Für viele Vertreter der einen oder anderen Lobby, die mit dem Kriegführen Geld verdienen, steht es momentan Spitz auf Knopf. Anders, auch nicht mit dem aktuellen Wahlkampf, lässt es sich nicht erklären, dass sie noch kurz vor Weihnachten alles aus ihren stinkenden Taschen ziehen, was sie noch dabei haben, um die Hysterie so richtig anzuheizen. Denn die klassischen Hinterbänkler, die nur in verrückten Zeiten eine Chance auf Beachtung finden, sie wissen, wenn das Drama in der Ukraine zu einem schnellen Ende käme, wäre es sehr schnell vorbei mit ihrem Prominenten-Status.
Natürlich ist ihre Existenz erst im Lichte der großen kollektiven Verblendung, die nahezu alle erfasst hat, dass nämlich ein mit feindlichem Militärmaterial eingekreistes Land zu einem ursächlichen Aggressor erklärt wurde, zur Beachtung gekommen. Alle, die eine wichtige Rolle spielen, haben mitgemacht und keiner kommt da mehr raus. Man stelle sich vor, ein Kanzler, ein Oppositionsführer, ein Minister oder ein Fernsehdirektor käme auf die Idee, den blinden Gehorsam gegenüber dem transatlantischen Herrn und Gebieter, der selbst vor Aggressionen gegenüber den so genannten engsten Verbündeten nicht zurückschreckt, als einen kolossalen Irrtum und schwerwiegenden Fehler zu bezeichnen. Wahrscheinlich trieben ihre Kadaver noch vorher bereits in der Spree oder sie stürzten aus kleinen Sportflugzeugen vom Himmel. Aber die mit den Tröten, die von hinten den meisten Krach machen, für die ist das ganze Debakel die Zeit ihres Lebens.
Sie bekommen nicht nur mediale Aufmerksamkeit, sondern auch einen kleinen Austrag von denen, bei denen die Auftragsbücher voll sind. Deshalb fürchten sie einen Waffenstillstand oder gar einen Frieden wie der Teufel das Weihwasser. Und deshalb übertreffen sie sich auch noch einmal mit Prognosen „unserer“ Gefahr durch die Kräfte des Bösen. Und so wie ein Blick auf die Landkarte das Märchen von der aggressiven Bedrohung schnell beendet – wenn man nur will, versteht sich – so schnell ist auch der Spuk vom Überfall auf den ganzen Westen des Kontinents vom Tisch, wenn man sich die Demografie des vermeintlichen Aggressors ansieht.
Aber wir wissen alle, dass wir nicht in Zeiten der Vernunft, sondern in denen der Hysterie leben. Und wir wissen ebenso, dass wir in einem Land leben, in dem es immer hieß „nie wieder!“ und in dem es längst geschehen ist. Zumindest der öffentlich betrachtbare Verstand ist kollektiv demoliert und das Geschrei der mediokren Knallchargen, die ohne diesen Krieg allenfalls als parlamentarischen Heftklammern ein Dasein fristeten, übertönt selbst die lieblichsten Weihnachtslieder. Die Düfte, die diese seelenlosen wie tolldreisten Figuren verbreiten, hinterlassen einen Eindruck von Berlin 1945. Auch da war nichts mehr von innerer Kraft. Da mussten Kräfte von außen kommen, um den Frieden wieder herzustellen.
Zumindest das ist geblieben. Während die Glücksritter des Krieges ihren schaurigen Makabré tanzen, hoffen viele Menschen auf eine Erlösung von außen. Das Land selbst liegt mental am Boden und ist zu nichts mehr fähig. Eine wahrhaft traurige Weihnachtsgeschichte. Komme mir niemand auf die Idee, den berüchtigten Friedensengel auf den Weihnachtsbaum zu setzen. Es wäre blasphemische Heuchelei.

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