Gute Qualität übersteht so manchen Sturm. Ramschware liegt danach in Fragmenten in alle Richtungen zerstreut herum. Manches lässt sich vielleicht noch gebrauchen, vieles belastet die Müllverbrennung. Der Trend, sich nicht für gute Qualität abzumühen, ist keine Neuheit. Selbstverständlich existieren hoch qualitative Waren, sie sind, wenn man sich die Zahlen derer ansieht, die sie sich leisten können, eine die Marktmechanismen wie die gesellschaftlichen Verhältnisse ignorierende Randerscheinung. Das war nicht immer so. Kürzlich wurden in einer Radiosendung die Hörerinnen und Hörer gefragt, ob sie in ihren Haushalten Dinge besäßen, die ein beträchtliches Alter aufwiesen. Die Ergebnisse waren erhellend. Da tauchten Toaster auf, die vierzig Jahre alt waren, da kamen Radios zum Vorschein, die schon den Mord an Kennedy begleitet hatten und so manches Küchenmesser hatte schon die Großmutter seit ihrer Kindheit benutzt.
Nicht, dass es hier um eine Form der Nostalgie ginge. Es geht um die hoch aktuelle Relation von Gebrauchs- und Tauschwert. Wer Marx nicht gelesen hat, sollte das einmal schleunigst nachholen. Nicht, um die alte Frage erneut zu entflammen, ob er nicht einen wenn auch vagen Gesellschaftsentwurf entwickelt hatte, sondern weil seine Analyse der kapitalistischen Produktionsweise die einzige ist, die nach zweihundert Jahren noch Aufschluss über die meisten Phänomene gibt. Und alle, die sich jetzt räuspern, sollten mir Hinweise schicken, welche Super-Tele-Ökonomen etwas bereicherndes über die Relation von Gebrauchs- und Tauschwert zum besten geben oder gegeben haben.
Geht man jedoch von der Begrenztheit natürlicher Ressourcen und der Bedrohung der natürlichen Kreisläufe aus, dann sollte dieses Verhältnis erneut beleuchtet werden. Denn die kostengünstige Produktion von Gütern, die ihrerseits nur – bewusst kalkuliert – einen zeitlich sehr begrenzten Gebrauchswert aufweisen, führt zur Verschlechterung der Lebensbedingungen weltweit. Das einzige, was diesen Irrsinn am Leben erhält, ist die Maxime des immer notwendigen Wachstums. Wachstum der Nachfrage, Wachstum der Märkte, Wachstum der Produktion, Wachstum der Transportquoten.
Der einfache Gedanke, es doch mit einem Radiogerät zu halten, das bereits vor sechzig Jahren bereits seinen Dienst erwiesen hat oder mit einem Küchenmesser das heutige Abendessen zu bereiten, welches bereits den letzten großen Krieg überstanden hat, wäre nicht nur wegen der Ersparnis in der weltweiten Ressourcenbilanz ein Gewinn, sondern auch ein Verweis auf die Fähigkeit, vor bereits sehr langer Zeit eine Qualität hervorzubringen, die von langem Bestand ist.
Und es stellt sich die Frage, welche Qualität eine so genannte und von sich selbst bis in die Haarspitzen überzeugte Zivilisation ist, die ihren eigenen existenziellen Notgroschen wegen irgendwelcher Wachstumsquoten hemmungslos abfackelt. Ein Prinzip, das keine Zukunft mehr hat. Da hilft es auch nicht, immer nur an die Konsumenten zu appellieren, sich auf Qualitätsprodukte zu fokussieren, die sich eben nur ein verschwindend kleiner Teil der Gesellschaft leisten kann. Es geht um das Große, um das Ganze. Und das lässt sich nicht ausschließlich durch einen Wandel im Individualverhalten verändern. Das erfordert eine radikale Betrachtungsweise. Radikal, das heißt immer noch, von der Wurzel her.
Wenn das Bewusstsein, dass die warenproduzierende und konsumistische Parole von einem unaufhörlichen Wachstum einen Rückzug und eine Reduzierung für alle bedeutet, dann heißt das nicht, dass sich eine kleine Gruppe in einem Kokon von Luxuskonsum abkapselt und den Rest der Gesellschaft vollen Mundes verhöhnt. Wenn die radikale Wende, die erforderlich ist, erfolgt, dann werden auch diese Kokons der Geschichte angehören.

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ich denke schon lange, dass die sogenannten „Konsumenten“ oder „Verbraucherinnen“ sie falsche Adresse sind.
Denn denen stehen zum Konsum oder Verbrauch ja meist nur schlechte Produkte zur Verfügung …
Nachhaltige langlebige Produkte passen nicht zur Wachstums-Religion der Konzerne, der Eliten, der Mega-Reichen …
Ich denke oft nostalgisch an meine fühe Kindheit zurück, in der man noch jeden verbogenen Nagel wieder gerade geklopft hat.