Archiv für den Monat Dezember 2021

Ein Ende jenseits der Zivilisation

Ist die Massenpsychose erste einmal befeuert und in vollem Gange, dann gibt es kein Halten mehr. Sich darüber zu streiten, ob wir uns in einem solchen Zustand befinden, wäre vertane Zeit. Wir sind mitten drin. Hitze und Empörung sind zum Normalzustand geworden, ein rationales Abwägen findet nicht mehr, oder besser gesagt, kaum noch, und wenn, dann nur noch in analogen Schutzräumen statt. Das, was die Öffentlichkeit genannt wird und zum Grundverständnis bürgerlicher Gesellschaften gehört, hat aufgehört, zu existieren. Insofern ist der Befund eine klassische Katastrophe. Die Seele, die eine bürgerliche Gesellschaft zusammenhält, ist abhanden gekommen. 

Die gegenwärtig tobende Massenpsychose, auch eine furchtbare Diagnose, wurde durch eine Kommunikation ausgelöst, die nichts anderes im Fokus hatte, als Angst und Schrecken zu verbreiten. Denn nichts anderes war aus den Kanälen zu hören, die von den in der politischen Verantwortung Stehenden zur Kommunikation benutzt werden. Wer sich anders äußerte, d.h. wer darauf bestand, die eine oder andere Maßnahme zu hinterfragen, oder Erkenntnisse zu verbreiten, die dem Weg der handelnden Regierung widersprachen, wurde ausgegrenzt, gemobbt, vernichtet. 

Die Inquisition wurde begründet mit der Aussage, jeder dürfe seine Meinung frei äußern, aber er müsse auch die Verantwortung dafür tragen. Angesichts der Vernichtungsdimension, die immer mit dem Stigma daherkam, wer nicht Regierung ist, ist auch ein Faschist, hat zu einer Enthemmung bei denen geführt, die von der gezielt eingesetzten Verängstigung aufgesaugt wurden. Angst vor dem Virus, Angst vor der nächsten Welle, Angst vor den Mitmenschen, die nur noch als Virusträger betrachtet wurden, Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung, Angst vor indirekter wie direkter Sanktion, Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben. Das hat gewirkt. Und, dass wussten schon Demagogen wie Mussolini, wenn es gelingt, die geschürten Ängste in Hass umzuwandeln, dann ist die Etablierung eines diktatorisches Systems den entscheidenden Schritt vorangekommen. 

Gleich Zauberlehrlingen sind einige derer, die sich dieses demagogischen Handwerks bedient haben, nun bestürzt darüber, dass die in Hass umgeschlagene Angst sich nicht nur gegen die ausgemachten Sündenböcke richtet, sondern auch bei einigen dazu führt, die Initiatoren des Schreckenstheaters, oder sollte man es das Terrortheater nennen (?), ins Fadenkreuz der destruktiven Kräfte gekommen sind. Das war abzusehen, und nicht wenige haben davor gewarnt. Aber der große Pulk, die große Blase derer, die sich vom gesellschaftlichen Sein abgesondert haben, sehen das immer noch nicht. Ihre Reaktion spricht Bände. Denn sie lernen nicht aus gemachten Fehlern, sondern sie Befeuern und Beschleunigen ihr eigenes Fehlverhalten. Kein Kurswechsel in Sicht. Und wer den vorhat oder anmahnt, der gerät gleich ins Visier der schnaubenden Inquisitoren.

Bleibt die Frage, kalt gestellt, welche Perspektiven besitzt eine Gesellschaft, der die Gelassenheit abhanden gekommen ist, die durchsetzt ist von Angst und Hass und die nicht mehr in der Lage ist, Ursache und Wirkung zu unterscheiden? Angesichts der Fortsetzung des Kurses ist die Prognose nicht gut. Das letzte Mittel, derer, die gezielt Angst und Schrecken verbreiten, ist zumeist ein noch größeres Szenario als das schon existierende zu beschwören. Am besten eine Gefahr von außen. Auch das ist zu erleben, ohne Wenn und Aber, ohne Scham und ohne innere Ordnung. Wenn etwas schlimm ist, wars der Russe. So einfach kann alles sein. Am Ende von Massenpsychosen stehen in der Regel Trümmerlandschaften jenseits der Zivilisation. 

D: Dort hingehen, wo es weh tut!

Wenn ungenügendes Regierungshandeln keine Konsequenzen mehr hat, weil die Vierte Gewalt Fake News am laufenden Band produziert, beharrlich an Feindbildern arbeitet und ansonsten den Amtsträgern artig die Hand leckt, weil die vermeintliche Opposition die mangelhafte Geschäftsführung bereits als Normalzustand akzeptiert hat, weil die Gewerkschaften verträumt vor der Vitrine ihrer eigenen glorreichen Vergangenheit stehen und nicht begreifen, dass Macht durch Kampf entsteht, weil ein immer größerer Teil andere Sorgen und deren Tag zu wenig Stunden hat und weil der Rest der Verwahrlosung des Individualismus anheim gefallen ist – dann sollte man sich über die Abwicklung ernsthaft Gedanken machen. 

Anlass für diese Beschreibung ist die Feststellung des neuen Gesundheitsministers, dass bei einer Inventur ein Mangel an Impfstoff festgestellt wurde. Und obwohl die Aussage bereits einige Tage alt ist, hat noch niemand die Frage gestellt, wer denn dafür verantwortlich zeichnet. Der Neue kann es nicht sein, wahrscheinlich hat es der Parvenü aus dem Münsterland zu verantworten. Unabhängig von einer Bewertung der gesamten Corona-Politik und unabhängig von einzelnen Akteuren: die Defizite, die unter normalen Umständen zumindest zu verbalen Aufständen führen müssten, haben sich als Material für Skandale abgenutzt. Das war bei der primären Beschaffung der Impfstoffe durch die EU so, das ist bei der fortschreitenden Beschränkung verfassungsmäßiger Rechte so, das war bei der Räumung Afghanistans so, das war bei den Maskendeals durch Bundestagsabgeordnete so, das war bei Sanierungsprojekten a la Gorch Fock so, das war bei der Autobahn-Maut so etc, etc.. Vielleicht wäre es einmal einen Samstag-Abend-Quiz wert, den ganzen Pfusch dem Publikum in Form einer anschließenden Tombola zu präsentieren, damit deutlich wird, wie sich die Regierungsführung seit Jahren konsequent gebärdet. 

Stattdessen trötet es aus dem zweitgrößten Parlament der Welt ohne Unterbrechung, dass wir im Land der Weltmeister leben. Mal im Fußball, mal im Export. Wer das noch glaubt, dem sei in Blick in die internationale Presse empfohlen, denn dort ist, neben den Fakten, das Entsetzen über den Absturz des Good Old Germany ziemlich groß. Dass nun in der Erklärung der neuen Bundesregierung beschrieben wird, dass der Hebel gegen den Klimawandel in hier zu entwickelnden Technologien zu finden sein wird, ist angesichts der Zustände in Wissenschaft und Bürokratie ein sehr ehrgeiziges, wenn nicht gar illusionäres Vorhaben.

Nichts gegen Windkraft, nichts gegen Solarenergie. Aber eine Abkehr von Misserfolgen, die aus dem Scheitern an Komplexität und Interdependenz resultiert, wird nicht durch den Einsatz anderer Technologien oder Rohstoffe allein zu machen sein. Die Erneuerung des politischen Systems kann nur gelingen, wenn die Eigendynamik der Bürokratie gebrochen und eine zeitgemäße Administration geschaffen wird, wenn die staatlich alimentierten Claqueure schlechter Regierung in den Ruhestand versetzt und durch kritische Geister ersetzt werden, die dort hingehen, wo es weh tut, wenn diejenigen, die ohne Leistung gut und gerne hier leben, sich an den Kosten für die Rahmenbedingungen adäquat beteiligen und wenn diejenigen, die die Bevölkerung und ihren Willen vertreten wollen, durch ihre Haltung und ihr Benehmen nachweisen, dass sie wissen,  wer in diesem Falle Koch und wer Kellner ist.

Das Wursteln, nach dem Motto „kann schon mal passieren“ führt, je länger es dauert, zu großem Groll und großer Verzweiflung. Wer es mit Ausgrenzung gegen alle, die den Missstand sehen und benennen zu bagatellisieren sucht, will anscheinend das Spiel bis zum bitteren Ende spielen. Genau dort, wo es weh tut. Heilige Einfalt!

Bilanz oder Kriegsgeheul im Greisendiskant — Neue Debatte

Es wäre an der Zeit, eine Bilanz auf den Tisch zu legen und schonungslos zu analysieren, was im eigenen Laden nicht mehr funktioniert und was getan werden muss, um wieder auf die Beine zu kommen. Der Beitrag Bilanz oder Kriegsgeheul im Greisendiskant erschien zuerst auf Neue Debatte.

Bilanz oder Kriegsgeheul im Greisendiskant — Neue Debatte