Im Jahr 1904 beauftragte Fred Warren, der Herausgeber der sozialistischen Zeitschrift „Appeal to Reason“, einen gewissen Upton Sinclair damit, etwas über die Zustände in der Chicagoer Fleischindustrie zu schreiben. Sinclair machte sich auf den Weg und nahm die Union Stock Yards, eine Konservenfabrik mit 20.000 Beschäftigten, unter die Lupe. Er sprach mit Arbeiterinnen und Arbeitern, die vorwiegend Immigranten aus dem Baltikum waren. Was er erfuhr, war niederschmetternd. Die Bezahlung war miserabel, das Arbeitstempo höllisch, die ewige Kälte unerträglich, die Sicherheit ein Witz und die Hygiene verdiente den Namen nicht.
Sinclair begann ein Journal zu schreiben, das er in eine Romanhandlung kleidete. Der Auftraggeber druckte sie als Serie, die auf große Resonanz stieß und nach einem Jahr erschien der Roman unter dem Titel „Der Dschungel“ als Buch. Upton Sinclair selbst war es, der dem damaligen amerikanischen Präsidenten, Theodore Roosevelt, ein Exemplar zusandte und ihn bat, etwas gegen die Menschen wie Tiere verachtenden Verhältnisse zu unternehmen. Und tatsächlich folgte ein Einladung Sinclairs ins Weiße Haus. Die Konsequenz seines persönlichen Berichts war eine vom amerikanischen Präsidenten installierte Untersuchungskommission, die sich nach Chicago begab, um die Sache zu untersuchen. Das erstellte Gutachten hatte tatsächlich Gesetze zur Folge, die sich auf die Hygienebedingungen bezogen und einiges veränderten. Weder die lausige Bezahlung, noch die erbärmliche Unterbringung, nicht die heikle Arbeitssicherheit und auch nicht die Krankenversorgung der Arbeiterinnen und Arbeiter spielten eine Rolle. Upton Sinclair, auf sein Resümee angesprochen, gab den lakonischen Satz von sich, er hätte an die Herzen appelliert, aber lediglich die Mägen getroffen.
Ein gut gemeinter Rat: Lesen Sie den Roman, und wenn Sie es vermögen, tun Sie so, als kennten Sie nicht den historischen Kontext. Ersetzen Sie die litauischen Arbeiter durch rumänische und denken Sie geographisch nicht an Chicago, sondern an die ostwestfälischen Provinz, machen Sie dabei allerdings nicht den Fehler, die geographischen Bezugspunkte gleich mit zu verdammen. Und Sie werden sehr schnell feststellen, dass zwischen den von Upton Sinclair dargestellten Verhältnissen im Jahr 1905 und den Berichten, die momentan, im Jahr des Herrn 2020, in der Tagespresse zu lesen sind keine sonderlich großen Unterschiede bestehen.
Und rufen Sie sich dabei ins Gedächtnis, dass es Zeiten gab, die nicht allzu lange zurück liegen, in denen es Gewerkschaften gab, die in der Lage waren, Verhältnisse, wie sie beschrieben sind, zu verändern. Und dann, ich möchte nicht aufdringlich werden, aber ich tue es, dann stellen Sie sich die Frage, was eigentlich passiert ist, dass Phänomene des frühen Kapitalismus in seiner brachialen Form zum heutigen Alltag der Bundesrepublik Deutschland gehören. Die dreckigen, elenden, missachteten Arbeiten werden von Menschen aus anderen Ländern verrichtet, die aus den ärmsten Ländern Europas herangekarrt, unterhalb des Mindestlohns bezahlt und wie die vorher massakrierten Schweine untergebracht werden.
Und bitte, schenken Sie dem Gefasel, es handele sich halt um Auftragsfirmen, kein Gehör. Das ist so, aber das kann auch verhindert werden. Und, neben denen, die durch ihr direktes Handeln verantwortlich sind, sind es auch die, die die Produkte konsumieren. Ja, viele könnten es nicht mehr, wenn die Preise stiegen. Und wenn sie steigen, wird vielleicht auch dem letzten Trottel deutlich, dass dieses Land zu einem Billiglohnland degeneriert ist, in dem nicht nur die Rumänen und Bulgaren aus dem Rinnstein auf all den Reichtum starren, sondern auch viele teutonische Konsumenten am Absturz balancieren, während Milliardäre und Konservenkönige lauthals ihr Leid klagen.

Wichtig wäre es auch, Ernährungsalternativen aufzuzeigen. Beispielsweise praktische Ernährungslehre in den Schulen. Aber leider klagen Lehrer mit dem Fach Hauswirtschaft immer mehr, dass ihr Fach heruntergefahren wird und wenig Zeit mehr bleibt mit den Kindern praktische Erfahrungen zu machen.
Und denken Sie dabei auch an die niedersächsische Provinz mit ihren vielen sklavenhaltenden Schlachthöfen.
Die Arbeitsbedingungen in den Viehställen und auf den Feldern der Landwirte sind auch nicht wirklich besser und ausbeuterisch.
Ganz zu schweigen von den massenhaften Verbrechen an den Tieren!
Die Gesellschaftsordnung der agrarischen Gesellschaft ist die feudale. Existiert der Feudalismus tatsächlich nicht mehr oder wurde er überbaut und bis zur Unkenntlichkeit verdeckt? Iss auf mein Kind, für jede Kalorie musste ein Rechtloser Landmann sich krumm machen!