Lands End. Für mich war dieser Begriff immer eine Art Befreiung. Vielleicht liegt es auch etwas am Namen. Mers ist verwandt mit Mersch, letzteres steht wiederum für Marschlandschaft in Küstennähe. Ich erinnere mich, wie ich als Kind, im Sommer, am See, heimlich meinen Vater beobachtete, wenn er am Ufer saß und vergessen auf das Wasser schaute. Dann wirkte er wie in einer anderen Welt. Ein Freund aus dieser Zeit, der später nach Kanada ausgewandert ist, schrieb mir, nachdem wir uns nach Jahrzehnten im Netz wiedergefunden hatten, dass er sich noch gut erinnere, wie mein Vater, der bei dieser Korrespondenz bereits sehr lange tot war, in einer Seelenruhe durch den See geschwommen sei, so, als sei er eins mit ihm, abgemeldet von der Welt. Meine Liebe zum Wasser ist groß. Mein Traum war es immer, am Meer zu leben, was mir immer nur für bestimmte, begrenzte Zeiträume gelang. In New York, in Bilbao, in Jakarta. Die Stadt, an der ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht habe, liegt am Zusammenfluss zweier Flüsse. Atlantik, Java Sea, Neckar und Rhein. Ein Leben ganz ohne Wasser kam für mich nie in Frage. Aber das Höchste, wohin ich immer gerne geflüchtet bin, wenn alles zu dicht, zu dumm, zu überhitzt und zu ausweglos erschien, das war Lands End. Da, wo kein Haus mehr steht, wo der Übergang der Zivilisation zum Meer sichtbar ist, wo das Tosen immer lauter zu vernehmen ist, wo die Unendlichkeit zu beginnen scheint, wo die Mythen, aber keine Menschen zuhause sind. Genau dort ist vielleicht der Anfang. Vor ganz langer Zeit. Dorthin geht die Reise zurück. Lands End ist für mich das, was in die Kindheit scheint und worin ich noch nicht war. Ein Traum, der nie endet.
Während unsere höchste Repräsentationsfigur bei den Vereinten Nationen in New York City mit Selfies über Taxifahrten und morgendlichen Kaffeekonsum in den sozialen Medien brilliert, hat sich ein weiteres Sternchen am dicht besiedelten Himmel des Unheils exponiert. Es handelt sich um die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, ihrerseits estnischer Provenienz und bereits häufig aufgefallen durch russophobe Paroxysmen. Letzteres verwundert nicht, denn in ihrem Land leben 21 Prozent Russen, die seit einiger Zeit behandelt werden, als handele sich um Aussatz. Da braucht die mittlerweile als belgische Praline Gehandelte nicht über den Zaun ins einstige Zarenreich zu starren, sondern die Augen nur im eigenen Garten aufzumachen. Dass es ihr in einer ihrer täglich eingeübten Tiraden nicht ausreichte, Russland bzw. der Sowjetunion den Sieg über den Faschismus abzusprechen, sondern auch China zum Verlierer des II. Weltkrieges zu deklarieren, macht die Bilanz noch schlimmer. Den selbst derzeit noch geltenden Ansprüchen im Fach Geschichte in den meisten Ländern, für die sie beansprucht, deren Interessen zu vertreten, fiele sie mit Ach und Krach durch. Sechs setzen!
Ihrer Chefin, die wenige Tage zuvor durch Fake News über einen angeblichen russischen Sabotageakt bei einem ihrer Flüge brillierte, wird es gefallen haben. Gemeinsam blicken sie jetzt auf 19 Sanktionspakete gegen den impertinenten Bären zurück. Dass sie ihn weder vernichtet noch in die Knie gezwungen haben, lässt das durch unberechtigten Größenwahn in einem permanenten Rausch befindliche Duo nicht zweifeln. Dabei brauchte die in sämtlichen Beraterbranchen hoch geschätzte Kommissionspräsidentin diese nur einmal dazu veranlassen, die Wirkung der unzähligen Maßnahmen finanzieller, handelsbezogener, Ressourcen betreffender und sogar Ledergürtel nicht auslassender Attacken mit den üblichen Instrumentarien zu evaluieren. Das Resultat wäre, wie die Schulnote der Vertreterin im Fach Geschichte: Ungenügend.
So, wie es scheint, ist man in Brüssel der Ansicht, dass man den europäischen Kanalratten, auf die man nichts mehr gibt, alles kredenzen kann, was man nach übermäßigem Pralinengenuss erbricht. Dass der deutsche Lügenbaron, der es im Beisein aller im Parlament zum zeitweiligen Major Domus gebracht hat, es ihnen mit Verve nachtut, ist weder verwunderlich noch ein Geheimnis. Bei seiner jüngsten Beschreibung des russischen Präsidenten blendete er kurzerhand die Bilanz amerikanischer Kriege in der Nachkriegsära aus. Würde ein Geschichtslehrer, der in einem konservativen Elternhaus noch Sitte und Anstand gelehrt bekommen hätte, die Estin mit einer Strafe im Eckestehen belegen, so bliebe ihm bei dem Bruchpiloten aus dem Sauerland nichts anderes übrig, als ihm kräftig mit dem Lineal ins Genick zu schlagen. Auf der anderen Seite: wer die Lüge zum eigenen Kompass gemacht hat, dem bleibt nur das Kurshalten.
Die Exponenten europäischer und deutscher Politik dokumentieren mit jedem neuen Tag nicht nur ihre essenziellen qualifikatorischen Mängel, sondern sie zeigen auch eine Haltung, die nur aus der Überzeugung resultieren kann, dass man es in Europa nicht mehr mit Völkern zu tun hat, die in den letzten 2000 Jahren eine beachtliche Zivilisation hervorgebracht haben. Sie meinen, es nur noch mit Kanalratten zu tun zu haben. Irgendwann wird sich das rächen. Und vieles spricht dafür, dass der Zeitpunkt näher rückt.
Nicht umsonst liegt Indonesien im so genannten Ring of Fire. 20.000 Inseln zwischen dem asiatischen Kontinent und der Küste Australiens. 13.000 davon bewohnt von ca. 200 Ethnien. 5.500 Km von West nach Ost. Insgesamt 250 Millionen Menschen, jung, und zumeist Muslime. Das größte muslimische Land der Welt. Kautschuk, Öl, Palmöl, Gold, Seltene Erden. 120 bis 130 aktive Vulkane. Immer wieder von Vulkanausbrüchen überrascht und von Erd- wie Seebeben heimgesucht. Das große Pfand des Landes? Alles, aber vor allem seine Unabhängigkeit. Das, was diese unglaubliche Vielfalt in der Geburtsstunde der Nation am 17. August 1945 an einziger Gemeinsamkeit hatte, waren dreihundert Jahre Kolonialgeschichte.
Dass die Aufzählung der indonesischen Substanzen und Essenzen das Land zu einem geostrategisch exorbitant wichtigen Faktor macht, ist kein Geheimnis. Und dass das Land im Jahr 1965 durch einen blutigen Militärputsch dafür Tribut zahlte, hat man dort nicht vergessen. Mit der damals größten Kommunistischen Partei außerhalb des sozialistischen Lagers war es ein Dorn im Auge der USA. CIA orchestrierte. Die Bilanz: ein einjähriges Massaker mit 1-2 Millionen Toten. Nach einem Putschkonzept, das später auch unter dem Namen Operation Jakarta in Chile angewandt wurde, kam General Soeharto an die Macht, der seinerseits 32 Jahre das Land mit seinem Clan und mit harter Hand regierte. Er garantierte die West-Bindung und durfte im eigenen Land machen, was er wollte. Und als er 1998 während eines Auslandsaufenthaltes in Ägypten gestürzt wurde, brannte das Land wieder.
Einer, der das Feuer legte und mit Panzern auf Studenten in Jakarta losgehen wollte, hieß Prabowo Subianto, seinerseits mit dem Hause Soeharto eng verbunden. Wäre da nicht ein Ali Sadikin gewesen, seinerseits ehemaliger Gouverneur Jakartas, der als alter Mann mit Baseballkappe und Turnschuhen vor den Panzern erschien, sich vor die Panzer stellte und ihnen den Befahl gab, sich zurückzuziehen, hätte ein Gemetzel historischen Ausmaßes stattgefunden. Die Panzer zogen ab. Helden wie Ali Sadikin gibt es nicht mehr.
Besagter Prabowo Subianto, damals übrigens ein Liebling der Deutschen Botschaft, hat es mittlerweile zum Präsidenten gebracht und läßt, wie sollte es anders sein, Polizei wie Streitkräfte auf die Protestierenden losgehen. Die Demonstrationen begannen mit dem Verlust von Arbeitsplätzen als Folge der Schließung großer Produktionsstätten westlicher Marken, setzten sich fort wegen der Abgehobenheit der sich immer mehr mit Sonderrechten und Gratifikationen selbst versorgenden Parlamentarier und richten sich heute als gewaltsame Gegenbewegung gegen das rigorose Vorgehen der Ordnungskräfte. Todesopfer werden in Kauf genommen.
Präsident Prabowo weiß, wohin er gehört. Er hat dem Volk den Kampf angesagt und kann mit der Unterstützung des Werte-Westens rechnen. Verlöre dieser Indonesien an den neuen großen Block um China, dann wären wichtige Ressourcen und essenzielle Wasserstraßen dahin. Indonesien steht wieder einmal am Scheideweg. Entweder Panzer und Knute, oder Wirtschaftsbeziehungen zu einem übermächtigen China.
Bei aller Diversität, die das Land ausmacht, bei aller Verschiedenheit zu den politischen Organisationsformen, mit denen wir im Westen vertraut sind, so existiert eine Konstante, die von allen Ethnien, Schichten wie vertretenen Religionen als Konsens akzeptiert wird: Die Unabhängigkeit der Nation. Das einzige Symbol, das bei allen Auseinandersetzungen mitgetragen wird, ist die indonesische Fahne. Der Appell, auf dem Grat zwischen Temperament und Weisheit zu wandeln, entschlüsselt die Psychologie dessen, was vor sich geht. Für die Unabhängigkeit ihres Landes geben sie ihr letztes Hemd. Dafür haben sie immer wieder bezahlt. Und sie werden es weiter tun! Merdeka!
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