2 0 2 5

Mit der Konstituierung der neuen Bundesregierung, bestehend aus CDU/CSU und SPD und einem Kanzler Merz war die Kontinuität der desaströsen Vorgängerregierung besiegelt. Alles, was der Kandidat vor der Wahl zum Besten gegeben hatte, wurde von ihm selbst revidiert. Lediglich die Kriegsorientierung blieb. Scholz hatte keine Vorstellung von Frieden, dafür hat Merz eine Vorstellung von Kriegseskalation. Die Front von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linke sorgte dafür, dass noch vor der Konstituierung des bereits gewählten Bundestags eine grandioser Kriegskredit aufgenommen werden konnte. Die Zweifel, ob das BSW nicht unter Auszählungsfehlern gelitten hat, wurde von denen, deren Regierungsbeteiligung durch eine Korrektur gefährdet gewesen wäre, zurückgewiesen. Irgendwie hat das Zustandekommen der derzeitigen Regierung mehr an das Werk von Kleptomanen als das von Demokraten erinnert. Und immer, wenn aus deren Mund das Wort Verantwortung kommt, muss man mit dem Schlimmsten rechnen.

Die EU-Kommission hat sich seit der militärischen Reaktion Russlands auf die NATO-Osterweiterung zu einem Kriegsrat entwickelt. Ein Sanktionspaket gegen Russland jagte das andere, getroffen wurden die eigenen Länder, während Russland nicht den Eindruck vermittelt, in die Knie zu gehen. Demokratisch legitimiert ist auch die EU-Kommission nicht. Ihr Personalportfolio stammt aus Hinterzimmern. Neben dem Konvolut von Sanktionen und der unerträglichen Kriegshetze werden jetzt auch Bürger wegen ihrer formulierten Positionen sanktioniert und eifrig Zäune an der Ostgrenze gebaut. Die Statuten der EU geben diese Aktivitäten nicht her.  Aber wer redet in diesem Gebilde noch von Demokratie? Seit den Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden über eine geplante europäische Verfassung im Jahr 2005, bei denen als Ergebnis eine Ablehnung stand, wurde der Plebs nicht mehr über Grundsätzliches befragt.  

Die viel beschworene Zivilgesellschaft scheint zu einem Gutteil am Tropf der Regierenden zu hängen. Sie lässt sich gegen alles instrumentalisieren, was sich gegen die so genannte demokratische Mitte wendet, während in aller Ruhe demokratische Rechte massakriert werden. Immer mit der Begründung äußerer oder innerer Feinde. Gleichzeitig fabulieren jüngere Frauen aus NATO und Zivilgesellschaft in den vielen Talk-Formaten über eben diese Feindbilder. Ersetzt man bei der einen den Begriff „Russen“, bei der anderen den „weiße Männer“ durch den Terminus „Juden“, dann bekommt man einen Begriff davon, in welchem Brackwasser sich das bewegt, was einmal den Namen eines gesellschaftlichen Diskurses trug. 

Und dann gab es noch diejenigen, die sich, da das Leben so schön und bequem ist, gerne durch die Feuilletons der Monopolpresse einseifen ließen, sich ihre Edelweine und Delikatessen durch sklavenähnliche Boten frei Haus liefern ließen und sich beim Gehetze über alle, die gegen Angriffe auf jede Form der Zivilisation ihre Stimme erhoben, mit einem arroganten Grinsen beteiligten. Vor einigen Tagen hatten wir Besuch von Freunden, die noch in der DDR geboren wurden. Sie brachten ein Buch mit den Titel „Die Schuld der Mitläufer. Anpassen und Widerstehen in der DDR“ mit. Für die beschriebene Mischpoke ist es brandaktuell.

Das alles wäre ein guter Grund, das Jahr mit einem alles tötenden Knall zu beenden. Wären da nicht auch diejenigen, die morgens aus dem Haus gehen und mit viel Mühe und Engagement den ganzen Laden am Laufen halten. Sie lächeln müde, wenn sie die Reden derer hören, die zur Zeit den Hexensabbat feiern. Ihnen macht niemand ein X für ein U vor. Und so erlaube ich mir, das Jahr mit einer kleinen Abwandlung des Hessischen Landboten zu beenden:

Friede den Hütten! Krieg den Palästen! Im Jahre 2025 siehet es aus, als würde die Bibel Lügen gestraft. Es sieht aus, als hätte Gott die Schaffenden und Fleißigen vergessen, und als sänne er nur auf das Wohl der Milliardäre!

2 0 2 5

Spät im Jahr

Langsamkeit
Und Sorgfalt
Seit langem nicht
En vogue.

Und trotzdem
Sind die Wege lang
Keine Richtung
Im Visier.

Ziele
Nicht kalkuliert.
Froher Mut
Küsst Bräsigkeit.

Zorn ist
Die Würze
In dem Spiel.
Rien ne va plus!

Vergebung
Ein unbekanntes Wort
Im Strudel
Der Vergeblichkeit.
Spät im Jahr

Eddys Entsetzen

Heute habe ich Eddy getroffen. Eine Seltenheit, denn dieser explosive Typ wohnt schon lange nicht mehr hier. Wir kennen uns aus dem Sandkasten. Nach der Grundschule trennten sich bereits unsere Wege, aber wir trafen uns immer wieder. Das Interessante dabei war, dass sich quasi jedesmal unsere Existenzform verändert hatte. Eddy hatte alles durchlaufen! Er war Bergmann, Stahlkocher, hat Autos montiert und Motoren gebaut. Und irgendwann trieb es ihn hinaus in die Welt. Er war Bootsmann in Florida, Gastronom in Thailand und Broker in England. Wenn ich ihn fragte, wie er das mache, kniff er mir ein Auge zu und sagte, man müsse nicht alles an die große Glocke hängen. 

Jetzt kam er mal wieder nach Alt-Germanistan, wie er sich ausdrückte. Und auch jetzt fielen ihm wieder Dinge auf, die ihn sogleich furchtbar aufregten. „Sag mal, wie war das noch, wenn wir früher in der Schule voneinander abgeschrieben haben? Du bekamst das Heft weggenommen oder gleich eine Sechs und einen Verwies. Und jetzt gibt es dafür gleich den Pulitzer-Preis oder wie das Ding hier heißt.“ Was er meinte war die ausbleibende Vielfalt im Zeitungswesen. „Egal, welches Blatt du in die Hände nimmst, überall steht der gleiche Unsinn, und auch noch bis hin zur Formulierung. Kommt ihr euch nicht verarscht vor?“ 

Und dann ging er noch auf die Qualität der Meldungen ein. Ihn interessiere es nicht die Bohne, ob eine Bundestagspräsidentin namens Klöckner bei der Mutter eines Quizmasters zum weihnachtlichen Essen erschienen sei und die Mutter „das Mädchen“ gelobt habe. Oder ob eine Sportreporterin ihren Gatten geheim halte. Oder ob amerikanische Superreiche in ihrem Urlaubsdomizil eingeschneit würden. „Was“, so fragte mich Eddy, „ist hier eigentlich passiert, „dass man einer Bevölkerung, der man weltweit immer ein gewisses Niveau attestiert hat, sich mit derartigem Rotz füttern lässt?“ 

Und er fuhr fort. Das, was er über die politischen Positionen dieses Landes sagte, ist vom Vokabular kaum kolportierbar. Deutlich wurde, dass Eddy, mit seinen Erfahrungen, die er in früheren Jahren in diesem Land gesammelt hat und den Einsichten, die er an verschiedenen Punkten dieser Welt vermittelt bekam, zu dem Ergebnis kam, dass strategische Dummheit und hochgradige Dekadenz miteinander einen finalen Wettkampf abhielten. Vornehm formuliert!

In der langen Zeit, die wir uns nun kennen, waren die Treffen immer für beide Seiten Anlass, sich an den Geschichten des jeweils anderen zu ergötzen. Vor allem natürlich, weil Eddy im wahren Sinne des Wortes ein Leben auf der Wanderschaft führte und führt. Und die Wanderschaft die höchste Schule des Lebens darstellt! Heute war das anders. Ich fühlte mich bemitleidet, dass ich nun das täglich mit ansehen muss, was ihn so anwiderte, dass er den Tag seiner nächsten Abreise demnächst herbeisehnt. 

Jedesmal, wenn wir uns in der Vergangenheit voneinander verabschiedeten, ging es sehr emotional zu, weil uns immer bewusst war, dass es das letzte Mal sein konnte. Mit fortschreitendem Alter erhöht sich diese Wahrscheinlichkeit noch. Als wir uns jetzt Adieu sagten, waren wir traurig wie nie zuvor. 

Eddy ist schon auf dem Weg nach Asien. Dort, so meinte er, spielt jetzt die Musik. Wie so oft hat Eddy wohl recht. Wie immer, ging er mit den Worten, Ubi bene ibi patria! Eddy hatte nie Latein. Aber ein Leben, das ihn vieles lehrte!  

Eddys Entsetzen