Archiv der Kategorie: recensions

The Best Compendium Ever Since

Management Consulting. A Guide To The Profession. Fourth Edition. Edited by Milan Kubr. International Labour Office Geneva

Talking about a dictionary focussing on a whole professional range it would be wise to be cautious. Normally the approach is too full mouthed because the complexity of a serious profession extends to more than a book. Talking about the business of Management Consulting one ought to be even more careful than in other cases. The discipline of Management Consulting reaches back to the antique times when coaches told kings and tyrants how to optimize their business of ruling. Nevertheless it is desirable to have an overview on complex tools, methods and instruments which have a validity of different ages and organizations.

The Guide To A Profession of Management Consulting on behalf of the International Labour Office of ILO in Geneva now rule the market of these questions with an outstanding quality. For almost four decades the compendium has been a useful support for all who are in the business. Despite of the different degree of professionalism the book manages to scope the different necessities of support and gives a sharp prospect of different approaches.

Starting with the Management Consulting in perspective and touching essential chapters like the consultant-client relationship, it continues with the process of Consulting and the various areas of Consulting and it ends with the question how to develop Management Consultants themselves and the Consulting Profession. Each chapter has a range of essential tools, practical questions and an excellent summary. There is no dogmatism at all and the editor Milan Kubr had an eye on the didactical strength without appearing pedagogical in a disturbing way.

The genesis of this book has to be seen in the many challenging projects of international labour research all over the world for decades. There is not one shape of work organization overseen or a level of productivity excluded. And although the reader is facing almost thousand pages he will never get the impression to be confronted with a not manageable complexity. The content of the reader is measured by a deep understanding of the many small practical questions which are woven into a broad structure of understanding. One can learn that there is no miracle and no witchcraft in this serious profession. Anyone can learn where the charlatans are selling their illusions.

Who is involved in Management Consulting ought to have the knowledge of the existence of this book. Further he should know what it is about. Otherwise he will not have a sustainable chance in the business.

Kinder in der Hölle, Quoten an der Macht

The Wire. Die vierte Staffel

Nach der Inhaftierung des Drogenbarons Avon Barksdale übernimmt in der vierten Staffel Malo Stanfield die Herrschaft über den Drogenhandel Baltimores. Doch nicht er, der seine Herrschaft durch Massenmord ausbaut und sichert, dominiert die Handlung, sondern Schulkinder. Sie, zumeist Sprösslinge einsitzender Drogenhändler und Krimineller, werden gezeigt in ihrer Zerissenheit zwischen kindlicher Neugier und Lernwilligkeit und sozialer Verwahrlosung und dem Druck, den die Erwachsenenwelt aus dem Milieu auf sie ausübt.

Da sind Mütter, die ihre Kinder zum Drogenhandel zwingen, weil sie nicht auf ihren Pelzmantel verzichten wollen und ihr Mann im Knast sitzt, Jungs, die zurückkommende Väter nicht mehr sehen wollen und zu Auftragskillern gegen den eigenen Väter werden, weil sie die jüngeren Geschwister schützen wollen. Kids, die mit der Polizei kooperieren und damit selbst den Kopf riskieren, weil sich nicht wollen, das ihre Freunde in das System von Mord und Totschlag gezogen werden und Unzählige, die am meisten fürchten, ihre Gefühle zu zeigen.

Es breitet sich eine Welt der Verrohung aus, in der einige, die es geschafft haben, über den Weg der Bildung oder der Ausübung eines soliden Berufs aus dem Todeskreis zu entfliehen, versuchen, einzelne Kinder über pädagogische Programme oder individuelle Patronage zu retten. Allesamt sind sie schwarz, wie die zynischsten und korruptesten der Politiker, die wie eine Schleimschicht über der Stadt wabern und aggressiv daran interessiert sind, eine Politik, die auf Wahrheit basiert und die Probleme an der Wurzel fassen will, zu verhindern. Sie generieren sich aus Quoten, die nicht den Eindruck machen, der Demokratie gedient, sondern die Kriminalität legalisiert zu haben. Auch der neue, weiße Bürgermeister Carcetti, der zwar mit großem Enthusiasmus an ein Programm für ein besseres Baltimore gehen will, lernt schnell die Kunst der Mystifizierung und geschönten Darstellung.

Es bleibt dabei, dass die Handlung, wie auf einem Graffiti im Vorspann in Bodymore – Murderland spielt und ein Einblick vermittelt, wie es auf dem Hinterhof des Imperiums aussieht: Korrupte Politik, Verelendung, Kriminalisierung, Verfall der Bildung, Untergang der Zivilisation. Die Staffel wartet mit großartigen Bildern auf, um die Vergeblichkeit des Bemühens, daran etwas zu ändern, zu stilisieren. Wenn der entlassene Polizist Colvin, zusammen mit drei Jugendlichen aus einem Sonderschulprogramm zur Belohnung mit diesen in ein Restaurant in der Innenstadt fährt und ihnen im Wagen Billie Holiday vorspielt, jener Sängerin, die in einem Bordell in Baltimore aufwuchs, zu einer der größten Jazzsolistinnen aller Zeiten avancierte und daran zerbrach, und nach dem Essen, das die Jugendlichen aufgrund des zivilisatorischen Ambientes demoralisiert hat, auf der Rückfahrt gegen den Willen Colvins überlaut eine Rapnummer gespielt wird. Oder sich die Berater des Bürgermeisters Carcetti angesoffen nachts in einer Bar darüber mokieren, dass ausgerechnet so ein Scheißthema wie die Schulpolitik schlechte Schlagzeilen gemacht hat.

Die vierte Staffel von The Wire geht wie keine unter die Haut und sie ist ein grandioses Plädoyer gegen die Verlogenheit der political correctness, die entlarvt wird als ein zynisches Mystifizierungsmanöver der Saturierten.

Amok, die Zeit und die Weite des Landes

No Country For Old Men. Regie Ethan & Joel Coen

Die Verfilmung von Corman McCarthys Roman wäre ohne große Interpretationsleistung möglich gewesen, denn der Text entspricht in seiner spröden, sehr schnittartigen Anlage durchaus einem Drehbuch. Die wesentliche Aussage des Romans dreht sich um die Erosion der Werte in einer sich wandelnden Zeit. Nicht nur der Polizist Bell, sondern auch dessen Vater symbolisieren unterschiedliche Alterungszustände von Männern, deren Werte keine Rolle mehr spielen. Während Bell, selbst noch im Arbeitsleben, heftig über den Verfall der Sitten räsoniert, hat sein scheinbar verwahrloster Vater, seit langem nicht mehr im Arbeitsleben, bereits das Stadium der zynischen Vernunft erreicht und bewegt sich jenseits des schmerzhaften Erkenntnisprozesses, keine wesentliche Rolle im gesellschaftlichen Leben mehr zu spielen.

Die Coen Brüder haben mit ihrer filmischen Inszenierung zwei Akzente gesetzt, die latent zwar in der Romanvorlage immer am Lesehorizont flimmern, aber nicht explizit thematisiert werden. Durch die Darstellung des scheinbaren Amokschützen Wells, der mit einer Sauerstoffflasche und einem daran angeschlossenen Schlagbolzen sein Killergeschäft verrichtet, ist es gelungen, die Eigendynamik der technischen Entwicklung in ihren teilweise absurden Varianten als eine Form der Normalität darzustellen, die sprachlos macht. Für Wells ist sein Vorgehen wie die Hinrichtungsmethode bereits das Gewöhnliche, während die Beobachter von Entsetzen geschüttelt werden.

Der zweite Akzent ist die Gleichförmigkeit der historischen Bewegung, die sich nirgends besser darstellen lässt wie im Texas an der mexikanischen Grenze, wo man 24 Stunden am Tag geradeaus fahren kann, ohne von der Straße abzukommen. Die Weite des Landes, die Gleichförmigkeit der Bewegung und die scheinbare Leblosigkeit ertasteter Horizonte führt zu der Illusion der Ereignislosigkeit. Und gerade diese Illusion wird durch die Schnelllebigkeit der Handlung brutal zerstört.

Die Titel No Country For Old Men suggeriert an sich ein metropolitanes Handlungsfeld, in dem die Rasanz der Bewegung zur kollektiven Metapher gehört. New York, Tokio, Shanghai wären Plätze, die man ad hoc dem Titel zuordnen würde. Der Film besteht vor allem mit seiner vermeintlichen Langsamkeit der Handlung und den Bildern der texanischen Landschaft aus einem grandiosen Verfremdungseffekt. Der Einzug der Moderne in das Szenario der archaischen Siedlergesellschaft erhält durch die Filmregie eine verstörende, teilweise absurde Note, die das hilflose Betrachten dieser Entwicklung durch die alternden Männer symbolisiert. Daher eignet sich der Film auch dazu, über das Phänomen im Allgemeinen nachzudenken. Was machen die Protagonisten, wenn sie keine Rolle mehr spielen und zunehmend um ihre eigene Bedeutungslosigkeit wissen? Großes Kino, gespickt mit verschlüsselten Botschaften!