In einer Gemeinschaft von Psychopathen und Misanthropen dürfen die wiederkehrenden Katastrophen nicht fehlen. Wie bestellt, so könnte man sagen, rotzt ein isländischer Vulkan zur gleichen Zeit wie im letzten Jahr seine Aschepartikel in die Atmosphäre und bedroht den globalen Flugverkehr. Schon damals war man bestens informiert, zumindest was die Simulationsprogramme anbetraf. Die eigentliche Aschewolke war nie gesehen und eine spätere Auswertung des groß angelegten Flugverbots mit den dazu gehörigen Analysen der tatsächlichen Gefahren hat nie stattgefunden.
Wie übrigens vieles, das die Schlagzeilen mit Katastrophen füllte. Der Absturz der nahezu kompletten polnischen Elite in Russland anlässlich der Feierlichkeiten zu dem Massaker von Kattyn wurde ebenso wenig aufgearbeitet wie der eigenartige Tod einer Berliner Jugendrichterin. In beiden Fällen dominieren Widersprüche und trotz des viel gelobten Kommunikations- und Informationszeitalters jagt man lieber Schimären nach, als sich mit dem Tatsächlichen auseinanderzusetzen.
Da ist der gerade vor ein paar Tagen identifizierte Virus, der sich nahezu wie eine Al Quaida-Zelle über den Krautsalat in unsere Küchen schleicht, mehr als willkommen. Ein nahezu sich im Suchtzustand gegenüber der diffusen Angst befindliches Volk hat es wahrscheinlich kaum noch ertragen, dass die Ereignisse in Fukuschima so langsam in dieser schnelllebigen Zeit in Vergessenheit zu geraten drohten. Und mit Epidemien kennen wir uns seit der Vogelgrippe prächtig aus. Bei den beiden Wellen, die durch den medialen Äther jagten, starben in Deutschland weniger Menschen als jährlich an Grippe. Die Vogelgrippe-Hysterie wurde nur noch übertroffen durch das Schweinegrippenphantom, das dank der Bundesregierung die Pharmaindustrie signifikant bereicherte und die Impfvorräte der Behörden ins Unermessliche steigerte.
Das Phänomenale bei den verschiedenen Anlässen wie Beulenpest und Aschewolke ist die Manipulationsgewalt über den öffentlichen Diskurs, der mit diesen Katastropheninszenierungen einhergeht. In regelmäßigen Abständen werden die lächerlichsten Bedrohungsszenarien kommuniziert, in den verschiedenen pädagogischen Übungen, die sich Talkshows nennen, wiederholt bis zur physischen Anti-Reaktion und dann durch neue Sandmännchenshows für Erwachsene ersetzt.
Wir erleben eine beträchtliche Infantilisierung der politischen Debatte, fast könnte man glauben, ein großer Regisseur wolle anhand der Verhaltensmuster der Deutschen eine Lehrstunde über die Beziehungsebenen der Transaktionsanalyse geben. Angst- und triebgesteuert taumelt eine ganze Nation unaufhörlich in den systematisierten Wahnsinn, immer neue Subkulturen, ob sozialer oder politischer Natur, können angesichts der inszenierten Katastrophen bei Hamsterkäufen beobachtet werden, die eher an das Verhalten Tante Käthes erinnern, als sie zurückkam aus dem zerbombten Berlin in die ländliche Provinz. Aber letztere hat das alles blendend überlebt und war zum Schluss, nach Inflation, Bürgerkrieg und Krieg doch noch ein zufriedener Mensch geworden, der überaus positiv auf seine Umwelt wirkte.
