Die Zerstörung von Erfolgsbiographien

John Wells. Company Men

Die Szenarien sind bekannt. Ein Konzern, der sich auf dem internationalen Markt bewegt, richtet sich auch nach den Gesetzen des globalen Wettbewerbs. Rücken andere Produkte den eigenen auf den Leib, wird überlegt, wie die Attraktivität der eigenen Marke gesteigert werden kann. Und eines der entscheidenden Merkmale ist nun einmal der Preis. Der wiederum lässt sich drücken durch die Senkung der Produktionskosten, die sich über Infrastruktur, technische Ausrüstung und die eingesetzten Menschen definieren. Und dass ausgerechnet immer wieder diejenigen, die die Werte schöpfen als so genannte Personalkostenfaktoren aus Unternehmen saniert werden, gehört zu den Absurditäten des Systems. Dass es dann die Kleinen in einem solch System trifft, ist bekannt. Dass es aber auch Große sein können, die nicht mit immensen Tantiemen in den Ruhestand geschickt werden, sondern sich danach im freien Fall befinden, wird selten beleuchtet.

Der Regisseur John Wells hat dieses mit dem 2010 erschienenen Film Company Men getan. Der Film kann mit guten Recht als eine schnelle Reaktion Hollywoods auf die Weltfinanzkrise von 2008 gesehen werden. Mit Größen wie Tommy Lee Jones und Ben Affleck wurde etwas thematisiert, das vor allem im letzten Jahrzehnt in den USA zum Massenphänomen geworden ist. Erfolgreiche Manager, die steile Karrieren hinter sich haben und denen anscheinend nichts mehr passieren kann, werden zum Opfer drastischer Rationalisierungsmaßnahmen. Und sie bekommen allenfalls noch einige Monatsgehälter und ein Angebot, sich in einem Job Center weiter zu qualifizieren. Aber die Falle schnappt zu: die in den USA üblichen Belastungen eines Erfolgsmenschen bleiben bestehen, die Hypopthek auf das stattliche Haus wird fällig, der Golf Club kostet weiter Geld, der Car Park kostet Geld, die private Schule der Kids erfordert weiterhin die exorbitante Gebühr. Wer da nicht schnell einen neuen Job hat, der rauscht vom Berggipfel in ein dunkles Tal.

Der Film veranschaulicht sehr gelungen, was die Situation mit gerade diesen Menschen macht, die mit ihrer Kreativität und ihrem Esprit so viel bewegt haben, die den Wohlstand und die damit verbundene Macht als ihr tägliches Besteck nutzen und plötzlich stehen sie da, ohne irgend etwas davon mitnehmen zu können. Stattdessen reagiert das soziale Umfeld. Mal mit Empathie, aber auch nicht selten mit Häme, denn, das ist auch ein ehernes Gesetz, it´s lonely at the top. 

Anhand dreier Männer wird die Geschichte erzählt. Erst fliegt ein junger aus dem Management, dann ein Senior der ersten Stunde, der es bis in den Vorstand geschafft hat und schließlich sogar der Weggefährte des Konzernchefs, der es wagt, die Rationalisierungsstrategie des Personalabbaus wegen des drohenden Identitätsverlustes anzuprangern. Allen dreien geht es nicht gut damit. Der Junge landet zwischenzeitlich desillusioniert auf dem Bau des Schwagers, der Senior vom Tag Eins vergiftet sich in seiner Autogarage, nur das Alpha-Tier aus der Chefetage fällt relativ weich.

Die Initiative des letzteren, wieder eine Fabrikhalle zu erwerben und dort mit industrieller Produktion zu beginnen, wo alles einmal anfing, ist die Illusion, die nicht in das Narrativ passt und die dem Film etwas Abseitiges gibt. Ansonsten handelt es sich um sehr feine, kritische Studien darüber, wie im Prozess der globalen Märkte auch reihenweise Erfolgsbiographien zerstört werden. Für den Film sprechen die leisen Töne und der Verzicht auf reißerische Flops. Company Men gehört zu den jüngeren Werken, die man sich öfters ansehen sollte.  

4 Gedanken zu „Die Zerstörung von Erfolgsbiographien

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  2. Avatar von autopictautopict

    Nun, es ist eben ein US Hochglanzfilm, der sicherlich einige gute Ansätze hat, aber hinten raus verliert, sooo einfach geht es eben nicht. Die Alternative zur erfolgreichen Managerkarriere mit Mutti am Herd scheint eben diese zu sein. Die Tätigkeiten werden nicht hinterfragt, was das Publikum ohnehin überfordern würde. Aber nett anzusetzen ist der Film allemal.
    Auch wenn es etwas andere Grundthemen sind, empfehle ich da eher ‚Toni Erdmann’ und ‚Ich, Daniel Blake‘ oder auch ‚Zeit der Kannibalen‘, vielleicht noch ‚Dead Man Working‘.
    Grüße.

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