Ostenmauer – 84. Malaysia, 24. Mai 1998

Batu Ferringhi, 24.05. 1998

In der malaiischen New Straits Times steht heute eine kleine Notiz, die mich in meiner Einschätzung bestätigt. KOSTRAD-Chef Prabowo sei seines Amtes enthoben und mit anderen Soeharto nahen Generälen in die Offiziersschule nach Bandung versetzt worden. Jenderal Wiranto habe dies veranlaßt, um sie vor Interessenskonflikten zu bewahren. Wir wissen natürlich mehr. Prabowo hat in der Nacht von Freitag auf Samstag versucht zu putschen und steht mit seinen Gefolgsleuten in Bandung unter Arrest. Mon Jenderal Wiranto hat ihm das Handwerk gelegt und scheint momentan die Instanz zu sein, die Indonesien vor einem noch größeren Inferno bewahrt. Währenddessen ist die Reaktion auf das vom neuen Präsidenten vorgestellte Kabinett lukewarm, was kein Wunder ist, da sich niemand mit Kompetenz findet, der sich in diesem Interimsstückchen auf unsteten Boden begeben will, da noch zuviel nepotistisches Fett in den Korridoren der neuen Regierung verteilt liegt. 

Wir sitzen immer noch auf unserer Insel und machen aus dem uns zugefallenen „Urlaub“ das beste. Wir genießen die hier ausgezeichnet vertretene indische Küche, machen Strandspaziergänge, schwimmen und lesen. So wie es aussieht, fahren wir am Dienstag zurück nach Kuala Lumpur, um zusammen mit den anderen aus der „Botschaftsgruppe“ am Mittwoch zurück nach Jakarta zu fliegen.

Hier im Hotel ist übrigens einige Unruhe innerhalb des Personals ausgebrochen, da am letzten Mittwoch eine schwarze Limousine mit einem Kennzeichen aus Kuala Lumpur vorfuhr, der ein merkwürdiges Ehepaar entstieg. Angeblich handelt es sich um Angehörige der Deutschen Botschaft in Jakarta, doch der Mann sieht aus wie ein Russe und die Frau verbreitet durch ihre Wortkargheit und ihren Strohhut eher britische Unterkühltheit. Merkwürdigerweise spricht der Mann ein beachtlich gutes Malaiisch, aber eben mit einem kantigen Akzent, wie ihn eben nur die Russen an den Tag legen. Hati-Hati, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, und nur Tuhan weiß, ob da nun die Russenmafia oder zwei Pflanzen des ehemaligen KGB ihre Residenz in dem schönen Hotel genommen haben. 

Dazu paßte, daß mich heute am Frühstückstisch der General Manager des Hotels als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland begrüßte. Als ich ihm erklärte, daß ich zwar im Auftrag des BMZ unterwegs sei, aber Berater der indonesischen Regierung sei, begannen auch seine chinesischen Pupillen verräterisch zu flackern. Er stellte uns dann dennoch dem Ehepaar Chap vor, er ein indonesischer Chinese, der allerdings seit 50 Jahren in Europa lebt und sie eine Holländerin, was dann auch erklärt wo. Da Herr Chap in all den Jahren immer in Südostasien geschäftlich engagiert war, freue ich mich schon auf eine Unterhaltung mit ihm, die wir sogleich vereinbart haben. Langweilig ist es hier also auf keinen Fall.

Renate gefallen übrigens die Männer hier viel besser als auf Java, sowohl die Malaien als auch und vor allen Dingen die Inder, was ihr unbelassen zugestanden sein soll und woran sie sich meinetwegen erfreuen mag. Was diesen Aspekt unserer Reise anbetrifft, so zieht es mich allerdings mit aller Macht zurück nach Jakarta…

Malaysia, 24. Mai 1998

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