Duell Harris-Trump: Ramsch statt Expertise

Einen Kulturschock steckst du nicht so weg wie einen Regentag. Da musst du dir erstmal die Augen reiben und rausgehen, um etwas Frischluft zu inhalieren. So ging es mir, als ich die Reaktionen hierzulande auf das Fernsehduell zwischen Kamala Harris und Donald Trump zur Kenntnis nehmen musste. Es sei vorausgeschickt, dass ich der Spezies angehöre, die sich gerne auf Inhalte konzentriert und von Politikerinnen und Politikern wissen möchte, was sie tun oder zu tun gedenken und welche Motive dabei eine Rolle spielen. Dass das nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande nicht immer im Vordergrund steht, ist mir sehr bewusst. Oft geht es um den Auftritt, die Rhetorik, die Gestik und zuweilen auch das Tenu. 

Es sei bemerkt, dass es sich bei der Wahl, die momentan in der USA ansteht, in hohem Maß auch um die Belange Europas und Deutschlands geht. Wem es noch nicht aufgefallen ist: in Europa tobt ein Krieg, der unter anderem auf die Strategie der von den USA dominierten NATO geht und der, wenn dem nicht schleunigst Einhalt geboten wird, zu einem Flächenbrand werden kann. Das ist, mal so ganz nebenbei, den Strategen in den USA sehr bewusst. Wie ließ ein führender CIA-Mitarbeiter vor kurzem in einer Anhörung mitschreiben? „We have a problem. The old Empires are coming back: China, Russia and Turkey.“ Wer also meint, der Konflikt und die Ukraine ließe sich mit dem alten, gesetzten Ost-West-Schema betrachten, hat weder die Explosivität noch die Komplexität dessen, was dort in Brand gesetzt wurde, verstanden.

Dass die USA unter der Präsidentschaft Bidens, zu deren aktivem Teil auch eine Kamala Harris gehört, mächtig gezündelt haben, ist ebensowenig zu leugnen wie der erratische und rabaukenhafte Stil Donald Trumps. Dennoch sollte die unterschiedlichen Positionen auf ihre Inhalte kondensiert werden. Und wenn ich mir ein solches Duell als Europäer ansehe, ist es nur logisch, dass ich mir die, wenn vorhanden, unterschiedlichen Positionen in diesem Krieg betrachte. Und, hätte das sich als professionell bezeichnende Publikum dieses gemacht, was es hätte tun können, dann wären gravierende Unterschiede deutlich geworden. Kamala Harris steht für die Fortsetzung des Krieges, Donald Trump für ein sofortiges Ende. Unter welchen Umständen und aus welchen Erwägungen auch immer. Darüber könnte man sich auseinandersetzen. 

Was aber zu dem Kulturschock führte, war die flache Rezeption. Die gut situierte Kamala reichte dem verdutzten Trump zu Anfang die Hand und Trump kam mit dem Unsinn hervor, in Springfield würden die Immigranten die Haustiere der eingesessenen Amerikaner verspeisen. Diese beiden Aspekte wurden von allen Seiten bis zum Schwindel „aufgearbeitet“, als drehe es sich dabei um die Duftmarken der Macht eines Welt-Hegemons. Erbärmlicher geht es kaum.

Mit ein bisschen Eigeninteresse und etwas weniger durch den ständigen Konsum von Soaps aller Art beschwipst, hätte dieses Duell ernsthaft am Schicksal der eigenen Gesellschaft Interessierten die Einsicht vermittelt, dass es höchste Zeit ist, an einer nationalen wie europäischen Sicht der Dinge zu arbeiten, die einen dominanten Anteil an Selbstbestimmung hat. Wenn es sich allerdings so abspielt, wie erlebt, dann ist es und bleibt es aus mit einem selbstbestimmten Dasein in Germany und Good Old Europe. Und, erlauben Sie mir diese Abfälligkeit, das, was uns hier als Expertise angeboten wird, ist der letzte Ramsch.