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AGO: Hallo Berlin! Hallo Berlin!

Die notwendigen, aber noch nicht installierten Associated Global Observers, AGO, hat sich ihrerseits zum Ziel gesetzt, das Handeln von Regierungsvertretern in der Welt und die jeweiligen Interessen bestimmter Länder berührende Ereignisse zu beobachten und die Regierungen wie die Presse in den Ländern darüber zu informieren. Denn es passiert immer wieder, das Handlungsweisen und Ereignisse, die von essentiellem Interesse in bestimmten Ländern sein müssten, dort gar nicht in ihrer Dimension wahrgenommen werden. Einem Vertreter aus dem Vital Netzwerk Deutschland (VND) wurde nun ein Protokoll der AGO zugespielt, das hier unter dem Stempel der Verschwiegenheit veröffentlicht werden soll:

AGO:

„Hallo Berlin! Hallo Berlin! Wir möchten Sie darüber in Kenntnis setzen, dass eine offizielle Vertreterin Ihrer Regierung bei einem Besuch des größten und bevölkerungsreichsten asiatischen Landes die Etikette verletzt hat. Entgegen allgemeiner Gepflogenheiten nahm sie eine Einladung des Landes an, verhielt sich jedoch so, wie das in keinem Haus und keiner Familie auf der ganzen Welt akzeptiert worden wäre. Sie tadelte den Gastgeber bei jeder Gelegenheit und monierte gleichzeitig, dass es nicht anginge, dass man sich nicht verhielte wie in ihrem eigenen Haus, das sie als mustergültig darstellte. Dieses Verhaltensmuster durchzog den Besuch und führte schließlich zu offener Verärgerung, übrigens auch in der gesamten Nachbarschaft. In Asien ist man schockiert. Eine Erklärung wie eine Entschuldigung werden erwartet. Hallo Berlin! Hallo Berlin?

…

Hallo Berlin! Hallo Berlin! Wir möchten Sie informieren, dass in den USA und in vielen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen davon ausgegangen wird, dass die Sprengungen ihrer Ostseepipelines Nord Stream I und Nord Stream II aus den Reihen Ihres eigenen Bündnisses vorgenommen worden sind. Um sich zu vergewissern, sollten Sie dringend an der Aufklärung arbeiten und bei Kenntnis der Fakten politische Konsequenzen daraus ziehen. So, wie sich die momentane Stimmungslage weltweit darstellt, erleiden Sie bei der Beibehaltung Ihrer Passivität international einen gravierenden Gesichtsverlust. Hallo Berlin! Hallo Berlin?

…

Hallo Berlin! Hallo Berlin! In den USA gilt es mittlerweile als gesichert, dass die gegenwärtige Regierung der Ukraine Hunderte von Millionen US$ von Hilfsgeldern veruntreut und auf private Konten hat fließen lassen. Die Biden-Regierung sieht sich mittlerweile in der Pflicht, darauf zu reagieren und sich von der Regierung Selenski zu distanzieren. Da auch Ihr Land mit massiven Unterstützungsleistungen in Form von Militärgütern und Geld an die Ukraine engagiert ist, wäre es klug, die Erkenntnisse zu teilen und zu erklären, welche politischen Konsequenzen sich aus dieser Sachlage für Sie daraus ergeben. Andernfalls droht Ihnen nicht nur, wie in den anderen berichteten Fällen, der internationale Gesichtsverlust, sondern auch ein nicht enden wollender wirtschaftlicher Schaden. Hallo Berlin! Hallo Berlin?

…

AGO: intern: Keine Reaktion aus Berlin. Weder von der Regierung, noch von den ansässigen Presseportalen. Es liegen weder Erkenntnisse für einen physischen Blackout noch für kriegerische Handlungen in der Stadt vor. Die Regierung gibt vor, weiterhin ihren Geschäften nachzugehen. Die Zeitungen erscheinen täglich.

Hallo Berlin! Hallo Berlin?“

Communication Breakdown! AGO: „Nehmen Sie Berlin aus dem Verteiler!“

Im Fjord

Ballons, wohin das Auge reicht,

Selbstverstümmelung als Staatsräson.

Brudermord im eignen Haus,

Tunnelstrategien, neu kreiert.

Und alt, wie ein Beinhaus aus vergangener Zeit.

Komplizenschaft mit Staatsmandat,

Verbrannte Erde,

Die von Waffen stammt.

Gespaltenes Land, das keine Wunden heilt.

Ein Dorf, das Beben überstand,

Ganz ohne Korruption. 

Narrenzeit, im Kriegsgewand

Und Bio-Bier im Hauptquartier.

Ein Narrenschiff mit Kurs aufs Riff.

Im Fjord,

Gerät das Wenden schwer.

Und alte Weiber, 

Feiern ihre letzte Nacht.

Fundstück: Das Vierte Reich

Das Vierte Reich bleibt in Manhattan

Schlendert man durch Yorkville, einem recht angenehmen Viertel auf der New Yorker Insel Manhattan und betrachtet die Namensschilder an Gebäuden oder selbst einige Werbeschilder genauer, wird einem sehr schnell bewusst, wo man sich befindet. Auf einem großen Sporthallengebäude ist in längst verblichener Schrift etwas von einem New York Turnverein zu lesen, über einer Metzgerei hängt ein grün schimmerndes Schild mit der Aufschrift „Fleischermeister Erwin Weber“ und die nächste Kneipe trägt den Namen Würzburger Hof. Von da ist es nicht mehr weit zur Bäckerei Tannenbaum.

Yorkville war seit der Jahrhundertwende ein Viertel, welches von Deutschen bei der Ansiedlung in New York City bevorzugt wurde. Aber erst in den dreißiger Jahren, vor allen Dingen nach jenem 30. Januar 1933, als der deutsche Nationalheld Hindenburg den damals noch mutmaßlichen Völkermörder Hitler als Reichskanzler seinen Segen gab, wurde aus Yorkville ein dicht bevölkertes German Town.

Alles, was dem kulturellen Holocaust des deutschen Faschismus zum Opfer fiel oder gefallen wäre und als Land des Exils die Vereinigten Staaten von Amerika wählte, trieb es zunächst nach Yorkville. Ein bißchen weiter, Richtung Central Park, im deutschen Buchladen von Mary Rosenberg, kauften sie die für sie so lebenswichtige Nahrung, deutsche Literatur. „Alle waren sie meine Kunden“, meint Mary, „Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig, Ernst Toller, Oskar Maria Graf, Gerhard Eisler, Franz Jung, Ernst Bloch usw., ja sogar Karl Otto Paetel, nur den Brecht hab ich persönlich nicht gesehen.“

Die Amerikaner, oder besser gesagt die New Yorker, hatten dann auch schnell einen Namen für dieses German Town, diesen amerikanischen Kulturfokus der deutschen Emigration. Sie nannten es „the Vierte Reich“. Und das war nicht nur als Satire auf die Gigantomanie des Dritten Reiches der deutschen Faschisten gedacht, sondern es drückte auch die Hoffnung vieler aus, dass, wenn der Spuk in Europa erst einmal vorbei sei, ein neues Deutschland in der Tradition derer stehen sollte, die nach Yorkville geflohen waren.

Schreitet man heute die Boulevards und Avenues des Vierten Reiches ab, so braucht man schon das historische Wissen, um noch etwas von dem zu spüren, was in diesem Viertel einmal die Hoffnung auf die kulturelle Aura eines deutschen Neuanfangs ausstrahlte. Doch die Erinnerung daran ist noch von keiner deutschen Realität eingelöst worden. Bei dem, was sich in diesen Tagen in den Strategiepapieren der Bonner Spekulanten und Fusionshaie in puncto Viertes Reich finden lässt, wird das auch wohl in naher Zukunft noch so sein. In dem geographischen Raum der beiden deutschen Staaten hat ein Viertes Reich zur Zeit nichts verloren. Das Vierte Reich, die Hoffnung von Yorkville, die bleibt wohl besser noch für eine Weile in Manhattan.

1990, im März