Archiv der Kategorie: recensions

The Last Piece Of A Master

Mario Puzo. Omerta

It seems to be completely obsolete writing a critic about a writer like Mario Puzo. World famous because of the movie with his masterpiece Godfather, Puzo is known for the blueprint of Mafia stories in general. Mostly all other works from him are honored less because of the widespread glory of the Godfather. The cooperation with director Francis Ford Coppola seemed to be one of the most efficient and in terms of money and prices countable ever.

The 1920 in New York born Puzo, who grew up in Little Italy, Manhattan, within poor circumstances and discriminating environment, knew a lot of the milieu of Sicilian descendants and American socialized. Despite of this knowledge Mario Puzo cannot be reduced on the topics of Mafia because he has written about other topics like black market activities in post war Germany, where he was eye witness as an American soldier, the Italian Borgia Family or the opportunities Americas if the chance of a forth Kennedy would have been given.

Nevertheless Omertà is the last piece Puzo had written before his death in 1999. At least he returned to the dominating subject of his life, the social physiognomy of Mafia protagonists, the social order of the clans, the relations between the clans, the philosophy of moral and ethics and the leading principles of the most successful. Maybe the story of Omertà seems to be a little bit clinching to the producing clichés of thrilling action, between the never ending subjects of drug dealing, prostitution and illegal weapon trade up to the atomic bomb, but the designed drama of action and the characters are worth to turn pages in high speed.

And no doubt, especially the characters described in Omertà are worth to be studied in detail. The Sicilian orphan Astorre who is adopted by one of the last classical New York Mafia bosses, the banking man Pryor, who is hiding perfectly his Sicilian identity, the real children of the last Don Raymonde Aprile, who are more American than Sicilian and the energetic and frivolous counterpart Rose, who is a native American but performing like a Mafioso. Even if sometimes exhilarating and the bad guy disposure of FBI and NYPD characters a little bit in concerns of corruption and brutality overdriven, the setup is as great as ever in Puzos books.

From the start to the end the book is worth reading. “Omertà, a Sicilian code of honor which forbids informing about crimes thought to be the affairs of the persons involved” also forbids telling more details. What remains is a convinced and strong recommendation!

Wichtige Erkenntnisse, folgenschwere Ausblendungen und ein verstörter Autor

Manfred Spitzer. Digitale Demenz. Wie wir unsere Kinder um den Verstand bringen

Manfred Spitzer, Psychiater und Hirnforscher, der vor 10 Jahren mit seinem Buch Lernen den Deutschen den Mythos ausgetrieben hat, man müsse Kindern ihre Kindheit lassen und dürfe sie nicht zu früh ans Lernen führen, ein angesehener Vertreter seines Faches und eine mit Respekt gehörte Stimme der Wissenschaft, dieser Manfred Spitzer ist ins Schlingern geraten, obwohl er ein Buch geschrieben hat, das seinerseits wiederum wichtige Erkenntnisse erhält, die niemand ausblenden sollte. Aus der Perspektive des Arztes, der sich mit schwer geschädigten Kindern auseinandersetzt, hat sich Spitzer an den unkontrollierten und unreflektierten Umgang mit digitalen Instrumenten gemacht und aufgezeigt, welche Schäden des kognitiven Apparates und des Sozialverhaltens bei Kindern durch zu frühen und zu häufigen Kontakt mit diesen Geräten auftreten können.

In seinem Buch Digitale Demenz. Wie wir unsere Kinder um den Verstand bringen, zeigt Spitzer zumeist überzeugend auf, was an Hirnbildung ausbleibt, wenn bestimmte Funktionen nicht trainiert, sondern nach außen verlagert werden und was nicht gelernt wird, wenn die soziale Isolation nur noch den virtuellen Spielplatz übrig lässt. Er geht viele der Phänomene durch, die uns allen so geläufig sind, die verheerende Wirkung der Navigationssysteme auf das eigene Raumempfinden und Orientierungsvermögen, das Schwinden der Merkfähigkeit, die schlechten Sozialstimulanzen der Computerspiele, das Schwinden von Fokussierungskompetenz und Konzentrationsfähigkeit durch Multitasking und die vielen, vielen psychosomatischen Reaktionen auf die Überdosis digitaler Kommunikation.

Die Probleme, die Spitzer in diesem Buch anspricht sind durchweg existent und den meisten kritischen Zeitgenossen durchaus bekannt. Was verstört, ist der bei diesem Autor ungewohnte und misslungene polemische Ton, der aus dem respektablen Wissenschaftler doch häufiger einen Besserwisser macht, der durchaus in der Lage ist, der Leserin oder dem Leser auf die Nerven zu gehen. Hintergrund dieser bedauernswerten Entwicklung sind die Tiraden einer nahezu inquisitorischen Meute, die Spitzer seit seinen kritischen Äußerungen verfolgen wie einen Aussätzigen und die einerseits erklären, warum der Mann seine Gelassenheit verloren hat und andererseits belegen, welch gewaltige Lobby hinter der digitalen Industrie am Wirken ist.

Was leider insgesamt in dem Buch keine Rolle spielt und in der Diskussion darüber viel zu kurz kommt ist die Frage, inwiefern die Erosion der Erziehung in vielen Schichten nicht die Ursache für die Überdosis digitaler Medien ist. Stattdessen wird das Medium oder Instrument an sich als Vehikel der Zerstörung oder heilsbringende Institution verteufelt oder gepriesen, ganz so, als wären wir noch auf dem historischen Niveau der Maschinenstürmerei. Das ist schade und armselig zugleich und wird durch Spitzers Buch nicht korrigiert.

Die Digitale Demenz zeigt, was passiert, wenn jemand, der die Interessen von Lobbys verletzt und die harte Gangart des medialen Diskurses nicht kennt, plötzlich in einem Orkan des Unmutes gerät. Spitzer Ton ist ein Indiz dafür. Leider überstrahlt er manche richtige und wichtige Erkenntnis.

Ein strategischer Plan und große Diplomatie

Ed Falco/Mario Puzo, Die Corleones

Kaum ein Werk der amerikanischen Filmgeschichte hatte einen derartig durchschlagenden, lang anhaltenden, sensationellen und nachhaltigen Erfolg wie der Pate. Mit den Italo-Amerikanern Mario Puzo als Autor und Francis Ford Coppola als Drehbuch-Kompagnon und Regisseur gelangen quasi Natives des beschriebenen Kulturkreises, Hintergründe, Milieu und Motivlage einer imperialen Vorgehensweise in einer Art und Weise darzustellen, dass sich die Zuschauer quasi simultan in einem Action-Krimi wie in einem voluminösen Epos über das alte Rom wähnten. Denn das Phänomen der amerikanischen, von sizilianischen Italienern geformten und geführten Mafia, ist die Verquickung der vorgefundenen Lebenswelt mit imperialen Prinzipien.

Nach einem derartigen Erfolg ist es kein Wunder, dass man plante, dem Dreiteiler, der mit der Herrschaft der Corleones in New York beginnt, noch einen vierten Teil folgen zu lassen, der den Aufstieg der Familie in den dreißiger Jahren beschreibt. Zwar waren in dem vorhandenen Filmepos immer wieder Rückblenden zu finden, die den Werdegang der Protagonisten reflektierte, aber die Dimension des gesamten Aufstiegs erreichten sie nie.

Mario Puzo selbst hatte die Idee und schrieb das Regiebuch. Als Autor des Romans fungiert mit Ed Falco ein versierter Mann aus Brooklyn, der das Metier aus dem Effeff kennt. Das vorliegende Buch mit dem schlichten Titel Die Corleones beginnt im New York des Jahres 1933, das insofern eine konstituierende Bedeutung für neue Einflusssphären hatte, als dass das Ende der Prohibition kurz bevorstand und in New York der erste italienisch-stämmige Bürgermeister, La Guardia, gewählt wurde. Der Kampf um Macht und Einfluss ging in eine neue Runde und es stellte sich die Frage, mit welchen Methoden der Erfolg gesichert werden konnte.

Neben den für manche Aficionados des Paten so interessanten Fragen wie die eigentliche Herkunft des Ziehsohnes und späteren Justiziars der Familie Tom Hagen oder die erschütternde Vorgeschichte des Monsters Luca Brasi, der später als Guard des Paten Vito Furcht einflößte, sind in Falcos/Puzos Roman andere Aspekte von hohem Interesse. Wer will, kann beobachten, woran z.B. die Iren im Kampf um die Macht scheiterten und warum Figuren wie Guiseppe Mariposa innerhalb des italienischen Lagers sich zunehmend isolierten.

Es geht um Dinge, die zunächst absurd erscheinen, aber letztendlich wahr sind: Auch in der kriminellen Struktur gibt es Programme und Kodizes, die ausschlaggebend sind für Erfolg und Misserfolg. Vito Corleone versteht es, sein Imperium so zu bauen, dass die Mitglieder und Gepressten dennoch das Gefühl von Schutz und Wohlstand haben. Er weiß zu gut, dass die Maxime nicht immer erreichbar ist und er hat das, was man heute strategische Kompetenz nimmt. Er taxiert die Figuren in seinem Machtspiel nach ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten, er gewinnt ihre Loyalität, wenn er sie vernichten könnte und er weiß vor allen anderen, dass es wichtig, ja überlebenswichtig, seinen Einfluss in Politik und Justiz zu sichern. Vito Corleone erhält die Kontur eines großartigen Diplomaten, der durch seinen strategischen Plan den anderen, zwar kraftvollen, aber in Machtfragen dilettierenden Mitspielern überlegen ist.

Für die, die sich für das Phänomen der Machtmetapher, die ja auch die Serie der Sopranos so überaus erfolgreich gemacht hat, interessieren, ist Die Corleones ein gelungenes Buch, das vieles hergibt. Lediglich die Übersetzung erweckt den Eindruck, mit der beschriebenen Welt doch etwas zu fremdeln.