Archiv für den Monat November 2021

Pandemien und Kriege

Es ist müßig denjenigen, die nicht mehr lesen, sondern scrollen, den Rat zu geben, sich in der Geschichte kundig zu machen. Es existieren genügend Werke von Historiographen, die nicht nur die erwähnenswerten Geschehnisse dokumentieren, sondern ihnen in der einen oder anderen Weise einen Sinn zu geben. Letzterer resultiert in der Regel aus der Sichtweise des Heute, was nicht vor Irrtümern bewahrt. Denn auch die Sicht unserer Tage ist nicht frei von Interessen und Macht, was dazu führt, dass diejenigen, die irgendwann auch zu den Annalen derer gehören, die untergegangen sind, zuweilen ziemlichen Unsinn verzapfen.

Dennoch ist es ratsam, den Blick in die Vergangenheit zu werfen. Denn eines liefert sie, unabhängig von der aktuellen Sichtweise oder den historischen Interessen: die Erkenntnis, dass nichts so bleibt, wie es war, dass alles, was entsteht, auch irgendwann untergeht und dass es eine wie auch immer geartete Ratio des humanen Weltgeschehens nicht gibt. Vieles, was geschieht, entzieht sich der rationalen Vorhersehbarkeit. Soziale Systeme sind komplex, und Komplexität glänzt durch unzählige Aspekte, Verknüpfungen und Wirkungsweisen. 

Die großen Figuren, von denen in unserer Einfalt immer wieder die Rede ist, sind das Produkt aller gesellschaftlichen Prozesse und sie können nur das betreiben, was die vielen kleinen Partikel dulden und mitmachen. Wenn man schon so eine unsinnige Kategorie wie Schuld in die Geschichte einführen will, so bedeutet es, dass niemand frei von Schuld ist. Und wenn alle mitschuldig sind, dann macht die Kategorie keinen Sinn.

Was die Geschichte zeigt, ist, dass der bis heutige Fortbestand der Spezies Mensch eher dem Zufall überlassen ist. Und sie teilt uns auch noch so interessante Details mit, dass Pandemien jeweils immer mehr Menschen dahingerafft haben als Kriege. Und dass Kriege oft Pandemien hervorriefen oder nach sich zogen. Und dass sie nicht selten dazu beitrugen, die jeweils vorherrschenden sozialen und politischen Ordnungen im Chaos versinken zu lassen. Der Zusammenhalt von Gesellschaften, so die sicherlich nicht von der Hand zu weisende Schlussfolgerung, wurde in Pandemien immer wieder auf eine harte Probe gestellt.

Bei den eher theoretischen Überlegungen sei der Hinweis auf die aktuellen Geschehnisse erlaubt: Wer die soziale Ordnung aufrecht erhalten will, sollte alles dafür tun, den gesellschaftlichen Zusammenhalt mit allen verfügbaren Maßnahmen zu unterstützen. Wer nun auf das Mittel Spaltung setzt, um die eine oder andere Maßnahme, die seiner Überzeugung entspricht, durchzusetzen, kann nicht bis zum nächsten Morgen denken oder es handelt sich um einen Scharlatan. Bei Betrachtung der gegenwärtigen Rhetorik im politischen Diskurs drängt sich der Eindruck auf, dass nahezu flächendeckend die Dekonstrukteure des Gemeinwesens in der Verantwortung zu sein scheinen.

Die Interdependenz von Kriegen und Pandemien ist auch in diesen Tagen wieder zu beobachten. Viele Verantwortliche versuchen, die durch die Pandemie entstandenen Verwerfungen äußeren Feinden zuzuschreiben.  Das soll von eigenen Versäumnissen und Fehlentscheidungen ablenken und die daraus entstandene Frustration auf andere lenken. Es ist ein Teufelskreis, aus dem, und das ist die Quintessenz, nur die Mutigen bereit sind, auszubrechen.

Das Hangeln von einem Heilsversprechen zum anderen ist keine Grundlage für eine von der Allgemeinheit akzeptierte Politik in der Krise. Selbstkritik und das Zugeständnis der eigenen Fehlbarkeit bilden die Grundlage für eine Politik, die geeignet ist, den schlimmsten Schaden abzuwenden. Das klingt einfach, ist jedoch eine sehr hohe Messlatte.

Demagogie aus dem Reichsgesundheitsamt — Neue Debatte

Alle, die sich des Dissenses mit einer als Regierungsmeinung genannten Dummheit schuldig machen, sind zum Freiwild für die kollektive Verunglimpfung geworden. Das Gefühl für Demagogie und Volksverhetzung ist abhandengekommen. Der Beitrag Demagogie aus dem Reichsgesundheitsamt erschien zuerst auf Neue Debatte.

Demagogie aus dem Reichsgesundheitsamt — Neue Debatte

Demagogenkeule aus dem Reichsgesundheitsamt

Die Reichsgesundheitskammer hat sich zu Wort gemeldet und von einer Tyrannei der Ungeimpften gesprochen. Dass da kein Aufschrei mehr durch eine Gesellschaft hallt, die auf keinem Festtag versäumt, das Ehrenwort zu geben, so etwas wie im Dritten Reich solle es nie wieder geben, hat damit zu tun, dass das Gefühl für Demagogie und Volksverhetzung seit einiger Zeit abhanden gekommen ist. Denn alle, die sich des Dissenses mit einer als Regierungsmeinung genannten Dummheit schuldig machen, sind zum Freiwild für die kollektive Verunglimpfung geworden. Im konkreten Fall ging es um ungeimpfte, aber getestete Pflegekräfte. 

Warum, so frage ich mich, hat der sicherlich nicht dumme Mann sich nicht die Klimatouristen vorgeknöpft, die zu Tausenden nach Glasgow gejettet sind um danach als potenzielle Spreader in alle Fernsehstudios dieser Welt zurückkommen und Weisheiten von sich geben, die sie hätten auch auf Videokonferenzen erwerben können? Weil der Mann im Mainstream schwimmt, und da reicht es aus, die aufs Korn zu nehmen, die seit Beginn der Krise alles geben, um ihrer Herr zu werden, die zur Belohnung in Tarifrunden zur Mäßigung aufgerufen wurden und die nichts mit den 15 Milliarden zu tun haben, die ins Gesundheitssystem flossen, um die Situation an den Intensivbetten zu verbessern, die sich allerdings in Luft aufgelöst haben? Genau dieser Herr wird es wissen, aber um abzulenken, wählt er sich ein aus seiner Sicht schwaches Glied aus und schlägt mit der Demagogenkeule zu.

Es hat schon lange keinen Sinn mehr, Namen zu nennen. Die Liste der gouvernementalen Unzulänglichkeiten ist zu lang, als dass da noch irgendwie personale Konsequenzen hülfen. Erst taugten die Masken nichts, dann wurden sie obligatorisch, dann war die Impfung der Schlüssel zu allem, aber die Mittel fehlten, dann waren sie da und man brauchte zwei davon, jetzt reichen zwei nicht mehr, sondern man sollte boostern. Andere Impfstoffe, die sich eignen könnten, werden nicht zugelassen, weil in den Genehmigungsgremien Vertreter der Industriezweige sitzen, die die exklusiv nun gebräuchlichen vertreiben. Ohne über gesicherte Studien zu verfügen, wo tatsächlich Infektionen stattfinden, wurden ganze Branchen liquidiert und andere protegiert. Die Liste ist lang, zu lang, um über so etwas wie die Position einnehmen zu können, die immer mehr aus dem verantwortlichen System mit Chuzpe pflegen: die der moralischen Verunglimpfung ganzer Bevölkerungsteile, die nicht widerspruchslos ihren irrlichternden Ratschlägen folgen.

So, wie es aussieht, ist man sich von einzelnen Ministerpräsidenten bis zu Vertretern aus dem medizinisch-pharmakologischen Komplex einig, dass die Pandemie deshalb nicht gemanagt werden kann, weil man es mit einem ungezogenen, uneinsichtigen und widerborstigen Volk zu tun hat. Die Terminologie der Lockdowns hat das bereits früh attestiert. Da war von harten und strengen Maßnahmen zu hören, die mal angezogen und verschärft und mal gelockert wurden, so, wie es im Strafvollzug ausgedrückt wird.  Der vermeintliche Präsident der Reichsgesundheitskammer läutet mit seinem jüngsten terminologischen Komparativ eine neue Phase ein. Waren wir, die dämlichen Untertanen, bis gestern noch dumm und ungezogen, dann rücken wir nun in die Nähe von Volksbetrügern und Volksschädlingen.     

Ein kleiner Tipp, vielleicht doch an diejenigen, von denen hier die Rede ist und die sich im Sinne der Sozialkompetenz im tief roten Bereich aufhalten: Wundert euch nicht, dass auf eine Kriegserklärung nach der anderen irgendwann die Antwort kommt. Auf die Blicke, wenn das stattfindet, kann man gespannt sein.