Archiv für den Monat September 2022

Kriegswirtschaft oder eine neue Form der Zivilisation?

Jetzt werden sie wieder bemüht, die Bilder aus den 1960iger Jahren, als so vieles noch ganz anders war. Als samstags die Geschäfte mittags schlossen und in der Woche um 18.00 Uhr, als es  nur zwei Fernsehprogramme gab und in vielen Haushalten nur einmal Fleisch in der Woche. Die Liste lässt sich bis ins Unendliche fortsetzen. Wer es sich nicht vorstellen kann, sollte diejenigen fragen, die das noch erlebt haben. Oder Romane aus der Zeit lesen oder sich Filme anschauen. Als Quintessenz wird stehen bleiben, dass es auch in diesen Zeiten ging: ein Leben leben, mit allen Höhen und Tiefen.

Dass diese Bilder bemüht werden, hat etwas zu tun mit der politischen Krise, der internationalen Dependenz der Märkte, mit einem neuen Bewusstsein hinsichtlich des Energieverbrauchs und der Einsicht, dass permanentes Wachstum der goldene Hahn eines Wirtschaftssystems ist, das ungeheure Produktivkräfte freisetzt und ebensolche Zerstörungspotenziale mobilisiert. Insofern ist die Diskussion darüber, was sein muss, um vernünftig leben zu können, durchaus zu begrüßen. Was allerdings nicht verwechselt werden sollte, ist die Gleichsetzung von zivilisatorischen Errungenschaften und konsumistischem Trash. Das wird systematisch versucht, um bestimmte positive Urteile auf den sich täglich manifestierenden Wahnsinn zu ziehen.

Denn, auch wenn es nur zwei Fernsehprogramme und einmal in der Woche Fleisch gab, so existierte dennoch ein ganz anderer sozialer Zusammenhalt, es gab Themen, über die alle mitreden konnten, die Menschen erzählten sich mehr und sie waren besser in der Lage, zuzuhören. Gleichzeitig herrschten patriarchalische Strukturen, in der Schule und in der Ehe gab es Schläge und Entmündigung und Entrechtung waren verbreitet. Das ist kein Hintergrund von Sozialromantik, und nur wer das selbst erlebt hat, kennt die gruseligen Geschichten, die sich hinter den Fassaden dieser Welt verbargen. 

Der eingeschränkte und begrenzte Konsum hatte mit den wenigen Möglichkeiten praktizierter Freiheit nichts zu tun. Genau das wird versucht von interessierter Seite zu vermitteln. Es soll der Eindruck erweckt werden, dass mit einer kritischen Betrachtung des unbegrenzten Konsumismus und des permanenten Wachstums eine geplante Einschränkung der Freiheiten einhergehen wird. Wer sich auf dieses Narrativ einlässt, hat allerdings schon verloren. Denn viele der Rechte, die heute als so selbstverständlich gelten, wurden von Menschen erkämpft, denen der heutige Überfluss fremd war. Ihre Motivation entsprang weder der Gier noch dem Müßiggang, sondern einer nüchternen Betrachtung ihrer Interessen und den daraus abgeleiteten Maßnahmen, um diese zu vertreten.

Gerade diese Tugend, die, wie gesagt, nichts mit der Fülle von Warenregalen zu tun hat, nämlich bewusst zu formulieren, was man zum Leben braucht und was nicht, ist in den Zeiten des konsumistischen Laisser Faire verloren gegangen. Und es ging verloren, weil die Menschen im Laufe der Zeit totgeschlagen wurden von immer neuen Angeboten, die sie vom Wesentlichen abhielten und in die individualistisch geprägte Passivität lockten. 

In Zeiten wie diesen ist es klug und notwendig, sich darüber Gedanken zu machen, was man tatsächlich zum Leben braucht und was nicht. Nur, aber das gilt ja immer, man muss aufpassen, ob aus dieser Notwendigkeit eine Art von Oben organisierte Kriegswirtschaft entspringt oder ein Konzept für eine ganz andere Form der Zivilisation, in der die soziale Frage im Zentrum steht. Noch ein Scheideweg, vor dem wir stehen. 

Die Weltlage: Brandgefahr bis Anfang November — Neue Debatte

Während hiesige Astrologen exklusiv auf die Teilmobilmachung in Russland starren und diese als Bestätigung ihrer eigenen Position der militärischen Eskalation interpretieren, sind andere Ereignisse weitaus beunruhigender. Der Beitrag Die Weltlage: Brandgefahr bis Anfang November erschien zuerst auf Neue Debatte.

Die Weltlage: Brandgefahr bis Anfang November — Neue Debatte

Politik: Sektierer auf dem Vormarsch

Was machen wir eigentlich in unserem, also im richtigen Leben, wenn wir eine Situation erleben, die ohne Wenn und Aber als Desaster beschrieben werden muss? Wir sehen uns das Ganze an, versuchen es zu begreifen, was dem ursächlich zugrunde liegt und suchen nach Wegen, die Quellen des Debakels zu veröden. Wir vertrauen denjenigen, die daran beteiligt sind, wenn sie die Bereitschaft mitbringen, ihr eigenes Handeln einer kritischen Reflexion zu unterwerfen und für das weitere Vorgehen aus den eigenen Fehlern zu lernen. Und was machen wir mit denjenigen, die für alles einen Sündenbock haben, selbst aber über jeden Zweifel erhaben sind, obwohl sie die ganze Zeit mitten im Geschehen waren? Wir vertrauen ihnen nicht mehr, wir tauschen sie aus und jagen sie dorthin, wohin sie gehören: zum Teufel.

Den aufmerksamen Leserinnen und Lesern wird aufgefallen sein, dass wir uns nicht nur lokal, sondern weltpolitisch in einer solchen Situation befinden. Und es liegt auf der Hand, dass das beteiligte Personal durchaus in langjähriger Verantwortung bei der Konstruktion der jetzigen Lage maßgeblich beteiligt war, sich allerdings kollektiv und unter Mithilfe der medialen Claque, der kein Verrat am eigenen Berufsethos zu unappetitlich ist, als dass sie sich nicht darauf einließen, darauf geeinigt hat, alles dem slawischen Beelzebub zuzuschreiben. Fein raus, könnte man sagen, wenn sich da nicht die kollektive Erkenntnis durchsetzen würde, dass unser richtiges Leben durch dieses Konsortium von Dilettanten ruiniert wird.

Nicht, dass es nur an Verstand und Phantasie mangelt, damit kann man notfalls auch durchs Leben kommen, ohne allzu großen Schaden anzurichten. Nein, ein Charakterzug durchzieht sie alle, die da mit ihren angefressenen Fingernägeln immer nur denunziatorisch in eine Richtung zeigen: Es ist die absolute Hingabe zum kriegerischen Handeln. und die beginnt und setzt sich immer wieder fort im wirtschaftlichen Handeln. Beim Wort Sanktion verfallen sie bereits in rauschhafte Zustände, den Orgasmus auslösenden Geruch von ballistischen Salven vorausahnend. Immer wieder, überall, sind sie mit Sanktionen unterwegs. Damit haben sie großes Leid über die Menschheit gebracht, jedoch nie das erreicht, was sie vorgaben, damit zu erreichen, nämlich die Verhältnisse zu verbessern. Mit ihren Sanktionen treffen sie immer diejenigen, die auf der Schattenseite leben. Dass sie alles, was sie anfassen, nur verschlimmern, setzt sich bei der sich ständigen Zuspitzung der Verhältnisse als Erkenntnis durch. 

Eine Politik ohne Selbstkritik neigt zum Sektenhaften. Gegenwärtig ist das keine Neigung, sondern eine irreversible Tendenz. Wohin das Sektenwesen führt, wissen wir alle. Deshalb ist es an der Zeit, deutlich zu machen, dass dieses ganze esoterische Gehabe, diese eindimensionale Schuldzuweisung und die Zurückweisung jeglicher Verantwortung für die Krisenhaftigkeit nichts mehr fruchten. Es lohnt sich nicht, sich über den Irrlauf der falschen Prediger zu empören. Sie sind für keine rationale Rückmeldung mehr empfänglich. 

Allen, die so verzweifelt sind, sei der Hinweis gegeben, dass sich die Abkehr von diesem System der Verantwortungsleugnung bereits vollzieht. Da helfen keine Verleumdungskampagnen und keine neuen Horrorgeschichten. Wer ein Grundrecht nach dem anderen abräumt, darf sich nicht wundern, wenn das Fass überläuft. Auch daran, das ist keine gewagte Prognose, werden wieder andere die Schuld tragen. Die Sektierer sind auf dem Vormarsch. Denn niemand ist so unfehlbar wie diejenigen, die nichts anderes kennen als ihr eigenes Versagen.