Archiv der Kategorie: recensions

Bitter End in Psychiatry

Richard Yates, who was born 1926 in Yonkers, New York and died 1992 in Birmingham, Alabama, seemed to be a writer who described his own career by the titles of his books. Firstly not recognized as an artist of high quality, his narratives and prose fiction became suddenly highly appreciated, to be forgotten later on and rediscovered decades later. His novel Disturbing the Piece, edited in 1975, belongs to the hallmarks of the mentioned titles with a more than mono-thematic sense. After Revolutionary Road (1961), which gave Yates a lot of attention, he was almost forgotten in the seventies and he indeed disturbed the piece of a society already rattled by a cultural revolution but still hold in its social grid irons. Only in the last decades some kind of renaissance came up, caused by the shaken consciousness of a middle class in deep turmoil.

Disturbing the Peace, acting in New York and later Hollywood in the sixties is referring to the upcoming unease of members of the lower middle class, living in standardized suburbs, earning enough money to participate in the progress of society but working in jobs which spend money but no sense at all. The protagonist, John Wilder, employed in advertisement, married to a nice woman and father of a son, shapes his rebellion by alcohol abuse. In one of these cases he ends up in New York Bellevue psychiatric hospital where he faces the possible consequences of his escapades. Deeply traumatized by the treatment there, he starts visiting doctors and joining meetings of the AA. Nonetheless it does not stop him drinking too much. During a business encounter he meets a nice young girl, wealthy by birth and 16 years younger. The affair brings her to the idea to make a movie about of Wilders experience at Bellevue. During the production Wilder has a breakdown.

After he is released and back in New York the young girl leaves him because she is going with a ghost writer of Robert Kennedy (which was a step in the real career of Richard Yates!) to Washington. Wilder is disappointed but re-establishes his marriage and continues to drink heavily until the girl comes back and tells him that she quit the relation to the writer, met her father who is rich and who gave her all the money they want to produce the movie in Hollywood. Wilder quits his job and leaves his family to go with the girl to Hollywood where they have a good start with an agent but where his alcohol abuse is facing a new dimension. The girl leaves him finally and he ends up in California psychiatry where he will never be released again.

The most indicating thesis behind the narrative structure seems to have more than one message. Firstly the shape of the existence of middle class has a deep contradiction in itself: It can deliver a better kind of living in a material way, but lacks in giving more sense. Secondly revolting in using drugs is a lethal illusion. And finally society is closing you up in a madhouse if you do not accept the rules of social piece and convention. If one wants to get an authentic impression of the roaring seventieth in western civilization the book will be a magnificent choice.

Von Kafkas Process bis zu heutigen Evaluierungsorgien

Christoph Bartmann. Leben im Büro. Die schöne neue Welt der Angestellten

Endlich ein Buch, das sich mit der rasanten Entwicklung des Büros in den letzten Jahrzehnten beschäftigt. Vie Menschen, die heute noch in Verwaltungen unterwegs sind, haben in ihrer eigenen Berufsbiographie noch Verhältnisse erlebt, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Erst vor ca. 25 Jahren zogen die ersten Computer in den normalen Verwaltungsalltag ein und mit ihnen vollzog sich nicht nur eine technische, sondern auch eine semantische Revolutionierung dessen, was wir Büroarbeitsplatz nennen.

Christoph Bartmann, seinerseits Germanist, Historiker und Direktor des New Yorker Goethe-Instituts, hat mit Leben im Büro. Die schöne neue Welt der Angestellten ein Buch geschrieben, dessen Tiefgang in hohem Maße beeindruckt und das voller Beobachtungen steckt, die eine Reflexion rechtfertigen. Am stärksten wirken die Passagen über den Wandel des Büros. Max Weber, Freud, Kafka, Foucault und Tony Blair werden unter die Lupe genommen. Sie werden durchleuchtet unter dem Aspekt eines grundlegenden Paradigmenwechsels vom Government, welches eine demokratisch legitimierte Regierung von außen auf die Verwaltung ausmachte, zu den existierenden und erstrebten Formen von Governance, welches eine durch die Bürokraten internalisierte, mentale Identifikation mit dem darstellt, was gute Regierung ausmacht.

Bartmanns Kritik wird besonders harsch, wenn er sich der diesen grundlegenden Paradigmenwechsel vermittelnden Branche der Berater widmet, die jedes Verwaltungshandeln in Management umdeuten und einen Aufwand betreiben, der als so genannte Transaktionskosten in keinerlei Relation zum Nutzen steht. Die Neue Steuerungslehre wie Change-Vorhaben erfahren eine nahezu vernichtende Kritik, weil sie die grundlegenden Werte von Verwaltung außer Kraft setzen und sich mehr mit Prozessen und sich selbst beschäftigen, als mit Resultaten.

Quasi als Appendix erscheinen Abhandlungen über den Burnout als kollektive Krankheit des neuen Managementtypus und die Raumkrise des Neuen Büros, das als Aktionsraum mehr auf Transitstationen wie Flughäfen und in Zügen stattfindet als in der Architektur sozialer Vertrautheit. Bartmanns Schlussfolgerungen sind im Vergleich zu der Brillanz seiner Analysen eher lau, man gewinnt den Eindruck, als sehne er sich nach dem alten Büro zurück, in dem der Stillstand Zeremonienmeister war.

Das ist enttäuschend, schmälert aber nicht die guten Gründe für eine Empfehlung, weil sie das tiefe Unbehagen auch derer treffen, die sich für Änderungen in der Navigation von Verwaltungen aussprechen und dem Umstand Rechnung tragen wollen, dass Verwaltung im Spannungsfeld der Globalisierung einerseits eine Konstante in der Wahrung politischer Werte sein sollten, andererseits aber in der Lage sein müssen, temporäre Arbeitsallianzen mit heterogenen Partnern zum Erfolg zu führen. Wer im Appendix des Auswärtigen Amtes das neue Management erlebt, der kann keinen Eindruck von der Dynamik bekommen, die der Wandel woanders mit sich bringt. Ein sehr gutes Buch, das zum Nachdenken anregt und mit Blick auf die Zukunft eigene Überlegungen unbedingt erfordert.

Die Leichtigkeit des Narrativen

Michael Ondaatje. The Cat’s Table

Michael Ondaatje, den bitte niemand mehr auf die Autorenschaft des Englischen Patienten reduziert, hat eine neue Erzählung herausgebracht. Mit The Cat´s Table hat sich Ondaatje auf eine Episode seines eigenes Lebens konzentriert, die prägend sein sollte. Handlungsrahmen ist eine 23-tägige Schiffspassage von Columbo nach London, die der Autor selbst im Alter von 12 Jahren erlebte, als er auf dem Weg vom damaligen Ceylon zu seiner Mutter nach England war. Ondaatje, kurz vor seinem siebzigsten Geburtstag, versucht sich an diesen autobiographisch historischen Moment zu erinnern und beginnt eine Textur zu weben, die nicht einfach zusammen zu bringen ist.

Mit der Metapher des Katzentisches, an dem die Kinder in der Zweiten Klasse saßen, verweist Ondaatje gleich auf die Startbedingungen, die er als blutjunger Emigrant aus der englischen Kolonie auf dem Weg zum Zentrum des Imperiums, London, hatte. Zeuge des Geschehens, am Rande, nicht ganz ernst genommen. Was, wie im richtigen Leben, bei der Wahrnehmung des Katzentisches durch die etablierte Gesellschaft fehlt, aber in Ondaatjes Erzählung eine Kontur bekommt, sind die Impulse, die von dort ausgehen.

Ondaatje beschreibt in loser Assoziation die verschiedenen Streiche der Heranwachsenden an Bord, ihre Abstecher an Land und die dortigen Impressionen wie die Charaktere und Typen an Bord. Natürlich ist es ein pittoreskes Ensemble, angefangen von einem mysteriösen Häftling, der nachts in Ketten seinen Rundgang an Deck macht, über den Millionär, der wegen einer Krankheit in die koloniale Zivilisation gebracht werden soll, den Musiker Mazappa, der alle Passagiere durchschaut, das Leben gesehen hat und sich an der Formalität und dem Luxus von Sidney Betchets Klarinetten-Soli ergötzt oder dem ceylonesischen Englischlehrer, der sein letztes Geld zusammengekratzt hat, um in das Land zu kommen, das ihm als Wiege hoher Poesie gilt.

Ondaatje fertigt nie mehr als kleine Skizzen, die er lose miteinander verbindet, die jedoch in keinerlei Chronologie zu fassen sind. Dadurch gelingt es ihm, schon durch das Formale die Ambiguität der hier auf dem Schiff mit dem Namen Oronsay Versammelten zu beschreiben. Sie kommen aus der geographischen wie sozialen Heterogenität der ceylonesischen Welt und sind auf dem Weg in eine noch komplexere, in der sich gerade in den fünfziger Jahren des XX. Jahrhunderts Migranten aus dem ehemaligen Weltreich anzusiedeln begannen und sowohl etablierten als auch untergingen. Ondaatje selbst, niederländisch-tamilisch-singhalesischer Herkunft, sollte nur bis 19962 in London bleiben und dann eine neue Heimat im nicht kolonialen, konkordanten Kanada suchen und finden, wo er bis heute lebt.

Die kurz gefassten, teils pointierten, teils fraglichen Geschichten, die aus der Perspektive des Katzentisches erzählt werden, hinterlassen einen tiefen Eindruck, weil sie nichts beschönigen und glorifizieren und weil sie daher dem Leben so nah sind. Da plätschern Schlüsselerlebnisse genauso am Bewusstsein vorbei wie das Graue und Profane und neben dem Interesse an dem Erlebnis eines Heranwachsenden kommt da plötzlich Wesentliches über die Tücken inter-kultureller Migration und und das Exil. Das Buch birgt Gefahren, denn aufgrund der geübten Erzählweise des Autors kann man der Versuchung erliegen, es episodisch unterhaltsam zu konsumieren und nur hohe Aufmerksamkeit kann davor bewahren, diesen Fehler zu machen. Viele Botschaften sind durch die Leichtigkeit des Narrativen verschlüsselt.