Die subventionierte Zivilgesellschaft?

Ich kann mich noch gut an eine Veranstaltung erinnern, als ein sozialdemokratischer Oberbürgermeister davor warnte, die „Zivilgesellschaft“ kritiklos als Faustpfand der Demokratie zu inthronisieren. Man möge bedenken, so weiter, dass aus der „Zivilgesellschaft“ historisch auch kräftige Impulse zur Faschisierung der Gesellschaft gekommen seien. Diese Episode liegt gar nicht so lange zurück und sie zeigt, wie schnell sich die Bewertung von bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungen ändern kann. Die dominante Organisationsform für Impulse aus der Zivilgesellschaft sind seit ca. 25 Jahren NGO ´s, Non Governmental Organizations, Nicht Regierungsorganisationen, in denen sich bestimmte gesellschaftliche Gruppen zusammenfinden, um ein politisches Anliegen zu formulieren und gegenüber den jeweiligen Regierungen zu vertreten.

Es ist kein Geheimnis, dass vor allem in der Blaupause für vieles, das uns erreicht, den USA, seitens amerikanischer Dienste sehr schnell erkannt wurde, dass man vermittels dieser Zusammenschlüsse der „Zivilgesellschaft“ wunderbar unschuldig in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten eingreifen kann, ohne sich selbst staatlicherseits die Hände schmutzig zu machen. Die zahlreichen, Regenschirm-, Blumen- und Krawattenrevolutionen sind ein beredtes Beispiel für dieses Vorgehen. Da mutiert dann der vermeintliche zivilgesellschaftliche Zusammenschluss eines Landes immer wieder zu einer ausländischen Agentur. Man sehe sich an, woher besonders in solchen Situationen die Finanzierung kommt, und die These ist belegt.

Der Reiz, der dem Grundgedanken einer NGO entspricht, ist durch viele dieser Manöver reichlich kontaminiert. Das, was vor allem in Deutschland einmal unter dem Namen einer außerparlamentarischen Opposition gedanklich ausging, teilte sich historisch auf in eine militante  und in eine zunehmend von der Politik instrumentalisierte Variante.  Mit einer solchen Form haben wir es zur Zeit mehrheitlich zu tun. Die Subventionierung vieler NGOs durch die jeweilige Regierung hat den ursprünglichen Gedanken an absurdum geführt. Eine staatlich subventionierte Zivilgesellschaft? Was bitte, soll das sein? Das Kuriose bei der ganzen Angelegenheit ist nur, dass dieser paradoxe Umstand kaum hinterfragt wird. Und dass, wir wollen redlich sein, es sich bei der Anfrage der Union nur um die Beargwöhnung von politischen Konkurrenzorganisationen handelt, ist nur folgerichtig. 

Für den Treppenwitz demokratischer Selbstorganisation, die Förderung von Nicht Regierungsorganisationen durch die Regierung, hatte man schon sehr früh einen Begriff gefunden, der in Zeiten eines kritischeren Bewusstseins wie ein Lauffeuer die Runde machte. Man nannte sie schlicht GONGOs, Governmental Non Governmental Organizations. Damit war alles gesagt. Und wenn jetzt der neue starke Mann der SPD von einem Foulspiel redet, weil die Unterstützung von parteifreundlichen GONGOs durch die noch amtierende Regierung transparent gemacht werden soll, illustriert das seine Denkweise in dem nötigen Umfang.  Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass die degoutantesten Förderungen aus laufenden Regierungsetats an GONGOS der Grünen gingen. Dort sind GONGOs unterwegs, die tatsächlichen NGOs das Handwerk legen sollen. Ein Superlativ der Perversion!

Wie dem auch sei. Eine Zivilgesellschaft, die sich mieten lässt, als Schutzwall zum Erhalt der Demokratie zu bezeichnen, passt gut in die Karnevals- und Faschingszeit, entspricht aber nicht der Frivolität des Manövers. Fragen Sie mal nach bei echten NGOs! 

3 Gedanken zu „Die subventionierte Zivilgesellschaft?

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  2. Avatar von BludgeonBludgeon

    Man erinnere sich an Putin, der in den Nullerjahren alle Auslands-NGOs in Rußland registrieren ließ.
    Sie seien eh ausländische Agentennetzwerke….
    Das böse Kreml-Monster! Spricht der doch glatt die Wahrheit aus!
    Oder man erinnere sich an das Lanz-Tribunal, der Michael Kretzschmer wegen seines Moskautrips 2022 grillen wollte im Beisein zweier Rechtschaffenheits-Äbtissinnen: 90 000 Euro habe dieser Alleingang gekostet! So der Vorwurf.
    Die Erwiderung Kretzschmers: „Was hat 90 000 Euro gekostet? Das war Geld für die NGOs, die dort auf dem Trockenen sitzen!“ – Und wer überbringt es? Ein amtierender MP. Tribunal gescheitert. Lanz schlug schnell nen Haken…
    Q.e.d.

  3. Avatar von Gerhard KellerGerhard Keller

    Ich war am 15.02.2025 in meiner Nachbarstadt auf einer Gegendemonstration am Absperrgitter vor einer Kundgebung der AfD und musste erleben, dass die „Omas gegen Rechts“ 100 m entfernt außerhalb des Blickfeldes der die Kundgebung störenden Demonstranten ein folkloristisches Happening abhielten, das den Protest gegen eine rechte Entwicklung anscheinen nicht ernst nimmt und mit Tänzen und „deutschen“ Liedern eher infantilisierte. Ihr Motto: „Wir feiern Demokratie!“ Darüber können Nazis nur lachen.

    Ich fand es beschämend, dass diese Omas viele Menschen mit Ihrem Luftschlangen- und Konfettigedöns von der Teilnahme an dem lautstarken Protest vor den Absperrgittern abhielten, anstatt sich mit uns zu solidarisieren.

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