Rückblickend kann ich sagen, in einer aufregenden, von Frieden umsäumten Zeit mein Leben gestaltet haben zu können. Wären da nicht die letzten Jahre. Sie haben die Illusion des Friedens zurück in die Realität geholt. Viele meiner Wegbegleiter kamen aus Regionen dieser Welt, in denen Bürgerkriege und Kriege tobten. Sie kannten alles, von der Folter am eigenen Leib, der Flucht und dem Verlust von Familie und Heimat. Alles das ist meiner Generation bis heute erspart geblieben, auch wenn der Krieg sich langsam wie eine Raupe immer mehr in unsere Biosphäre vorschiebt.
Ich kannte den Krieg und seine Auswirkungen aus der Familiengeschichte. Die Traumata, die er bei denen hinterließ, haben mir gereicht, um nie, in keiner Situation, in einen wahnhaften Rausch der Kriegsbegeisterung zu verfallen und denen zuzujubeln, die ihn wieder haben wollten.
Heute, in den wiederum unheilvollen Zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts, scheint das bei vielen keine Basis mehr zu sein. Sie feiern einen Krieg nach dem anderen, sie bejubeln die Bellizisten, sie verachten diejenigen, die ihn als kein Mittel der Konfliktlösung ansehen.
Aus meiner Sicht sind sie das Produkt einer immer geschichtsloser werdenden Gesellschaft, eines fortschreitenden Verlustes unmittelbarer Erfahrung und vor allem einer sich auf alle erdenkliche Ebenen ausgeweiteten Propaganda des Imperialismus. Ja, die Erkenntnis ist alt und aktuell zugleich. Solange es Imperialismus gibt, gibt es Krieg. Und solange Menschen glauben, sie lebten in einer von sozialen Antagonismen freien Gesellschaft, wird man ihnen auch erzählen können, dass irgendwelche Bösewichter, die sich gegen den unaufhörlichen Prozess der Räuberei stellen, das Problem wären, hat die Option des Krieges eine Chance. Wer diesen Konnex nicht sieht, wird irgendwann mitten drin sein: im tödlichen Gemetzel, an dem aus weiter Ferne immer wieder gut verdient wird.

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