Um den Überblick behalten zu können, ist es immer wichtig, die großen Linien zu ziehen. Es führt zu nichts, sich an diesem oder jenem Detail zu lange aufzuhalten, um die große Agenda zu dechiffrieren. Auch wenn es wichtig ist, sich die Fähigkeit zu erarbeiten, auch am Detail den großen Plan lesen zu können. Problematisch ist das Vorhaben allemal. Denn es ist unwahrscheinlich, dass die Akteure in der so genannten großen Politik in persona den großen Plan im Kopf haben. An so einer Agenda wie zum Beispiel ökonomischer und regionaler Dominanz oder gar Weltherrschaft, da sind viele beteiligt. Einzelne Vordenker, Kommissionen, Institute, Think Tanks, Beratungsagenturen etc.. Sie entwickeln gemeinsam ein Narrativ, das dann in der Nomenklatura so lange erzählt wird, bis es jeder im Kopf und damit einen Kompass hat, wenn einzelne Entscheidungen zu treffen sind. Fragte man jedoch einzelne Vertreter, so bekäme man nie den ganzen Plan mitgeteilt.
Die großen Linien derer, die aller Voraussicht nach in den nächsten 2-5 Jahren die Geschicke des Landes bestimmen werden, da sie die größten Wählerkontingente auf sich werden vereinigen können, sind noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Und, es ist mit einer Serie schwarz-grüner Allianzen zu rechnen. Das ist insofern brisant, als dass die jüngste Brüskierung gerade der CDU in Fragen der Umweltpolitik eine eklatante Differenz zu einer konsequenten ökologischen Politik auszumachen schien. Aber langsam, wenn es um politische Macht geht, dann wird, vernünftigerweise, nicht nach Differenzen, sondern nach Gemeinsamkeiten gesucht.
Und da existiert eine nicht zu unterschätzende Menge, auch wenn die zumeist konservativen Wählerinnen und Wähler der Grünen immer noch die Bilder ihrer Jugend im Kopf haben, die Frieden, Toleranz und Freiheit suggerieren. Im Laufe der Jahrzehnte hat dort jedoch eine Mutation stattgefunden, die vieles der ursprünglichen Vorhaben in das Gegenteil verkehrt haben. Aus den ehemals friedliebenden Grünen ist eine regelrecht kriegstreibende Partei geworden, die sich bei der völkerrechtswidrigen militärischen Intervention gegen Serbien nicht schämte, diese imperiale Aggression mit Auschwitz zu begründen. Eine derartige Bodenlosigkeit und Impertinenz verpflichtet und so ist es kein Wunder, dass diese Partei seit diesem Zeitpunkt für jede Form der Interventionsbegründung zur Verfügung steht. Krieg und Bomben aus moralischen oder ethischen Gründen, da ist er, der deutsche Sonderweg, vor dem viele Wählerinnen und Wähler der CDU bis heute zurückschreckten.
Insofern seien alle gewarnt, die glauben, die Grünen könnten bei dem, was da kommen wird, in der schwarz-grünen Allianz als Bremse für Aggressionen wirken. Ganz im Gegenteil, sie werden den Atlantikern in der CDU, die gerne die Konfrontation mit Russland und China propagieren, weil sie am Potomac so schön gehätschelt und geschult wurden, neuen Auftrieb geben. In Brüssel haben die Grünen Hardliner schon einen Namen, bei dessen Nennung selbst polnische Nationalisten ein mulmiges Gefühl bekommen.
Sicher ist, bei der Betrachtung des programmatischen Bestecks der beiden Politkulturen, dass die Belange der gesellschaftlich Ausgegrenzten keine Rolle spielen werden, sicher ist auch, dass die Sozialstandards weiter abgebaut werden, dass der Wirtschaftsliberalismus weiter gedeihen und die gesellschaftliche Kohäsion, der soziale Zusammenhalt, weiter massiv gestört werden wird. Das zusammen mit einer weiteren außenpolitischen Isolation, die durch die Befolgung des amerikanischen Aggressionskurses gegen Russland und China ausgelöst werden wird, bringt ein Gemisch hervor, das nur ein Gutes hat: Halten wird die Allianz nicht lange, weil sich aus ihr gesellschaftliche Kämpfe entwickeln, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben.
Wer das alles für eine absurde Spekulation hält, schaue nach Frankreich. Macrons Agenda hat glühende Verfechter, gerade auch bei den Grünen. Bis hin zur gewaltsamen Niederschlagung der Proteste. Besonders gefährlich ist die fehlende Scham beim Aufstieg des Parvenüs nach oben. Und bei der Hemmungslosigkeit, mit der der eigene Egoismus ideologisch begründet wird. Ein Eldorado für Psychologen, denen das Thema überlassen bleiben soll.
Es wäre schön, wenn die beschriebene Entwicklung dem Land erspart bliebe, denn wer freut sich schon auf Gewalt und Verwerfung? Das beste Entree für ein solches Szenario sind immer wieder Illusionen. Wenn sie zerstört werden, regiert die Wut. Deshalb ist es wichtig, auf die großen Linien hinzuweisen. Und die sind eben so wie sie sind.

Pingback: Sieh Dir die großen Linien an! — form7 | per5pektivenwechsel
Wie jede Sekte sind auch DIE GRÜNEN durchaus gewaltbereit gegenüber Andersdenkenden. Wenn man an die Vor-Joschka-Fischer-Zeiten zurückdenkt, dann gab es auch ein erhebliches Rechtes Potential bei den GRÜNEN, an das die CDU/CSU koalitionär andocken könnte, falls diese Alten oder zumindest deren Gedankengut noch fortleben?
Eine sehr steile These, die Grünen als „regelrechte Kriegstreiber“ zu bezeichnen. Die militärische Intervention gegen Restjugoslawien, ein paar Jährchen nach dem Massaker von Srebrenica, welches auch von serbischen Paramilitärs begannen wurde, und dem UN-Soldaten aus den Niederlanden als blaue Papiertiger entgegenstanden, war ja nicht nur ein humaner Gewissensakt. Die bosnische Katastrophe hat die internationale Meinung grundlegend verändert, der letzte, der dies begriff, war Milosevic. Dieser dünkte sich als der begehrteste Verhandlungspartner westlicher Diplomaten, als hofierter Partner einer Lösung, die anfänglich im Kosovo-Konflikt eben keine Unabhängigkeit des Kosovos bevorzugte.
Wer darüber einfach so hinweg denkt, dem kann man einen gewissen Zynismus nicht absprechen. Dass Sie gegen jede Art von Nationsbuilding argumentieren, haben Sie immer wieder deutlich gemacht. In Bosnien hat der Westen allerdings dazu beigetragen, dass es nicht aufgeteilt wurde, hätte dies doch dem Traum vom Großserbien Nahrung gegeben.
Der Westen hatte zu spät in Bosnien interveniert, u.a. bedeuteten 8000 tote muslimische Männer davon das Resultat. Darf man davon wenigstens von einem Vernichtungskrieg sprechen und von der wahren Agression, bevor man im Vergleich dazu die „imperiale Agression“ und den Auschwitz Konnex geißelt? Milosevic hatte jede Warnung in den Wind geschlagen und die ethnischen Säuberungen und Massaker im Kosovo (z.B. in Racak) fortgesetzt. Nennen wir doch ihn den „regelrechten Kriegstreiber“, das käme wenigstens keiner Geschichtsklitterung gleich.
Diese beschriebene Entwicklung ist aufzuhalten durch einen föderativen Bundesstaat Europa. Dieser wäre dann in der Lage, im Konzert der Großmächte mitzureden. im Gegensatz zum derzeitigen Staatenverbund. Noch ein Wort zu Achim Spengler… Ich weiß von einem Kosovaren, der hier Frau und 4 Kinder zurück ließ, um seinen Landsleuten im Kosovo zu helfen, das es damals über 120.000 Binnenflüchtlinge gab. Ohne Eingreifen der Nato hätte es eine noch größere Flüchtlingswelle gegeben. Von der UNO war durch ein wahrscheinliches Veto von Russland keine Hilfe zu erwarten. Dies bitte bei Kommentaren beachten!
Mit dem Ende der Sowjetunion war das Ende des Kalten Krieges besiegelt. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde vor allem in den USA über eine neue Ordnung in Europa nachgedacht. Was nicht in das Kalkül passte, war das noch bestehende Jugoslawien, immerhin eine Mittelmacht mit ca. 45 Millionen Einwohnern und beträchtlichen Streitkräften. Bereits 1991 gab es innerhalb Jugoslawiens zu einer Zerreißprobe, als die Teilstaaten Slowenien und Kroatien ihre Loslösung von Jugoslawien mit dem Argument beschlossen, sie müssten – Vergleichbar mit dem hiesigen Länderfinanzausgleich – zu viel für unterentwickeltere Landesteile bezahlen. Schnell, sehr schnell mit der Anerkennung Sloweniens war die Bundesrepublik Deutschland, während Großbritannien und Frankreich noch zögerten. Es war der Beginn einer zunehmenden Zerrüttung und Verwerfung, die das Gebilde Jugoslawien im Laufe eines Jahrzehnts zerstörten. Aufgrund der existierenden Multikulturalität und der unterschiedlichen historischen Konstellationen wurde es zu einer grausamen, auf allen Seiten mit Brutalität geführten Geschichte. Als Bollwerk der alten Idee kristallisierte sich Serbien heraus. Der finale Militärschlag wäre durch eine Christdemokratische Regierung in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund der damaligen Stärke der Friedensbewegung nicht vermittelbar gewesen. Das erledigte dann, kurz nach Regierungsantritt Rot-Grün. Die Verweise auf Auschwitz sind bis heute Mahr als makaber, war man bereits in den Jahren nicht zimperlich gewesen, indem Bündnisse mit der faschistischen Ustascha in Kroatien gepflegt worden waren. Insofern bleibe ich bei meiner These.