Die Geschichte eignet sich für einen Kriminalfilm. Und zwar der Sorte, wo das organisierte Verbrechen im Mafia-Stil unterwegs ist und nicht alles so glatt läuft, wie geplant. Da durchfährt ein Sprinter ein fremdes Land und wird kurz vor der Grenze angehalten und kontrolliert. Was die Zollbeamten finden, lässt den Atem stocken: 40 Millionen US-Dollar und 35 Millionen Euro in Banknoten und 9 Kilo reines Gold. Das Cargo war auf dem Weg in die Ukraine und wurde auf ungarischem Hoheitsgebiet beschlagnahmt. Die das Gut begleitende Mannschaft wurde festgenommen. Der Präsident der Ukraine forderte umgehend die Rückgabe der Valuta und die Freilassung der Transporteure. Geschehe dieses nicht, würde er es bewaffneten Verbänden seines Landes mitteilen und diese würden dann auf ihre Weise das Cargo zurückholen.
Man könnte diese dem organisierten Verbrechen affine Vorgehensweise in einer Klamotte namens Inkasso Selenskyj dem Genre der Komödie übereignen, oder aber man befasst sich mit den politischen Konsequenzen, die daraus zu folgen hätten, handelte es sich bei der EU um ein seriös funktionierendes Staatenbündnis. Und das Vorgehen ist kein Ausrutscher. Selenskyjs Drohung gegen Ungarn, Militär zu schicken, wenn es nicht einem weiteren Kredit über 90 Milliarden Euro für die Ukraine zustimmt, ist ebenso aktuell. Und da wäre die Frage zu klären, wieso derartige Summen in einem Sprinter durch ein fremdes Land geschmuggelt werden müssen? Und wie es sein kann, dass ein Aspirant auf die Mitgliedschaft der EU dem Staatsoberhaupt eines Mitgliedslandes im Mafia-Style drohen kann, ohne dass beides zu einer akribischen Untersuchung führt?
Wenn man nach Indizien sucht, inwieweit die Kommission der EU im Kampf gegen ein vermeintliches Ungeheuer selbst zum Ungeheuer wurde und wie sehr der Abgrund, in den man zu blicken glaubte auf diese Organisation mittlerweile zurückschaut, dann reicht nur dieses Ereignis. Das Dramatische dabei ist die Selbstzerstörung. Wer geflissentlich über Methoden hinwegsieht, die dem, was man als Kodex der eigenen Zivilisation versteht, diametral widersprechen, dann hat man den Kampf bereits verloren. Der wie ein Banner vorausgetragene Moralismus hat mit seiner Doppelzüngigkeit bereits in den Untergang geführt.
Wer erinnert sich nicht an die Zeit, als es, nach den ersten asymmetrischen Anschlägen des internationalen Terrorismus hieß, man ließe sich die Lebensweise dadurch nicht zerstören? Und, betrachtet man die heutigen Sicherheitsvorkehrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheiten, dann ist zu sehen, was von dieser Hoffnung übrig geblieben ist. Und nun, in einem anderen Fall, ist zu klären, in welchen Allianzen man sich befindet und wessen Kampf man mit allen Mitteln unterstützt. Und, global gesehen, ist es noch schlimmer. Mittlerweile scharwenzelt man um die Brandstifter dieser Welt herum und lässt sich pausenlos demütigen und auf der Nase herumtanzen. Es ist degoutant.
Und, wenn die Selbstachtung dahin ist, dann ist der Untergang bereits besiegelt. Zumindest unter dieser Regie. Es ist nur noch erbärmlich, wenn aus den Reihen derer, die alles hinnehmen, um an ihren längst überkommenen Gewissheiten festhalten zu können, von allen möglichen Gefahren reden, gegen die man gewappnet sein muss. Diese Politik wappnet gegen gar nichts mehr. Sie ist ein Freifahrtsschein in die Selbstzerstörung und den Ruin. Und das erste Mosaik auf diesem Weg nach unten ist die Inkonsequenz. Wer mit Formen des organisierten Verbrechens kokettiert, sollte seinen Moralismus für sich behalten. Macht allerdings niemand. So geht es weiter bis zum Schluss.
