Demagogenkeule aus dem Reichsgesundheitsamt

Die Reichsgesundheitskammer hat sich zu Wort gemeldet und von einer Tyrannei der Ungeimpften gesprochen. Dass da kein Aufschrei mehr durch eine Gesellschaft hallt, die auf keinem Festtag versäumt, das Ehrenwort zu geben, so etwas wie im Dritten Reich solle es nie wieder geben, hat damit zu tun, dass das Gefühl für Demagogie und Volksverhetzung seit einiger Zeit abhanden gekommen ist. Denn alle, die sich des Dissenses mit einer als Regierungsmeinung genannten Dummheit schuldig machen, sind zum Freiwild für die kollektive Verunglimpfung geworden. Im konkreten Fall ging es um ungeimpfte, aber getestete Pflegekräfte. 

Warum, so frage ich mich, hat der sicherlich nicht dumme Mann sich nicht die Klimatouristen vorgeknöpft, die zu Tausenden nach Glasgow gejettet sind um danach als potenzielle Spreader in alle Fernsehstudios dieser Welt zurückkommen und Weisheiten von sich geben, die sie hätten auch auf Videokonferenzen erwerben können? Weil der Mann im Mainstream schwimmt, und da reicht es aus, die aufs Korn zu nehmen, die seit Beginn der Krise alles geben, um ihrer Herr zu werden, die zur Belohnung in Tarifrunden zur Mäßigung aufgerufen wurden und die nichts mit den 15 Milliarden zu tun haben, die ins Gesundheitssystem flossen, um die Situation an den Intensivbetten zu verbessern, die sich allerdings in Luft aufgelöst haben? Genau dieser Herr wird es wissen, aber um abzulenken, wählt er sich ein aus seiner Sicht schwaches Glied aus und schlägt mit der Demagogenkeule zu.

Es hat schon lange keinen Sinn mehr, Namen zu nennen. Die Liste der gouvernementalen Unzulänglichkeiten ist zu lang, als dass da noch irgendwie personale Konsequenzen hülfen. Erst taugten die Masken nichts, dann wurden sie obligatorisch, dann war die Impfung der Schlüssel zu allem, aber die Mittel fehlten, dann waren sie da und man brauchte zwei davon, jetzt reichen zwei nicht mehr, sondern man sollte boostern. Andere Impfstoffe, die sich eignen könnten, werden nicht zugelassen, weil in den Genehmigungsgremien Vertreter der Industriezweige sitzen, die die exklusiv nun gebräuchlichen vertreiben. Ohne über gesicherte Studien zu verfügen, wo tatsächlich Infektionen stattfinden, wurden ganze Branchen liquidiert und andere protegiert. Die Liste ist lang, zu lang, um über so etwas wie die Position einnehmen zu können, die immer mehr aus dem verantwortlichen System mit Chuzpe pflegen: die der moralischen Verunglimpfung ganzer Bevölkerungsteile, die nicht widerspruchslos ihren irrlichternden Ratschlägen folgen.

So, wie es aussieht, ist man sich von einzelnen Ministerpräsidenten bis zu Vertretern aus dem medizinisch-pharmakologischen Komplex einig, dass die Pandemie deshalb nicht gemanagt werden kann, weil man es mit einem ungezogenen, uneinsichtigen und widerborstigen Volk zu tun hat. Die Terminologie der Lockdowns hat das bereits früh attestiert. Da war von harten und strengen Maßnahmen zu hören, die mal angezogen und verschärft und mal gelockert wurden, so, wie es im Strafvollzug ausgedrückt wird.  Der vermeintliche Präsident der Reichsgesundheitskammer läutet mit seinem jüngsten terminologischen Komparativ eine neue Phase ein. Waren wir, die dämlichen Untertanen, bis gestern noch dumm und ungezogen, dann rücken wir nun in die Nähe von Volksbetrügern und Volksschädlingen.     

Ein kleiner Tipp, vielleicht doch an diejenigen, von denen hier die Rede ist und die sich im Sinne der Sozialkompetenz im tief roten Bereich aufhalten: Wundert euch nicht, dass auf eine Kriegserklärung nach der anderen irgendwann die Antwort kommt. Auf die Blicke, wenn das stattfindet, kann man gespannt sein.

Mentaler Todesstoß: Das Ruinöse einer Doktrin — Neue Debatte

Der mentale Todesstoß für die oft zitierte Wertegemeinschaft des freien Westens war der Spruch, mit dem die vielfältigen Krisen der letzten beiden Jahrzehnte gemanagt wurden: There is no alternative. Von Maggie Thatcher bis Angela Merkel hat sich dieser anti-aufklärerische Slogan als Staatsräson etabliert und die mentale Verfasstheit der damit traktierten Gesellschaften ruiniert. Der Beitrag Mentaler…

Mentaler Todesstoß: Das Ruinöse einer Doktrin — Neue Debatte

Das Ruinöse einer Doktrin

Wer permanent schnell getaktet ist, verliert auf Dauer die Fähigkeit zur Kontemplation. Was damit verloren geht, zeigt sich zunehmend deutlich. Das mangelnde Vermögen, einen Schritt zurückzutreten und den Verlauf einer Geschichte zu betrachten, führt zu einer Verstümmelung des Bewusstseins. Wer nicht gelernt oder verlernt hat, sein eigenes Leben Revue passieren zu lassen, braucht sich über Lernprozesse keine Gedanken mehr zu machen. Alles, was dann noch Relevanz besitzt, ist das Unbewusste. Seine Bedeutung ist auf keinen Fall zu unterschätzen, doch die der Aufklärung zugrunde liegende Rationalität ist davon meilenweit entfernt. Also, seien wir ehrlich, wenn die Ausgangsthese stimmt, haben wir mit der Rasanz unserer Alltags- und Arbeitsroutinen die Aufklärung weit hinter uns gelassen. Ob es ein Schritt nach vorne war, ist zu bezweifeln.

Vieles, was heute als unumstößlich und ohne Alternative gilt, wird gerne in den Duktus von Modernität gesetzt und entpuppt sich, wenn wir es wagen, dann doch einmal die Entwicklung zu reflektieren, als eine alte, revisionistische, ja reaktionäre Position. Denn der Obskurantismus, der Dogmatismus, die brutale Herrschaft und ihre Inquisition waren mit dieser Denkweise gesegnet und sie haben genau die Geister hervorgerufen, die den Widerspruch, den Wettstreit und das freie Wort beflügelten. Der mentale Todesstoß für die oft zitierte Wertegemeinschaft des freien Westens war der Spruch, mit dem die vielfältigen Krisen der letzten beiden Jahrzehnte gemanagt wurden: There is no alternative (TINA). Von Maggie Thatcher bis Angela Merkel hat sich dieser anti-aufklärerische Slogan zur Staatsräson etabliert und die mentale Verfasstheit der damit traktierten Gesellschaften ruiniert. 

Die Methode ist bekannt und der Hammer liegt immer bereit: ob bei der Bankenrettung in Folge der Finanzkrise, ob bei der Krise um die Ukraine, in der ein Junktim von EU- und NATO-Mitgliedschaft als in Stein gehauene Maxime galt, ob bei der nochmaligen Bankenrettung in Folge der Griechenland-Krise, ob bei der „Lösung“ der Flüchtlingsfragen nach der Beteiligung an den militärischen Konflikten, die sie auslösten, ob bei den Wahlen zum EU-Parlament und der danach gar nicht daraus resultierenden Besetzung der Ämter, bei der Position zum Afghanistan-Krieg und erst Recht beim Management der Corona-Krise: Es gab immer nur eine Position, die als die richtige galt und alles, was sich wie auch immer dagegen stellte, galt als abstrus, verrückt, terroristisch, idiotisch oder was auch immer. Die Bilanz der Regierungsdoktrin, die keine Alternative kennt, ist der Ruin der Debattenkultur.

Die Darstellung ist eine andere. Hört man sich die Erklärungen vieler Politiker und der Vertreter des medialen Echos an, dann sind es natürlich die anderen, in diesem Fall das Volk gewesen. Neben den sprachlichen Etikettierungen, die mit der TINA-Politik einhergingen, wurden Möglichkeiten, den Teufel beim Namen zu nennen, gleichzeitig ausgeräumt. Frei nach dem Motto: Wem wir die Sprache nehmen, der wird sich nicht mehr artikulieren können. Das Rezept geht zum Teil auf, aber eben nur zum Teil.

Vieles spricht dafür, dass der Rückfall der Gesellschaft in ein vor-aufklärerisches Stadium zu einem relativen Niedergang geführt hat, der in der Öffentlichkeit nicht kommuniziert wird und nicht kommuniziert werden darf, den allerdings die große Mehrheit der Bevölkerung durchaus sieht. Die Dissonanz zwischen Realität und Doktrin wird letztendlich zu Brüchen führen, die einiges auf den Kopf stellen werden. Ein Szenario mit sehr vielen Alternativen.