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Digitale Arbeitsplätze, eine Mystifikation?

Ziellose Büroarbeit, mangelnde Konzentration, fehlender Sinn – über die moderne Arbeitswelt wird viel geforscht, vor allem weil die Digitalisierung zukünftig viele Berufe obsolet machen wird. Dass aber auch in Dienstleistungsbranchen viele künstliche Jobs entstanden sind, die Beschäftigung vorgaukeln, wird zunehmend zu einem Problem – die Produktivität stagniert in Deutschland trotz zunehmender Beschäftigung und Überstunden. Bei […]

über Bullshitjobs und Zeitverschwendung: Moderne Arbeit? — Alice in Wonderland

Die Unverbesserlichen

Wieder mal ein Treffen der führenden Wirtschaftsnationen. Wieder einmal die Mahnung, sich nicht dem Wahn des freien Handels zu verschreiben, wenn dabei immer mehr Nationen abgehängt werden. Nun auch diese Mahnung von denen, die sich immer in der Vergangenheit für den freien Welthandel ausgesprochen haben. Die USA sind nun das prominenteste Opfer. Nicht, dass sie nicht schon lange Probleme gehabt hätten, an diesem Rennen aufgrund der eigenen Produktivkräfte erfolgreich teilnehmen zu können. Doch seit der Weltfinanzkrise im Jahr 2008 ff. ist alles anders geworden. Da fließen nämlich die Revenuen der Gewinner nicht mehr automatisch an die Wall Street. Seitdem sind die USA von der Quelle des zu verteilenden Reichtums abgeschnitten. Und nun reagieren auch sie mit dem verzweifelten Mittel des Protektionismus.

Das haben diejenigen, die nach wie vor als Exportgrößen gelten, nicht zu beklagen. Was sie jedoch anders machen als die USA, sie fühlen sich nicht in der Verantwortung, die die USA vordem angenommen haben, für die Infrastruktur des freien Welthandels aufzukommen. Militärisch und politisch. China, als prominentestes und potentestes Land, tastet sich vorsichtig an diese Aufgabe heran, oder, genauer gesagt, China tariert die Risiken noch aus, bevor es die Verantwortung annimmt. Deutschland, als anderes Beispiel für eines der großen Exportländer, sieht sich weltweit nicht in der Lage, dieses zu tun, was einer realistischen Einschätzung der vorhandenen Kräfte und Möglichkeiten entspricht. Das Streben nach Weltregie wäre die strategische Überdehnung.

Die deutsche Option läge allerdings im EU-Raum. Aber auch dort lehnt es rigoros die Rolle des Großinvestors in andere Länder ab. Getragen von der Schäuble-Doktrin, selbst Rücklagen zu bilden, die Bedingungen für größtmögliche Exporte zu schaffen und die Überforderung der Abnehmer mit einzukalkulieren, ohne diese aus der Schuldenfalle zu entlassen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer, das bereits überall lodert. Selbst Weltbank und internationaler Währungsfonds warnen Deutschland nun vor einem Crash. Der einzige, der alle schlechten Prognosen in den Wind schlägt, ist der Chef-Ideologe Schäuble. Er lässt sich weder dazu überreden, andere Länder zu stützen noch die Löhne im eigenen Land signifikant steigen zu lassen, um den Binnenmarkt zu stärken und das Konkurrenzverhältnis zugunsten anderer Anbieter zu verbessern. Getragen wird er dabei von einer großen Sympathiewelle im eigenen Land. Und es scheint sich wieder einmal zu bewahrheiten, dass Deutschland die Heimat der dilettantischen Kaufleute ist, ohne Kulanz, ohne Weitsicht, ohne Strategie.

Die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Merkel-Ära hat sich die strategischen Vorteile, die aus der Hartz-Gesetzgebung erwachsen sind, zunutze gemacht und in der letzten Dekade den europäischen Markt monopolisiert. Das hat die nahezu religiös verehrte Schwarze Null zur Folge gehabt, aber auch die politische Isolation innerhalb der EU. Stark, aber isoliert, hält die Politik an diesem Kurs fest, obwohl abzusehen ist, wie fragil die ganze Angelegenheit ist. Schon in den nächsten Tagen, bei den Wahlen in Frankreich, kann das Märchen von den fleißigen Deutschen und dem faulen Resteuropa vorbei sein. Da kann es passieren, dass über Nacht neue Allianzen entstehen, die zwar als protektionistisch verurteilt werden, die aber die logische Folge des jetzigen Kurses sind. Und jetzt schon steht für die Unverbesserlichen fest, dass es an der Unzulänglichkeit der anderen liegen wird. Eine zu einfache Weltsicht, die bereits aus der Arroganz der Isolation resultiert.

Schnell und langsam, je nachdem

Nach dem türkischen Referendum wird eine Frage erneut diskutiert, die eigentlich bei jedem politischen Großereignis aktuell ist: Wie soll eine Regierung in einem solchen Fall reagieren? Soll sie einen klaren Standpunkt vertreten, auf Konsequenzen hinweisen und Angebote machen, die auf unzweideutigen Bedingungen basieren? Oder soll sie abwarten, genau beobachten, wie sich die Angelegenheit weiter entwickelt und dann langsam eine Strategie entwerfen, die den geänderten Bedingungen gemäß ist? Zumeist wird die Diskussion über die unterschiedlichen Herangehensweisen im Publikum sehr polarisierend geführt, während zumindest die deutsche Regierung nicht eindeutig einer der beiden Optionen zuzuordnen ist, auch wenn der allgemeine Eindruck vorherrscht, dass sie nicht schnell handelt und eher erst einmal beobachtet. Bei genauerem Hinsehen trügt dieser Eindruck jedoch.

Picken wir einige Ereignisse heraus! Bei der Ukraine zum Beispiel war die Position der Regierung sehr schnell klar. Sie war für einen Regimewechsel, nicht zimperlich bei der Beurteilung der neuen Machthaber und überaus schnell bei der Verurteilung Russlands. Ursache und Wirkung wurden nicht untersucht, das Junktim zwischen EU und NATO unbedingt unterstützt und die Wahl einer konfrontativen Strategie wurde als alternativlos angesehen.

Im Falle des Brexits folgte einer kurzen Schockstarre das Austarieren von Möglichkeiten, die von der Revision des Brexits über das Herausbrechen Schottlands bis hin zur Beibehaltung vorteilhafter Wirtschaftsbeziehungen ging. Bis heute liegt keine klare Position vor, und vieles wird von dem Verlauf der auch von Großbritannien geführten Verhandlungen abhängen, wie sich die Dinge weiter entwickeln.

Im Falle der Türkei herrscht eine abwartende Haltung vor, die sich aus der eben auch wirtschaftlichen und geostrategischen Gemengelage erklären lässt. Der deutliche, unmissverständliche Weg des Landes in eine Diktatur wird hingenommen, weil das Flüchtlingsabkommen bis zu den Wahlen im Herbst 2017 halten muss und weil die Türkei als NATO-Partner eine Toleranz gegenüber Menschenrechts- und Völkerrechtsverletzungen genießt, die anderen Staaten nicht zugebilligt wird.

Anders wiederum im Falle Griechenlands. Um die Banken zu retten, wurde eine ganze Nation, die zugegebenermaßen nicht ganz unbeteiligt an dem Dilemma war, als Geisel genommen und derart gedemütigt, dass der Vorgang paradigmatischen Charakter bekam und maßgeblich zu dem Vertrauensverlust innerhalb der EU führte. Die Erosion der EU in politisch rauen Zeiten hat ein Hardliner aus dem Finanzministerium zu verantworten, den sowohl Kanzlerin als auch Koalitionspartner haben machen lassen bis alle Freundschaften den Bach herunter gegangen waren.

Im Falle der Wahl des neuen US-Präsidenten war man sehr schnell dabei, Trump als die Personifizierung der westlichen politischen Krise zu bezeichnen. Das war schon in der ersten Nacht zu hören und war offen wie selten zuvor. Die Meinung änderte sich, als Trump zu kriegerischen Aktionen griff und die USA wieder als militanter Weltpolizist auftraten.

Und auch im Syrienkrieg war man rasant mit der Parteiergreifung. Da war mit Assad der Gegner sehr schnell ausgemacht, weil die Gaspipeline von Katar nach Europa unter westlicher Regie geführt werden sollte und plötzlich bei einem seit Jahrzehnten geduldeten Präsidenten Syriens Charaktereigenschaften auffielen, die man vorher nicht bemerkt hatte. Schon wurden die Kriegstrommeln gerührt und man ist mit Militär seit langem in einer völkerrechtswidrigen Handlung.

Diese Regierung ist alles andere als langsam. Sie verfolgt ihre Interessen sehr konsequent. Und es ist nicht eine Frage von klarer Kante oder nicht, sondern es ist eine Frage von Richtung und Haltung. Und da ist vieles zu beobachten, das nicht mehrheitsfähig ist.