Belgische Pralinen und europäische Kanalratten

Während unsere höchste Repräsentationsfigur bei den Vereinten Nationen in New York City mit Selfies über Taxifahrten und morgendlichen Kaffeekonsum in den sozialen Medien brilliert, hat sich ein weiteres Sternchen am dicht besiedelten Himmel des Unheils exponiert. Es handelt sich um die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, ihrerseits estnischer Provenienz und bereits häufig aufgefallen durch russophobe Paroxysmen. Letzteres verwundert nicht, denn in ihrem Land leben 21 Prozent Russen, die seit einiger Zeit behandelt werden, als handele sich um Aussatz. Da braucht die mittlerweile als belgische Praline Gehandelte nicht über den Zaun ins einstige Zarenreich zu starren, sondern die Augen nur im eigenen Garten aufzumachen. Dass es ihr in einer ihrer täglich eingeübten Tiraden nicht ausreichte, Russland bzw. der Sowjetunion den Sieg über den Faschismus abzusprechen, sondern auch China zum Verlierer des II. Weltkrieges zu deklarieren, macht die Bilanz noch schlimmer. Den selbst derzeit noch geltenden Ansprüchen im Fach Geschichte in den meisten Ländern, für die sie beansprucht, deren Interessen zu vertreten, fiele sie mit Ach und Krach durch. Sechs setzen!

Ihrer Chefin, die wenige Tage zuvor durch Fake News über einen angeblichen russischen Sabotageakt bei einem ihrer Flüge brillierte, wird es gefallen haben. Gemeinsam blicken sie jetzt auf 19 Sanktionspakete gegen den impertinenten Bären zurück. Dass sie ihn weder vernichtet noch in die Knie gezwungen haben, lässt das durch unberechtigten Größenwahn in einem permanenten Rausch befindliche Duo nicht zweifeln. Dabei brauchte die in sämtlichen Beraterbranchen hoch geschätzte Kommissionspräsidentin diese nur einmal dazu veranlassen, die Wirkung der unzähligen Maßnahmen finanzieller, handelsbezogener, Ressourcen betreffender und sogar Ledergürtel nicht auslassender Attacken mit den üblichen Instrumentarien zu evaluieren. Das Resultat wäre, wie die Schulnote der Vertreterin im Fach Geschichte: Ungenügend. 

So, wie es scheint, ist man in Brüssel der Ansicht, dass man den europäischen Kanalratten, auf die man nichts mehr gibt, alles kredenzen kann, was man nach übermäßigem Pralinengenuss erbricht. Dass der deutsche Lügenbaron, der es im Beisein aller im Parlament zum zeitweiligen Major Domus gebracht hat, es ihnen mit Verve nachtut, ist weder verwunderlich noch ein Geheimnis. Bei seiner jüngsten Beschreibung des russischen Präsidenten blendete er kurzerhand die Bilanz amerikanischer Kriege in der Nachkriegsära aus. Würde ein Geschichtslehrer, der in einem konservativen Elternhaus noch Sitte und Anstand gelehrt bekommen hätte, die Estin mit einer Strafe im Eckestehen belegen, so bliebe ihm bei dem Bruchpiloten aus dem Sauerland nichts anderes übrig, als ihm kräftig mit dem Lineal ins Genick zu schlagen. Auf der anderen Seite: wer die Lüge zum eigenen Kompass gemacht hat, dem bleibt nur das Kurshalten. 

Die Exponenten europäischer und deutscher Politik dokumentieren mit jedem neuen Tag nicht nur ihre essenziellen qualifikatorischen Mängel, sondern sie zeigen auch eine Haltung, die nur aus der Überzeugung resultieren kann, dass man es in Europa nicht mehr mit Völkern zu tun hat, die in den letzten 2000 Jahren eine beachtliche Zivilisation hervorgebracht haben. Sie meinen, es nur noch mit Kanalratten zu tun zu haben. Irgendwann wird sich das rächen. Und vieles spricht dafür, dass der Zeitpunkt näher rückt.

Belgische Pralinen und europäische Kanalratten

Indonesien: Ring of Fire

Nicht umsonst liegt Indonesien im so genannten Ring of Fire. 20.000 Inseln zwischen dem asiatischen Kontinent und der Küste Australiens. 13.000 davon bewohnt von ca. 200 Ethnien. 5.500 Km von West nach Ost. Insgesamt 250 Millionen Menschen, jung,  und zumeist Muslime. Das größte muslimische Land der Welt. Kautschuk, Öl, Palmöl, Gold, Seltene Erden. 120 bis 130 aktive Vulkane. Immer wieder von Vulkanausbrüchen überrascht und von Erd- wie Seebeben heimgesucht. Das große Pfand des Landes? Alles, aber vor allem seine Unabhängigkeit. Das, was diese unglaubliche Vielfalt in der Geburtsstunde der Nation am 17. August 1945 an einziger Gemeinsamkeit hatte, waren dreihundert Jahre Kolonialgeschichte. 

Dass die Aufzählung der indonesischen Substanzen und Essenzen das Land zu einem geostrategisch exorbitant wichtigen Faktor macht, ist kein Geheimnis. Und dass das Land im Jahr 1965 durch einen blutigen Militärputsch dafür Tribut zahlte, hat man dort nicht vergessen. Mit der damals größten Kommunistischen Partei außerhalb des sozialistischen Lagers war es ein Dorn im Auge der USA. CIA orchestrierte. Die Bilanz: ein einjähriges Massaker mit 1-2 Millionen Toten. Nach einem Putschkonzept, das später auch unter dem Namen Operation Jakarta in Chile angewandt wurde, kam General Soeharto an die Macht, der seinerseits 32 Jahre das Land mit seinem Clan und mit harter Hand regierte. Er garantierte die West-Bindung und durfte im eigenen Land machen, was er wollte. Und als er 1998 während eines Auslandsaufenthaltes in Ägypten gestürzt wurde, brannte das Land wieder.

Einer, der das Feuer legte und mit Panzern auf Studenten in Jakarta losgehen wollte, hieß Prabowo Subianto, seinerseits mit dem Hause Soeharto eng verbunden. Wäre da nicht ein Ali Sadikin gewesen, seinerseits ehemaliger Gouverneur Jakartas, der als alter Mann mit Baseballkappe und Turnschuhen vor den Panzern erschien, sich vor die Panzer stellte und ihnen den Befahl gab, sich zurückzuziehen, hätte ein Gemetzel historischen Ausmaßes stattgefunden. Die Panzer zogen ab. Helden wie Ali Sadikin gibt es nicht mehr.

Besagter Prabowo Subianto, damals übrigens ein Liebling der Deutschen Botschaft, hat es mittlerweile zum Präsidenten gebracht und läßt, wie sollte es anders sein, Polizei wie Streitkräfte auf die Protestierenden losgehen. Die Demonstrationen begannen mit dem Verlust von Arbeitsplätzen als Folge der Schließung großer Produktionsstätten westlicher Marken, setzten sich fort wegen der Abgehobenheit der sich immer mehr mit Sonderrechten und Gratifikationen selbst versorgenden Parlamentarier und richten sich heute als gewaltsame Gegenbewegung gegen das rigorose Vorgehen der Ordnungskräfte. Todesopfer werden in Kauf genommen.

Präsident Prabowo weiß, wohin er gehört. Er hat dem Volk den Kampf angesagt und kann mit der Unterstützung des Werte-Westens rechnen. Verlöre dieser Indonesien an den neuen großen Block um China, dann wären wichtige Ressourcen und essenzielle Wasserstraßen dahin. Indonesien steht wieder einmal am Scheideweg. Entweder Panzer und Knute, oder Wirtschaftsbeziehungen zu einem übermächtigen China. 

Bei aller Diversität, die das Land ausmacht, bei aller Verschiedenheit zu den politischen Organisationsformen, mit denen wir im Westen vertraut sind, so existiert eine Konstante, die von allen Ethnien, Schichten wie vertretenen Religionen als Konsens akzeptiert wird: Die Unabhängigkeit der Nation. Das einzige Symbol, das bei allen Auseinandersetzungen mitgetragen wird, ist die indonesische Fahne. Der Appell, auf dem Grat zwischen Temperament und Weisheit zu wandeln, entschlüsselt die Psychologie dessen, was vor sich geht. Für die Unabhängigkeit ihres Landes geben sie ihr letztes Hemd. Dafür haben sie immer wieder bezahlt. Und sie werden es weiter tun! Merdeka!

Indonesien: Ring of Fire

Unsere Realität und die schwarze Literatur

Es ist die Zeit für ein anderes Genre. Nennen wir es die schwarze Literatur. Denn nur in dieser Kategorie lässt sich das noch beschreiben, was in der einstmals so freien Welt dem Plebs als Nachrichten angeboten wird. Da treffen sich die Vertreter von Ländern, die nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, in Beijing und beschließen, enger zusammenzuarbeiten und lange existierende Differenzen, wie die Grenzfragen zwischen Indien und China, auf friedlichem Weg lösen zu wollen. Und da ist ein Gastgeber, der in seiner Rede unterstreicht, dass nur die Gemeinsamkeit der Nationen zu einem gedeihlichen Überleben auf dem Globus führen kann. Und den hiesigen Kommentatoren fällt nichts dazu ein als die eine oder andere einfallslose Beschimpfung oder alles wird als Satire abgetan. Das kann man, wenn man im günstigsten Fall für ein Achtel der Weltbevölkerung steht, so machen, aber außer zu einer konfliktgeladenen Auseinandersetzung mit gewaltigen Schäden auch im eigen Lager wird es wohl kaum reichen. Und das, was da als die so genannte regelbasierte Ordnung im höchsten Falle als Gegenargument ins Feld geführt wird, ist nichts als ein Freibrief für die alte imperialistische Ordnung.

Zur gleichen Zeit zeigt sich mit voller Wucht der Zustand hiesiger Realitätswahrnehmung. Da wird gemeldet, „mutmaßlich“ habe es einen russischen Angriff auf einen Flug der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen gegeben, da das GPS-System nicht durchgängig nutzbar gewesen sei. Was der kriegstreibenden Fraktion, die sich auch in der deutschen Bundesregierung manifestiert, wunderbar als Narrativ oder Legende in den Kram passt, wurde umgehend von der Fluggesellschaft als Fake News charakterisiert. Das GPS-System des Flugzeuges habe ununterbrochen gearbeitet. Da stellt sich die Frage, ob sich die Propagandamaschine in diesem Land der annähert, die die Geschichte mit dem Angriff auf den Sender Gleiwitz in die Welt gesetzt hat? Was sich mit Sicherheit sagen lässt, ist, dass ein Großteil der EU-Kommission, Teile der Bundesregierung und die in Monopolhänden befindliche Freie Presse mit Mitteln arbeitet, die sie einer immer stärker werdenden Opposition seit langem anlastet: Verbreitung von Hass und Hetze, Fake News und die Fabrikation von Feindbildern.

Und wenn man sich ansieht, wie die handelnden Figuren ihre Karrieren gestalten, dann erscheint das Witzeln über östliche Autokraten wie ein billiges Schmankerl. Immer wieder mit Steuermitteln werden Kometenlaufbahnen für Hetzer und Dilettanten abgesichert, die nichts anderes bewirken werden als den Ruf des eigenen Landes noch weiter zu ramponieren. Und betrachtet man den Weg eines einstmals als Vorsitzender der deutschem Sozialdemokratie fungierenden Politikers, der es fertig gebracht hat, zunächst als Berater für einen mehr als schillernden Schlachtbetrieb, dann als Vorsitzender der atlantischen Imperialisten und nun als Vorstandsmitglied eines Waffenkonzerns zu brillieren, dann ist man schnell wieder bei der Frage, ob die so genannte schwarze Literatur nicht das einzige Medium ist, in der das politische Niveau in unserer Hemisphäre noch beschrieben werden kann. Keine Realität ist nicht düster genug, keine Geschmacklosigkeit unwirklich genug und keine Absurdität lässt eine innere Logik vermissen. In Beijing trafen sich die Autokraten? Und wer trifft sich hier?  

Unsere Realität und die schwarze Literatur