Ukraine: Schwarze Erde und viel Geld

Hitler agierte sehr unverblümt. Er sprach von der Ukraine mit ihrer schwarzen Erde als Kornkammer und schwadronierte dann noch von den Ölfeldern Richtung Kaspischem Meer. Beides in deutscher Hand, so in vielen Reden immer wieder betont, dann könne die deutsche Dominanz auf dem Kontinent und in der Welt niemand gefährden. So weltfremd, wie das einigen Träumern heute klingen mag, war das nicht, was die Macht vom Besitz der genannten Ressourcen anbetrifft. Was die militärischen Machtverhältnisse anbelangte, da hatte er sich gewaltig verschätzt. Denn auf dem Weg zum Kaspischen Meer lag noch Stalingrad, die Stadt, wo der deutsche Angriff verlustreich zum Erliegen kam und der Krieg die alles entscheidende Wende nahm. Alles, was aus diesem Szenario gelernt werden könnte, ist allerdings bewusst verwischt worden und wird durch Räubergeschichten ersetzt, die nur eines zum Ziel haben: bloß nichts Richtiges aus der Geschichte lernen. Denn wer zweifelte heute noch an der Gewissheit, dass Hitlers Ende in der Normandie entschieden wurde?

Viel hören wir derzeit über die liberale Demokratie, die in der Ukraine verteidigt wird. Wer sich daran orientiert, hat sicherlich den richtigen moralischen Kompass, nur liegt er historisch wieder einmal falsch. Weder war die Ukraine vor dem russischen Überfall eine funktionierende Demokratie noch wird sie nach dem, was dort passiert ist und wer dort seine Positionen gesichert hat, eine werden. Was allerdings das Interesse des freien Westens anbetrifft, da existieren Motive jenseits der Geschichte von Freiheit und Demokratie. Dass, und dieser Aspekt erklärt auch die abstrusen Positionen der hiesigen CDU, dort allerdings seit dem aus dem Westen forcierten Regime Change 2014 an Besitzerwerb vonstatten gegangen ist, kann von der Dimension der Landnahme durchaus mit den Erfolgen der deutschen Armee im II. Weltkrieg verglichen werden. Denn, und das nur eines von mehreren Beispielen, dass Firmen wie Monsanto und Black Rock insgesamt eine Landfläche erworben haben, die größer ist as die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche Italiens, findet in den Diskussionen um diesen Krieg weder in den Parlamenten noch in den Gazetten Erwähnung. Die schwarze ukrainische Erde hat den Besitzer gewechselt und wird bis zum letzten ukrainischen Soldaten und bis zum letzten von der EU finanzierten Söldner verteidigt.

Das klingt nicht schön und ist jenseits der Romantik zu verorten, die aus jeder noch so fragwürdigen Preisverleihung dieser Tage verströmt werden soll. Und auch dort lohnt sich ein zweiter Blick. Denn man macht sich kaum noch die Mühe, die schweren Brocken rassistischen und faschistischen Gedankenguts so manch eines Gewürdigten zu entsorgen. So, wie es aussieht, glaubt man, zumindest ideologisch, diesen Krieg bereits gewonnen zu haben. Viele der Auguren vor allem aus dem grün-ideologischen Militärkomplex lallen bereits die Endsieg-Parolen, ohne dass sie noch jemand aus den Institutionen des öffentlich-rechtlichen Diskurses dafür zur Rede stellte.

Die Konferenzen, die sich nun mit dem Wiederaufbau der Ukraine befassen, sind unter dem Aspekt des Ressourcenerwerbs und der Geldströme, die in Gang gesetzt werden, genau zu betrachten. Wer glaubt, da ginge es primär um Kindergärten und Kliniken, dem sei in dem nicht abreißenden Kalendarium der Preisverleihungen auch eine dicke Prämierung zugestanden: die der Heiligen Einfalt.   

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