Archiv der Kategorie: recensions

Tremendous Amounts of Explanation

Anonymous. O: A Presidential Novel

Although we never know whether the hidden author behind the outspoken pseudonym of Anonymous is the same, the routine should come to an end. Not that the subject is not interesting or the circumstances are not actual. But in a very boring way the White House atmosphere of the inner circle of power seems to be abused. With the new novel called O., referring in the most sublime way to have some connections to the current President of the USA, the upcoming election campaign is the topic.

And again, not that the upcoming election campaign might not become one of the most thrilling chapters in the history of the US, the generated compendium of either insinuations or explanations makes it a boring piece. There is no drive where speed will be a main topic, there is no deepness where the struggle of philosophical paradigms will be the rule and there are no characters where extreme individuals will make the game.

Instead of a thrilling narration there is no action. Every routine of the political life between material power and communicative media is reported and explained assuming that the reader just landed with an UFO on the platform of normal, well known and profane political life. Who gets thrilled by that has never read a newspaper, never followed a political campaign on TV and never known one single politician. The stereotypes of this biosphere are so broad that there is definitely no need for explanation.

Of course there is a female reporter and a male campaign manager, both fond of each other but dramatically split by the events. Of course there is a young partisan from the early days of the President who got deeply disappointed. And of course there are politicians, especially the both candidates, playing with human feelings, calculating on resentments and poking reflexes. No prejudice concerning politicians is left behind and not one plot of bad political behaviour is ignored.

One can only deeply recommend going back to a more inspiring reality. Politics is more than a game from bad guys played to betray the good ones. The so called and in some kind of views always mistreated people have a lot of potential to be part of the game. The thrill of politics results of the mutual stakes politicians and people have in the game. Who will win depends on the shape of both. The upcoming campaign for the re-election of Obama and/or his competitor will be a masterpiece compared to this novel, written by an Anonymous, whoever it is.

Die emotionalen Verwicklungen der Emigration

Colm Tóibín. Brooklyn

Der in der Nähe von Wexford aufgewachsene Ire Colm Tóibín ist sowohl von seiner eigenen Biographie als auch seiner Nationalität her geeignet wie kaum ein anderer, sich des Themas der Emigration anzunehmen. Er selbst verließ schon als junger Mann Irland, um für einige Jahre das Glück in Barcelona zu suchen, bevor er wieder zurückkehrte. Und Irland selbst gehört neben Italien zu den beiden großen katholischen Kulturnationen, die entscheidend zu dem Charakter der heutigen USA beigetragen haben, auch wenn dieser Aspekt bis heute allzu sehr von der anglikanisch-protestantischen Seite beleuchtet wird. Mit dem Roman Brooklyn erzählt Tóibín die Geschichte der jungen Eilis Stacy, die 1950 ihrer irischen Heimat den Rücken zuwendet und sich ins ferne Brooklyn aufmacht.

Das Besondere an dem Roman ist das Unspektakuläre. Eilis findet keine Arbeit, wohnt im Hause der Mutter zusammen mit der geachteten und erfolgreichen Schwester Rose, während der Vater bereits verstorben ist und die Brüder in England arbeiten. Rose arrangiert ein Treffen mit einem irischen Geistlichen aus der Brooklyner Gemeinde, der zu Besuch ist und Rose verspricht, für die Schwester Eilis sowohl Arbeit als auch ein berufliches Weiterkommen in der Neuen Welt arrangieren zu können. Dem stimmen Mutter wie die ältere Schwester zu, ohne dass Eilis besonders gefragt würde.

In Brooklyn angekommen, wird Eilis aktiver Teil einer Integrationsgeschichte: Sie bekommt Kost und Logis in einem Haus mit anderen Immigrantinnen, sie bekommt eine Anstellung in einem italienischen Modehaus, sie geht in einen Abendkurs mit anderen Immigranten aus unterschiedlichen Nationen. Sie behält ihren irischen Bezugspunkt in der Gemeinde, lernt jedoch auf einem Tanzabend einen jungen Mann kennen, der wie ein Amerikaner wirkt, sich aber als ein italienischer Einwanderer der zweiten Generation entpuppt.

Während Eilis sich zunehmend an den Lebensrhythmus und die Gepflogenheiten der neuen Heimat gewöhnt, stirbt unverhofft Schwester Rose. Auf einem Besuch bei der Mutter, die nun versucht, die Tochter zurück in die alte Welt zu ziehen, wird der emigrierten Eilis schmerzhaft bewusst, dass sie nicht mehr zurück kann. Ihre innere Entscheidung für das neue Leben ist gefällt und sie macht sich auf den Weg zurück nach Brooklyn, auch wenn es der Mutter das Herz bricht.

In einer dezent geschilderten Erzählung über eine irische Allerweltsgeschichte lässt Tóibín mit epischer Kompetenz die Erkenntnis Thomas Wolfe´s, You Can´t Go Home Again, in die Handlung einfließen, ohne dass er Klischees und emotionales Inflationsmaterial bemühen müsste. Er kommt gänzlich aus ohne das Drama, obwohl die Handlung dramatischer nicht sein könnte für die junge Eilis, deren Geschichte stellvertretend für Hunderttausende steht, die Nation und familiäre Bindungen hinter sich ließen, um in einer fremden Welt zu überleben.

Weißer Schnee, schwarze Macht

American Gangster. Regie Ridley Scott

Dass das Land der unbegrenzten Möglichkeiten immer wieder Geschichten aus der eigenen Historie zum Vorschein bringt, die einfach unglaublich klingen, ist eines der großen Assets der dortigen Filmindustrie. Für den Streifen American Gangster wurde eine solche Geschichte ausgegraben. Dabei geht es um den Vietnamkrieg, das große Geschäft, das organisierte Verbrechen und die Verwicklung der Politik. Nichts ist unmöglich und dennoch scheint vieles unglaublich.

Die Geschichte beginnt im Harlem des Jahres 1968 und dem plötzlichen Tod des schwarzen Paten der größten Black Community New Yorks. Frank Lukas, sein Adjutant, hat viel von ihm gelernt und beginnt auf seine Weise das Imperium neu zu organisieren. Dabei ergreift er eine Chance, die sich ihm bietet. Er umgeht die Lieferkette von Opium und Heroin, die aus dem Golden Triangle während des Vietnamkrieges über Bangkok in die Staaten geht, wo sie regelmäßig von Polizeisonderkommissionen beschlagnahmt, gestreckt und auf den Markt gebracht wird.

Frank Lukas, in seiner Geschäftstüchtigkeit und abstrusen Leistungsethik gut von Denzel Washington dargestellt, fährt daraufhin selbst nach Bangkok und mittels eines Cousins in der Army in das Golden Triangle, wo er eine direkte Geschäftsverbindung zu einem Opiumhändler knüpft, der damit den Guerillakrieg gegen die US Army finanziert. Von nun an ist der reinste Stoff in den USA zu haben und der ungekrönte, sich perfekt in der Mittelmäßigkeit tarnende Frank Lucas regiert weit über den Köpfen der italienischen Mafia.

Sein Gegenspieler, ein ein bisschen vertrottelt wirkender Cop, der an der Abendschule Jura studiert, Richie Roberts (Russel Crowe), kommt irgendwann dem genialen Plot auf die Schliche und webt sein Netz. Er bildet eine Sonderkommission, sammelt Indizien und Beweise, bis er die Schlinge zuzieht. Kein Wunder, dass dieses geschieht, als die US Streitkräfte ihre Niederlage eingestehen und fluchtartig Saigon verlassen. Nach der Festnahme mach Roberts Lucas ein Angebot, ihn wieder nach einigen Jahren frei zu bekommen, wenn er mit ihm kooperiert und die korrupte Polizeimaschinerie in Einzelteile zerlegt, was auch geschieht. Lucas wandert für fünfzehn Jahre in den Knast, insgesamt 150 Polizeibeamte werden rechtskräftig verurteilt. Der Film endet mit Lucas Entlassung, vor dem Knast wartet sein Anwalt, der ehemalige Cop Ritchie Roberts.

Der Film schafft es, das komplizierte Geflecht von Kriminalität und Politik transparent zu machen, ohne den Zuschauer zu verwirren. Ganz im Gegenteil: Es ist ein eher episches Werk, das darauf verzichtet, mit besonderen Grausamkeiten oder speziellen Effekten zu brillieren. Zu spannend ist die Erzählung: Die USA gehen in einen post-kolonialen Krieg, die dortige Guerilla setzt auch Drogen ein, die gleichzeitig über die Logistik der US Armee in die USA geliefert werden und deren Vermarktung die korrupte Polizei übernimmt. Bei diesem Teufelsspiel kann ein anständiger Krimineller wie Frank Lucas nur stören!