Archiv für den Monat Mai 2022

Sabotage, Boykott, alles gegen den Krieg! — Neue Debatte

„Alles, was das Handeln der Kriegslobby behindert, ist zu beflügeln und jeder, der nicht einen möglichen Frieden, sondern eine Eskalation des Krieges befürwortet, ist zu ignorieren, zu isolieren und vom sozialen Leben abzuschneiden.“ Der Beitrag Sabotage, Boykott, alles gegen den Krieg! erschien zuerst auf Neue Debatte.

Sabotage, Boykott, alles gegen den Krieg! — Neue Debatte

Blaues Wunder oder Karre an die Wand?

Wer mit hohen Ansprüchen durch die Welt eilt, muss es sich gefallen lassen, in seinen täglichen Handlungen genau beobachtet zu werden. Denn es gilt als sicher, dass diejenigen, die den so anspruchsvollen Menschen betrachten, eine Beziehung herstellen zwischen dem, was er als sein Motiv zu erkennen gibt und wie er sich gleichzeitig verhält. Wer der Illusion verfällt, man könne Dinge proklamieren, die für alle Welt gelten sollen, aber man müsse sich in seinen täglichen Handlungen selbst nicht daran halten, hat Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren. Und das ist, um in der hemmungslosen Sprache unserer Tage zu bleiben, sogar kriegsentscheidend. 

Wer großangelegt täuscht, indem er Wasser predigt und selbst edlen Wein in Unmengen in sich hineinschüttet, ist schneller entlarvt, als er zu glauben bereit ist. Wir alle kennen das. Aus unserem Alltag. Sie sind bekannt, die vorgeben, für etwas Gutes und Edles unterwegs zu sein, um schließlich der Eigensucht und ganz anderer Motive überführt zu werden. Das ist betrüblich, aber leider allzu menschlich. Denn machen wir uns nichts vor: wir würden das Phänomen nicht so gut kennen, wenn wir es nicht unzählige Male beobachtet hätten, im Großen wie im Kleinen, beim Präsidenten wie bei der Metzgersfrau. 

Was wir momentan, in dieser turbulenten Zeit, allerdings als eine neue Dimension erleben, ist die völlige Unbekümmertheit, mit der auf der einen Seite hehre Ziel als Handlungsmotiv vorgegeben werden, und der Nonchalance, mit der erst gar nicht versucht wird, die eigene Zivilisationslosigkeit, die Korruption, die Unzulänglichkeit wie die niederen Motive überhaupt zu verbergen. Diejenigen, die sich in mächtigen Positionen befinden, scheren sich nicht mehr um die tatsächliche Wirkung ihrer Täuschungen. Sie werden abgeschirmt durch einen medialen Kordon, der ihnen die Resonanz liefert, die sie benötigen, um sie zu entfernen von jenen, die sie vertreten und um die es geht. Der Ausgang lässt sich mit Sicherheit prognostizieren. Entweder werden sie mit ihrer eigenen Wirkung auf diese Menschen plötzlich konfrontiert und sie erleben ihr blaues Wunder, oder sie fahren die Karre ohne Bremse an die Wand. Beides ist möglich, eine dieser beiden Optionen ist sicher.

Die Bitte an alle Beteiligten könnte dringlicher nicht sein: Legen Sie ein strenges Maß an die reklamierten Ziele und das persönliche Handeln der jeweiligen Akteure. Wer die Befreiung der Menschheit propagiert und Menschen in Arbeitslager sperrt, wer die Freiheit alles Möglichen fordert und seine eigenen Kritiker verunglimpft und in Knäste wirft, wer von Friedensordnungen spricht und unablässig Waffen produziert und positioniert, wer die Missstände Dritter anprangert und die eigenen verschleiert, soll sein Urteil erfahren.

Bei derartigen Überlegungen wird klar, wie notwendig eine Weltordnung sein wird, die sich von der Vorstellung von Herrschaft und Dominanz verabschiedet und unter der Hauptüberschrift des gegenseitigen Respekts und der Kooperation stehen muss. Im Moment sehen wir erneut, wie desolat die alten Paradigmen sind. Und unter den gegenwärtigen Eindrücken könnte man zu dem Ergebnis kommen, dass alles so bleibt, wie es war und somit alles ein schlechtes Ende nehmen wird. Aber, zumindest für einige trifft immer noch der Satz zu, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Bleibt die Frage, wo auf der Welt die Kraft wachsen wird, die erforderlich ist, um den notwendigen Paradigmenwechsel vorzunehmen und die alten Krieger der Vergangenheit in die Archive zu schicken. 

Sabotage, Boykott, alles gegen den Krieg!

Jedes Wort hat seinen Ursprung. Wir verdanken den Begriff der Sabotage einem Akt bäuerlichen Widerstandes in Frankreich, um sich die schlechte Behandlung nicht mehr gefallen zu lassen. Die Bauern zertraten mit ihren Holzschuhen (sabots) die Saat auf den Feldern der Adeligen. Und ein gewisser britischer Captain Charles Cunningham Boycott, der im besetzten Irland die  Bevölkerung mit exzessivem Zynismus malträtierte, erfuhr den Widerstand durch vollständige Isolation. Niemand handelte mehr mit ihm, niemand belieferte ihn, niemand arbeitete mehr für ihn.

Beide Begriffe haben einen historischen Kontext und sie verdanken ihr Überleben der Tatsache, dass der sich dahinter versteckende Widerstand erfolgreich war. Er war intelligent und er kam trotz nicht vorhandener Strukturen zustande. Quasi aus dem Bauch waren sich die Leidtragenden der Herrschenden einig, dass es nicht so weitergehen konnte und sie hatten eine Idee zum Handeln.

Warum gerade heute dieser Gedanke? Weil wir uns in einer Situation befinden, die an Dramatik nichts den historischen Beispielen nachsteht und vermutlich noch viel bestürzender ist. Wir stehen vor der Möglichkeit des kollektiven Untergangs, alle bekannten Institutionen und Organisationen, die in Tagen des bewussten ökonomischen und politischen Kampfes entstanden waren, sind auf Kriegskurs. Es hilft nichts. Kein Nachtrauern, kein Vorwerfen, kein Bezichtigen. Denn die Zeit ist nicht mehr vorhanden. Die Prolongierung eines Krieges, den die vermeintlich so wehrhafte Ukraine gegen eine Nuklearmacht nicht gewinnen kann, macht sie selbst zur Schlachtbank in einer geostrategischen Partie zwischen Russland und den USA. Beide Parteien spielen seit langem Krieg, mal kalt und mal heiß, zumeist völkerrechtswidrig, immer gegen die Menschenrechte. Wer sich da mit gutem Gewissen auf eine Seite schlägt, hat entweder verklebte Augen oder er will mitspielen, als Kriegsgewinnler, und davon gibt es eine ganze Menge.

Die Kriegsgewinnler sind die, die die Chance sehen, grandiose Waffengeschäfte zu vollziehen, die selbst aufgrund ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit Ämter in der Kriegsmaschine zu ergattern trachten, die latenten Faschisten, die mit ihrem Rassismus und ihren imperialistischen Gelüsten endlich wieder im Rampenlicht stehen. Und, ja, sie verdienen einen eigenen Satz, diejenigen, die wissen, dass dieser kriegsgeile Militarisierungswahn zu nichts Gutem führen kann, aber ihre Haltung opfern, weil sie nicht die Courage haben, trotz des wehenden und zu erwartenden Shitstorms ihre Meinung beizubehalten. Schade, mehr aber auch nicht.

Angesichts dieser Bilanz kann es nur ein Mittel geben, das vielleicht, nicht garantiert, die Chance bietet, dieser ekelhaften Entwicklung der Politik Einhalt zu gebieten. Mit Sabotage und Boykott sind bereits zwei Begriffe gefallen, die immer noch ein zeitgemäßes Handeln ermöglichen. Alles, was das Handeln der Kriegslobby behindert, ist zu beflügeln und jeder, der nicht einen möglichen Frieden, sondern eine Eskalation des Krieges befürwortet, ist zu ignorieren, zu isolieren und vom sozialen Leben abzuschneiden. Jeder Mensch, dem es ernst ist mit einer kompromisslosen Friedenshaltung, die die einzige Chance auf das kollektive Überleben birgt, kann dazu einen Beitrag leisten. 

Lassen Sie sich nicht durch die durchschaubaren, die wahren Hintergründe des jetzigen Krieges verschleiernden und pausenlos verbreiteten Geschichten den Verstand rauben! Das, was sich in der Ukraine vollzieht, ist nicht im Interesse der dort leidenden Bevölkerung und es wurde jahrelang vorbereitet. Und wer dort, ob in West oder Ost, frei von Schuld ist – aber lassen wir das. Die Steine fliegen bereits, und es ist höchste Zeit, Widerstand zu leisten. Jeden Tag, überall, mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen. Und, lassen Sie sich nicht entmutigen, keines davon ist zu lächerlich oder zu klein!