Angriff auf den Iran von der Unterstützung der Ukraine mehr und mehr abrückt und das mehr als frivole Argument bemüht, der Krieg in der Ukraine ginge die USA nichts an, er sei Sache der Europäer. Letztere, bzw. diejenigen in Europa, die in ihrer Verblendung glauben, sie seien der exklusive Repräsentant des europäischen Kontinents, halten sich in Sachen einer notwendigen Replik zurück, weil sie sich ansonsten von dem Märchen des grundlosen Angriffskrieges Russlands verabschieden müssten. Und militärisch sind auch sie, d.h. die selbst ernannte Koalition der Willigen innerhalb der EU, nicht in der Lage, die Ukraine dauerhaft in diesem Krieg am Leben zu halten.
Und in dieser Gemengelage bietet sich Selenskyj als Helfer in dem Krieg gegen den Iran an. Mit den Mitteln, die an die Ukraine geliefert und den Fähigkeiten, die seinen Streitkräften durch NATO-Hilfe zuteil wurden. Zu den Kontakten, die er bis dato aufgenommen hat, zählen nicht nur die USA und Israel, sondern auch eine Reihe von Golfstaaten, die seit dem Angriffskrieg auf den Iran unter Gegenmaßnahmen des letzteren gelitten haben.
Einmal abgesehen von der semantischen Absurdität, dass ein Präsident, der seit mehr als vier Jahren sein Militär gegen einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu Felde ziehen lässt, nun seine Hilfe denen anbietet, die in einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg als Verursacher verwickelt sind, um damit die Gunst seines einstigen amerikanischen Unterstützers gegen Russland zurück zu gewinnen, plädiert er damit für einen Flächenbrand. Und es steckt noch ein anderer Plan dahinter.
So wie es aussieht, will sich Selenskyj mit seinen ukrainischen Streitkräften den europäischen Kräften anbieten, um nicht nur das Ziel der Vernichtung Russlands weiter zu verfolgen, sondern ihnen auch in Zukunft die Verfügbarkeit einer militärischen Schlagkraft zu garantieren. Immerhin verfügt die Ukraine, im Gegensatz zu dem post-heroischen Personal westeuropäischer Streitkräfte, über eine Soldateska, die im Blutbad gestählt wurde.
Das, was sich abzeichnet, scheint die Geburtsstunde einer neunen Art der Fremdenlegion nach französischem Vorbild zu sein. Einer Truppe, die die Finten des Krieges kennt, sowieso in kein ziviles Leben mehr integrierbar sein wird und bereit ist, für Ausrüstung, entsprechendes Salär und die Ignorierung eigener Straftaten alles zu tun. In solchen Formationen redet niemand mehr von Recht und Gesetz. Ihr Auftrag ist das Töten, ohne nachzufragen. Und vielleicht kokettieren die hierzulande so kriegslüsternen Politiker sogar mit dem Aufscheinen einer Légion Étrangère Ukrainienne?
