Aufstand als Frage der Selbstachtung

Wer gedacht hatte, die Statements und Erlebnisse auf der Münchner Sicherheitskonferenz hätten zu so etwas wie Besinnung führen können, sah sich schnell getäuscht. Das ewige Lamento der beiden in Deutschland ansässigen Fraktionen der politischen Abbildung us-amerikanischer Verhältnisse ist immer noch deutlich zu hören. Was beiden Fraktionen abgeht, ist die Erkenntnis, dass es sich bei den USA nach wie vor um eine imperiale Supermacht handelt, deren wichtigster Navigationspunkt das eigene Interesse ist. Die Rhetorik vom transatlantischen Bündnis ist besonders in den letzten krisenhaften Jahren durch die Fakten vollends demoliert worden. Dennoch halten Großteile der sich so gerne als liberale Mitte titulierenden Parteien immer noch an dieser Formulierung fest und trauern den wonnigen Jahren demokratischer Expansionspolitik nach. Während die anderen auf die neue Ära hoffen, die mit Donald Trump als dem imperialen Dealmaker aufscheint. Beide Variationen führen zu nichts, denn die Notwendigkeit, sich für eine auf eigenen Interessen basierende politische Strategie zu entscheiden, bleibt bestehen. Wiewohl die Zeit, die bleibt, um zu so etwas noch zu kommen, ausläuft.

Von wegen Besinnung. Nun, mit dem illegitimsten Kanzler der bundesrepublikanischen Geschichte, steuert dieser ebenfalls geschichtsvergessendste Darsteller auf eine Vision zu, die vom Deutschherren-Orden bis zu den Architekten der Operation Barbarossa verfolgt wurde und immer wieder die Existenz dessen, was sich in vielen Variationen als deutscher Staat repräsentierte, zum Abgrund führte. Nun also wieder. Kriegsgeheul gegen Russland, dicke Hose ohne Inhalt, verantwortungslos und barbarisch, aufgeblasene Backen für billiges Lobby-Geld, entwendet aus den Taschen derer, die diesen Krieg nicht wollen und mit denen bei Ausbruch auch nicht zu rechnen ist. Da erklingen die Melodien aus dem Paten, nur das dort, bei aller Frivolität, noch so etwas von Ehre zu spüren ist. Bei den grausigen Singvögeln dieses Projektes ist davon jedoch nichts zu verspüren.

Letztendlich muss festgestellt werden, dass aus den Reihen, die vorgeben, für die Demokratie und deren Werte zu stehen, beides bereits gemeuchelt wurde. Die Demokratie gilt nur für sie selbst und die Werte spotten aufgrund des doppelmoralischen Leichengiftes jeglicher Beschreibung. 

Was allerdings zu bemerken bleibt, quasi als Großleistung bellizistischer Propaganda, ist die Neutralisierung dessen, was einmal entweder als intellektuelle Sphäre oder als kritischer Resonanzraum der offiziellen Politik angesehen werden konnte. Dieses Publikum hat sich auf das Hase und Igel-Spiel der totalitären Logik eingelassen und leckt sich zufrieden die Lippen, wenn staatlich subventionierte Knallchargen den Kampf gegen den Faschismus ausrufen, während ein demokratisches Recht nach dem anderen einkassiert und eine Überwachungs- und Kontrollfunktion nach der anderen installiert werden.  

Angesichts der staatlich autorisierten politischen Analphabeten, die auf jedem nur erdenklichen internationalen Forum ihre unausgegorenen, von nichts gerechtfertigter Großmannssucht gespeisten, in die alte imperiale Banalität verfallenden Sentenzen in die Welt posaunen, kann man nur voller Scham und Demut zu Boden blicken. Und sich die Frage stellen, wann die Substanz, die dem Wahnsinn in all seiner Nacktheit ein Ende bereiten kann, die Konsistenz entwickelt, dass daraus eine ernst zu nehmende Kraft wird. Jede Form von Rebellion und Aufstand ist zu einer Frage der Selbstachtung geworden. Wer jetzt noch selbstzufrieden den Blick über den gedeckten Tisch schweifen lässt, ist Bestandteil des Problems.

Aufstand als Frage der Selbstachtung

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