Deutsche Außenpolitik: Die langen Schatten der Zwerge

Das Fiasko steht kurz bevor. Dank des Bombardements der Bevölkerung mit Daten, Spekulationen und Szenarien um das Phänomen Corona ist es den wenigsten bewusst. Ganz im Sinne alter Inszenierungen kann von einer Mobilmachung gesprochen werden. Das Ziel? Russland. Die Gründe? Dieselben bellizistischen Hegemonialträume wie ehedem. Dass die Historie eindeutig, ohne Zweifel und belegt sowohl dem frankophonen wie dem teutonischen Großmachtsanspruch in Russland den Todesstoß versetzt hat, haben weder die Propagandisten noch die handelnden politischen Akteure auf dem Schirm. Und dass sowohl Napoleon mit seiner Grande Armee noch Hitler mit seiner Wehrmacht mehr aufzubieten hatten, als die heutigen post-heroischen Ego-Shooter, kommt erst gar nicht in Betracht. Hauptsache Mobilmachung.

Und die Mittel sind an Nichtigkeit kaum zu unterbieten. Aus einem wegen Wirtschaftskriminalität Verurteilten, zudem Rassisten und Populisten vor dem orthodoxen Herrn, ist in der politisch gewünschten Wahrnehmung ein solider Kreml-Kritiker geworden. Allerdings genießt der im eigenen Land nicht den Ruf, der ihm vor allem in Deutschland angedichtet wird. Denn dort, im eigenen Land, distanzieren sich die liberalen Kritiker der gegenwärtigen Regierungspolitik mit Vehemenz von dieser schillernden Figur, um ihr eigenes Ansehen nicht zu beschmutzen. Hier hingegen, und besonders in den demokratisch finanzierten Leitmedien, bekommt er noch einen Advokaten zur Seite gestellt, der zumindest, was sein Vergehen am eigenen Land anbetrifft, aus einer noch anderen Dimension stammt als der im Schwarzwald wieder hochgepäppelte Nawalny. Ja, man hält es kaum für möglich, der aus Staatsraub zum Oligarchen avancierte Michail Borissowitsch Chodorkowski. Wer sich mit solchen Allianzen schmückt, riskiert tatsächlich nichts zu verlieren, der hat bereits alles verloren.

Neben der Skandalisierung der russischen Justiz in diesen Fällen, bei gleichbleibendem  Schweigen gegenüber der prozeduralen Liquidierung eines Julian Assange, der Kriegsverbrechen gegenüber der Zivilbevölkerung aufgrund authentischer Quellen aufgedeckt hat, nimmt die scheinheilige Debatte um Nord Stream II wieder einmal Fahrt auf. Neben den sich Atlantiker schimpfenden Brückenmitgliedern haben sich auch die Grünen in den Kampf begeben. Während sie sich im Europäischen Parlament mit keiner Wortmeldung dazu ausließen, was sie von der im Januar 2020 eingeweihten Pipeline TurkStream halten, die über die demokratische Türkei russisches Gas nach Südeuropa bringt und deren Erstellung mit EU-Geldern ermöglicht wurde, posen sie in aller Öffentlichkeit gegen das Ostsee-Projekt. Wahrscheinlich, weil ihnen us-amerikanisches Fracking-Gas aus ökologischen Gründen lieber ist und sie die korrupten Oligarchen in der Ukraine vor einem versiegen der Einnahmequellen bewahren wollen. 

Man könnte sagen, gut, dass die seit 1990 zur Kriegspartei mutierte ehemalige Grasroot-Partei endlich nackt vorm Spiegel steht, wäre da nicht die kollektive Verblendung und die pathologische Selbstüberschätzung des hier waltenden politischen Personals. Die einzige Hoffnung, die bliebe, wäre eine radikale Umwälzung der Außenpolitik, bevor es zu spät ist. Dass jetzt Russland aufgrund der von den genannten Kräften innerhalb der EU durchgeboxten Konfrontationskurs bereit ist, jegliche Beziehungen zur EU aufzukündigen, verdeutlicht, wie prekär die Lage tatsächlich ist. Wer jetzt noch ruhig schlafen kann, dem hat Corona bereits erfolgreich das Urteilsvermögen gelähmt. Insofern gehen manche Pläne auf.

Ein immer wieder gerne zitierter Satz aus dem Jargon der Polemik spricht davon, dass, wenn die Sonne tief steht, selbst Zwerge lange Schatten werfen. Wer geglaubt hatte, mit dem verschiedenen Guido Westerwelle hätte die deutsche Außenpolitik eine Art der Sonnenfinsternis erlebt, weiß sich nun eines Besseren belehrt. Sein unglückliches Agieren war noch ein High Noon gegen das, was dort im Moment geschieht.  

5 Gedanken zu „Deutsche Außenpolitik: Die langen Schatten der Zwerge

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  2. Avatar von roteweltrotewelt

    Ja, das Thema gehört vor lauter Corona-Panik fast unter. Mir ist sehr mulmig zumute. Die Deutschen und Franzosen spinnen. Ist das jetzt schlichte Dummheit bei gleichzeitigem Größenwahn oder legen sie es absichtlich drauf an? Putin hatte sich bisher ja erstaunlich ruhig ver- bzw. zurückgehalten. Dass er nun ankündigt, die Beziehungen aufzukündigen, sorgt hoffentlich für ein Umdenken, aber zuversichtlich bin ich nicht.

  3. Avatar von fredoofredoo

    nun ja … ich vermute ja auch einen langsamen abdrift des usa-Imperiums …
    jedoch erscheint mir die neubesetzung dieser position durch china recht unwahrscheinlich.
    da china für den westen eine art hypnotische schlange ist , wird dieses land bei uns chronisch überbewertet. so ist es doch bedeutsam , dass china die wirtschaftlichen zahlen von japan noch immer nicht erreicht hat . und dies trotz der mehr als problematischen politik nippons auch noch lange so bleiben wird.
    warum eigentlich ?
    china hat probleme … und zwar nahezu unlösbare … probleme , die der erlangung der „imperiums“position entgegenstehen .
    das hauptproblem chinas ist seine topografie … eine topografie , die ähnlich wie auch bei japan , seine entwicklungsmöglichkeiten begrenzt … anders als vermutet , dass die industrielle entwicklung hauptfaktor einer entwicklung sei , ist es die landwirtschaftliche ökonomie , die da entscheidend wird … es ist auch nicht die industrielle entwicklung der usa , die ihren niedergang begründet , sondern die gravierend schrumpfende fertilität des mittleren westens , dem mais und weizengürtel dessen humusböden am verschwinden sind , die da hauptursächlich sind.
    so ist es ja ein faktum , dass die usa , neben waffen und medien , vor allem mais, soya, und weizen exportieren , und das digitale des silikon valley zwar hochbeachtet ist , aber neben den simplen nahrungsmitteln eine faktische nebenrolle spielt .
    das faktum „selbst produzierte nahrungsmittel“ scheint für die imperiumsposition von massiver bedeutung zu sein … nach wie vor … selbst rom wäre ohne die fruchtbaren äcker nordafrikas , mit ihrer damals noch bestens funktionierenden bewässerung niemals so lange und erfolgreich in der imperiumsposition geblieben.
    Nahezu jeder Niedergang einer Hochkultur lässt sich auf klimatische Veränderungen und den Niedergang der landwirtschaftlichen Produktivität zurückführen … Noch heute … in Zeiten von Industrie und Mechanisierung der Bauern .
    Und das ist das Problem Chinas … was die Chinesen auch genau wissen , und ihre massiven Investionen in Ackerland außerhalb ihres Landes erklärt .
    Chinas Ackerbau findet mehr oder weniger in einigen engen Flußtälern statt , ansonsten besteht das Land aus kargem Gebirgsareal oder starm verwüstenden Graslanden …
    China hat mit einer bereits erreichten 67%Nutzung aller nur möglichen Böden den Topplatz unter allen Regionen des Globus und findet darin unüberwindbare Grenzen. So ist auch künftig mit einer starken Expansion in Richtung Südostasien zu rechnen , da dort noch fruchtbare Böden locken.
    Wer könnte also den neuen Imperiumsplatz tatsächlich einnehmen ?
    Ich sehe nur einen Kandidaten … Russland !
    Nahezu unerschöpfliches Ackerland , höchster Fruchtbarkeit .
    Der drohende Verlust der „schwarzen Erde der Ukraine“ , eine der fruchtbarsten Regionen der Erde , die schon Adolf massiv verlockt hatte , und jetzt die Wallstreet mehr als nur verlockt ( der wahre Grund des Engagements der USA dort ) kann leicht verschmerzt werden , denn das beginnende Auftauen der riesigen Permafrostgebiete Sibiriens verspricht zwar Klimaproblematiken mit Methan und CO2 , aber auch Fruchtbarkeit für Generationen.
    Der ja von den USA halbwegs offene Expansionsdrang nach Eurasien richtet sich auch in diese Regionen.
    Der wahre Imperiumskonkurent der USA wird Russland sein . und das weiß Putin ganz sicher .
    Er braucht nur gelassen abzuwarten , die Provokationen des Westens gelassen ignorieren , und seiner Zeit entgegen zu sehen.

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