Archiv für den Monat März 2022

Vom erfolgreichen Leben weit entfernt

Es ist eine große Herausforderung, bei so vielen Trivialitäten nicht trivial zu werden. Alles, was sich vor dem kritischen Auge ausbreitet, ist durchschaubar und widerspricht allen Prinzipien, die für das Überleben im eigenen Alltag eingeübt wurden. Alles, was wir täglich praktizieren, hat mit dem, was im allgemeinen als die große Politik bezeichnet wird, nicht viel gemein. Egal, um was es sich handelt, um den eigenen Umgang mit Strategien, um das Wissen um die psychologischen Effekte unseres eigenen Handelns, um die Voraussetzungen einer erfolgreichen Kommunikation oder die existenziell unverzichtbare Qualität, aus eigenen Fehlern zu lernen.

Beginnen wir mit der Strategie. Die von uns formulierten Ziele und Wege, wie wir diese erreichen wollen, haben so lange eine Geltung, wie die zu erwartende Wahrscheinlichkeit des Erfolgs. Stellt sich dieser nicht ein und verkehrt sich das eigene Handeln in eine Abfolge von Misserfolgen, dann liegt es bei jedem durchschnittlich begabten Menschen nahe, die Strategie zu überdenken und sie in Einklang zu bringen mit den eigenen Bedingungen und Fähigkeiten. Diejenigen, die bei chronischen Misserfolgen an der Strategie festhalten, ernten sehr schnell großes Unverständnis bei den Mitmenschen. Anders in der Politik. Man betrachte allein die Doktrin der Außenpolitik und sehe sich die Ergebnisse an. Das Resultat ist ein Festhalten an der Strategie, keine Reflexion der Ursachen und keine zu attestierende Lernfähigkeit.

Dazu gehört auch das Phänomen der Self Fulfilling Prophecy, der sich selbst erfüllenden Prophezeiung, die nun herhalten muss, um das eigene Fehlverhalten zu legitimieren. Indem dem Gegenüber seit Jahrzehnten das inhärent Bestialische attestiert und damit eine konfrontative Strategie begründet wurde, ist das notwendigerweise irgendwann zutage tretende Aggressive und Inakzeptable zu einem Beweis für die Richtigkeit der eigenen Grundannahme geworden. Es verhindert eine kritische Selbstreflexion und ermöglicht das Kontinuum einer irrwitzigen Begründung für das eigene Scheitern.

In jedem Grundlagenseminar zum Thema Kommunikation werden Dinge gelehrt, die sich die meisten Menschen in ihrem täglichen Handeln bereits zu eigen gemacht haben. Dazu gehört die Bereitschaft, das Gegenüber als gleichwertigen Verhandlungspartner zu akzeptieren, ihm zu signalisieren, dass seine Anliegen als genauso wertig angesehen werden, wie die eigenen und dass es unabdingbar ist, einen Konsens darüber zu finden, was als gemeinsames Ansinnen bezeichnet werden kann. 

Betrachtet man die vielen vergeblichen Verhandlungen, an deren Ende der jetzige Krieg steht, dann ist es alleine aus den Gründen der in der Kommunikation gemachten Fehler kein Wunder, welchen Verlauf das Unterfangen nehmen musste. Übersetzen Sie das Geschehene in Ihren eigenen Alltag: Sie gehen in eine Verhandlung, signalisieren Ihrem Gegenüber von vorne herein, dass es sich im Unrecht befindet, dass seine Anliegen lächerlich sind und Sie nicht im Traum daran denken, darauf einzugehen und Sie überreichen dann Ihren eigenen Forderungskatalog und sind bestürzt, dass Ihr Gegenüber sich verärgert zeigt. Das Feedback aller, die Sie bei einem solchen Vorgehen beobachteten, wäre verheerend. Die gegenwärtige Politik und die sie mal eskortierende, mal vor sich hertreibende Presse unterstreicht hingegen die hohe Qualität des eigenen Scheiterns.

Womit das letzte unerfreuliche Kapitel in der kurzen Betrachtung erreicht wäre. Aus Fehlern lernen, diese Maxime, der alle Menschen folgen, die sich halbwegs erfolgreich durch ihre Existenz bewegen, wird in der Politikbegründung de facto als falsch dargestellt. Wer Fehler macht, und zwar gravierende wie verheerende, hätte sie noch viel früher machen sollen, so das momentan täglich wiederholte Diktum, um sie zu verhindern. Eine Logik, die belegt, wie absurd und infiziert die Atmosphäre gereift ist. 

Die verwahrloste Minderheit gegen den Rest der Welt — Neue Debatte

Was wir momentan erleben, ist der zunehmend militante Kampf einer kleinen Minderheit gegen die Weltgesellschaft und alles andere ist Makulatur: das Soziale, das Ökologische, die ethischen Werte. Der Beitrag Die verwahrloste Minderheit gegen den Rest der Welt erschien zuerst auf Neue Debatte.

Die verwahrloste Minderheit gegen den Rest der Welt — Neue Debatte

Wodka, Kaviar und Diamanten

Was noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre, gehört heute zur täglichen Routine der Politikgestaltung. Wobei dabei der Anspruch, damit etwas zu gestalten, als ein Euphemismus erster Klasse bezeichnet werden muss. Es geht um das Verhängen von Sanktionen. Existiert haben sie schon immer, da mache man sich nichts vor, auch Deutschland war schon sehr früh dabei, Sanktionen gegen chinesische Produkte mit zu implementieren, wenn es um eigene, staatlich subventionierte Industrien wie die Solarbranche oder Fahrräder ging. Dann kam der us-amerikanische Präsident Donald Trump und begann damit, innerhalb des westlichen Bündnisses gemäß seines aus der Mottenkiste hervorgeholten Prinzips des America First! zahlreiche Sanktionen gegen Produkte aus der EU zu verhängen. Man erinnere sich an die ersten symbolischen Handlungen, mit denen die EU antwortete, da ging es dann um Strafzölle auf Harley Davidson Motorräder. Und es war keine Fehleinschätzung, bei solchen Aktionen von symbolischen Handlungen zu sprechen.

Nicht vergessen werden sollten bei dem Mittel der Sanktion einige Zusammenhänge. Wenn der Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, und die Politik eine prägende Ausdrucksformen der ökonomischen Verhältnisse, dann ist die Wirtschaftssanktion der kriegerische Rote Faden, der sich durch das Amalgam von Wirtschaft, Politik und Krieg zieht.

Die gegenwärtige Fokussierung, vor allem seitens der EU, auf die Verhängung von Wirtschaftssanktionen, mit dem von der Kommissionspräsidentin explizit ausgesprochenen Ziel, Russland ruinieren zu wollen, dann handelt es sich bei diesem Mittel um die Prothese für nicht vorhandene militärische Schlagkraft. Das nun ausgebreitete volle Sanktionsprogramm ist ein Portfolio massiver Kriegsführung. Und dass es sich dabei, wie sollte es anders sein, wieder einmal um eine Strategie ohne Alternative handelt, dokumentiert den bereits ohne heißen Krieg herbeigeführten Zustand der Zerstörung wichtiger demokratischer Institutionen, den bemitleidenswerten Zustand des Pressewesens und die Apathie eines Großteils der Bevölkerung in Ermangelung einer politischen Organisation. Angesichts dieser Befindlichkeit wäre es anzuraten, schon einmal die Fahne der Kapitulation aus den Requisiten zu holen.

Wenn sich, bis auf wenige, versprengte Relikte aus einer anderen Zeit, bei einem kriegerischen Konflikt niemand Gedanken darüber macht, wie es einmal weitergehen soll, dann ist die historische Phase der Amöbenexistenz erreicht. Die Frage nach Möglichkeiten einer Friedensordnung nach Beendigung des Konflikts wird nicht nur konsequent ausgeklammert, sondern es werden auch diejenigen, die sie stellen, dem medialen Mob zur Hetzjagd freigegebenen. Die logische Schlussfolgerung ist, dass die im Verborgenen sitzenden Chefstrategen es begrüßen, wenn sich die Gesellschaft auf den Dauerzustand des Krieges einstellt. Ohne Ende in Sicht. Erst dann, wenn der Hunger gestillt ist. Aber, wie es so ist mit dem Kapitalismus: den Zustand der Sättigung kennt er nicht, entweder er hat Hunger, oder ihm ist schlecht!

Da freut es schon fast zu hören, dass aus dem enthaltsamen Amerika der Onkel Joe zu einem Verzicht aufruft und dem russischen Reich des Bösen mit einer weiteren Sanktion den Todesstoß zu versetzen gedenkt. In dem ewigen Reigen der Sanktionierung tauchten nun auch russische Produkte auf, die nicht nur den Exporteur, sondern auch die Konsumenten im freien Westen in Angst und Schrecken versetzen werden. Neu auf der Liste der russischen Produkte, die in keinem westlichen Geschäft mehr aufzufinden sein sollen, sind Wodka, Kaviar und Diamanten! Der permanente krieg ist bereits in vollem Gange. Ade, du schöne Welt!