Nun hat sich ein Unding mit Hilfe zwielichtiger Gestalten ins Kanzleramt geschlichen und spielt dort das Spiel demokratischer Normalität. Was man dem staunenden Publikum konzedieren muss, ist ein nicht zu brechender Glaube an die Legitimität dessen, was es als demokratische Verfahren und seine Institutionen gelernt hat. Insofern muss man dem Plebs, wie er in den Köpfen der Demonteure genannt wird, eine überdimensionierte Portion guten Glaubens auf die Habenseite schreiben. Mehr aber auch nicht.
Die eigene Lebenserfahrung nämlich hätte mehr zu sagen. Denn wer akzeptierte schon, bei sich zu Hause, in der Firma oder im Verein einen Vorstand, der mit einer gewissen Agenda ins Rennen ging und nach der Inthronisierung genau das Gegenteil von dem machte, womit er warb? Und wer erklärte sein d´ accord zu einem, der sich überhaupt nicht für die internen Belange interessierte und nur mit einem Megaphon über Land führe und in enervierender Lautstärke die eigene Bedeutung anpriese? Und wem würde nicht schlecht, wenn er sähe, wie unterwürfig und speichelleckerisch dieser Gernegroß sich verhielte, sobald er bei seinen Touren auf jemanden träfe, der mit mehr Gewicht und Gewalt zu brillieren wüßte?
Ja, die Enttäuschung bei vielen ist groß. Selbst bei denen, die das eigene Lager des Unding ausmachen. Sie reiben sich die Augen und sind noch benommen, von den Zurechtweisungen, die sie bereits seit der internen Inthronisierung erfahren mussten, wenn sie sich anmaßten, so etwas wie eine eigene Meinung zu artikulieren. Und dass das Gleiche bei der Partnerorganisation, mit der das Unding nun gemeinsam das Land massakriert, ebenso geschieht, passt in das Verständnis von Führung dieser Spezies von Dekonstrukteuren zumindest einer formalen Demokratie. Auch im anderen Lager reiben sich die niederen Kohorten die Augen und verstehen die Welt nicht mehr. Krieg ist gut, Moral ist schlecht und Verbrechen sind notwendige Operationen. Die Programmatik dieser Agentur lässt die Umwertung aller Werte in einem eigenartigen Licht erscheinen.
Was die Köpfe in den Entscheidungsetagen eint, ist die vermeintliche Vorbereitung auf einen Krieg, der das Potenzial hat, in vielen Bereichen dieses Planeten endgültig das Licht ganz auszulöschen. Diejenigen, die das Gemetzel an Mensch, Zivilisation und Natur zum Geschäftsmodell haben, unterhalten solche Charaktere wie das Unding, um ihre chronisch kranke Gier weiter zu stillen, obwohl es gar nicht geht. Die Sucht ist ein Modell, das mit sozialen Systemen als Leitmotiv nicht vereinbar ist. Aber, wen dieser Akteure würde das schon stören?
Das Blättern in den Annalen bereits erlebter Katastrophen hilft zuweilen, um sich ein Bild von dem zu machen, was mit euphemistischer Verve versucht wird als alternativlos an den Mann und an die Frau zu bringen. Da war in einem Journal, das kurz nach dem letzten großen Krieg erschien, zu lesen:
„„Mit welchen Waffen, was meinen Sie, wird man nach einem Atomkrieg dann künftige Kriege führen?“ fragte ein Journalist einen hohen amerikanischen Offizier, der an den Atombombenversuchen auf Bikini teilgenommen hatte.
„Wahrscheinlich mit Pfeil und Bogen“, antwortete der Befragte lakonisch.““
Um lakonisch zu bleiben: In der Erkenntnis, wohin eine bestimmte Politik und der Einsatz von Waffen führen kann, waren vorhergehende Generationen bereits wesentlich weiter.

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„Unding. Ein Unding regiert uns.“ Als Ossi muss ich gallig schmunzeln, wie nun auch im Westen verstärkt nach Metaphern gesucht wird. Metaphern, um das „Anecken“ zu vermeiden. Grad so wie in der Ehemaligen. Von westlicher Seite wurde Ossis früher gern und oft Sklavensprache attestiert. „Mit uns könnte man das nicht machen! Was ihr euch alles bieten lasst!“ Jaja. Lang ist’s her. Im Westen war das freie Wort kein Problem. Bis … ä… manche sagen, das ginge auch heute noch. Vorausgesetzt man lebt in Übereinstimmung mit allen Ansinnen von oben.
„Die Sprache ist das Florett mit dem man die Zensur bekämpft.“ (Ernst Jünger)
Der Text ist prima. Er hat etwas Dissidentisches in Volker Braunschem Sinne. Den kennt keiner mehr. Der ist vergessen. Weil er gut war.
Nur die Stelle mit dem „Viele reiben sich die Augen“ – nee, die würde ich nicht unterschreiben. Die meisten würden „gleich“ wählen. Weil das Unding die chiceren Anzüge trägt, oder weil es diese oder jene Talkshow-Tante so propagiert. Siehe Sonntagsfrage.
Tja.