Wenn von Zukunft gesprochen wird, ist zumeist die Initiative der Jugend gemeint. Es wirkt immer etwas schrill, wenn die Perspektiven für die Zeit, die da kommen wird entwickelt werden und die Alten das Wort führen. Sie sind diejenigen, die, wenn es eine gute Zeit war, ihr Leben lang gestaltet haben, und wenn es schlecht war, dann haben sie nur verwaltet. Trifft letzteres zu, dann ist es um so erforderlicher, dass die Jugend die Initiative ergreift. Sie weiß, dass sie die Alten überleben wird und sie muss wissen, was sie will. Bleibt ihre Stimme stumm, dann dümpelt die Gesellschaft dahin, ohne Hoffnung und ohne Initiative. Bleiben wird nichts, wie es war, aber ein Subjekt mit einer gesicherten Perspektive sollte schon vorhanden sein, wenn ein Ende in der Katastrophe vermieden werden sollte.
Dass sich mit der großen Unordnung, die in der Welt herrscht, die Frage nach der Zukunft umso drängender stellt, ist folgerichtig. In diesem Kontext ist es ein einzigartiges Dokument, dass sich in den USA nun nach Trump ein weiterer alter Milliardär auf die Rampe stellt und seinen Anspruch formuliert, in seinem Land die Initiative ergreifen zu wollen, ist ein Schlag für eine erneuernde, innovative Perspektive. Donald Trump, der bis dato immer noch als Ausrutscher der Geschichte interpretiert wird, hat mit Micheal Bloomberg von den Demokraten nun einen Konkurrenten bekommen, der außer seinem Reichtum, mit dem er den Wahlkampf finanzieren will, nichts in Sachen Zukunft zu bieten. Er steht wie kaum ein anderer für den Niedergang der Demokraten, die sich vereint haben mit der weißen Ostküstenplutokratie.
Sie haben das Land, das in der Welt seinen Hegemonialanspruch behalten will, zu einem bloßen Spekulationsobjekt gemacht, das große Teile der Bevölkerung sozial abgewickelt und politisch perspektivlos gemacht hat. Alle, die sich im Korpus der demokratischen Partei momentan den Kopf zerbrechen, wie sie aus der Geschichte wieder herauskommen und der Gesellschaft eine politische Perspektive anbieten können, sind mit Bloombergs Kampfansage böse überrascht worden. Die vielen Jungen, die dort in der Diskussion mit den Verlierern der Spekulation auf den lokalen Ebenen unterwegs sind, erleben die Kandidatur des Milliardärs als einen Putsch.
Nach der desaströsen Zerstörung der Hoffnung, die der ehemalige Präsident Obama bei seiner Wahl noch vermittelte, sind die Demokraten in eine noch größere Depression geraten, als sie es bereits waren und für deren Dekadenz wie Rückwärtsgewandtheit vor allem der Name Clinton steht. Nun also nicht der alte Linke Bernie Sanders, nicht die junge, dynamische Tulsi Gabbard, nein Michael Bloomberg, der ehemalige New Yorker Bürgermeister, 77 Jahre alt, und mit seinem Privatvermögen auf 50 Milliarden Dollar geschätzt.
Mit Trump und Bloomberg stünden sich zwei alte Lokalrivalen gegenüber, die tief im Morast des Hudson stehen und beide die alte weiße, finanzgewaltige, maskuline, protestantische Ostküstenelite verkörpern. In einem Land, das die Arbeiterklasse geschreddert und die Mittelschichten geknebelt hat, das aber mehr denn je jung ist und eine große ethnische wie kulturelle Vielfalt aufs Tableau bringt, kann die Perspektive, die sich am Horizont mit diesem Szenario abzeichnet, nur noch als höllisch bezeichnet werden. Da ist keine Jugend, da ist keine Vielfalt, da ist kein kultureller Reichtum. Das ist das Festhalten am dicken, prall gefüllten Geldsack, koste es, was es wolle. Das Einzige, was in dieser Situation Anlass zur Hoffnung gibt, ist die Erwartung, dass die Rebellion auf dem Vormarsch ist. Denn ein „Weiter so!“ wird es nicht geben, auch wenn die alten, reichen Männer es noch einmal wissen wollen.

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Wieder eine exzellent verfasste Ansicht der heutigen US. (Ein Vergleich mit dem spaeten Roemischen Reich draengt sich auf)
Absolut. Und der Vergleich mit Rom (4./5. Jhd.) gilt mMn für uns Industrienationen komplett.
Ein neues Mittelalter (in dem viel vergessen wird, was die Ahnen einst wussten) dämmert herauf. Aber diesmal macht vermutlich der Planet vorher schlapp, bevor eine neue Aufklärung beginnen wird können.