Archiv für den Monat April 2018

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!

In seinem Roman „Lügen in Zeiten des Krieges“ beschreibt Louis Begley, durchaus autobiographisch gefärbt, von dem Elend seines Jahrhunderts. Es bestand, so die unstrittige Quintessenz, in der Täuschung. Zum einen in einer Täuschung, die aus den eigenen, gesicherten, sorgenfreien und von Ästhetizismus durchtränkten Verhältnissen gespeist wurde. Sie führte zu dem Trugschluss, die Welt sei so, wie die eigenen Lebensumstände erlebt wurden. Und zum anderen in dem daraus resultierenden Unglauben, dass die Welt da draußen so bestialisch sein könnte, wie sie sich tatsächlich herausstellte. Begleys schmerzvolles Fazit aus seinem eigenen Leben wurde nahezu von einer gesamten Genration geteilt. Sie glaubten an die Dichotomie der Welt, an die Teilung vom Selbstbild und der Eigendynamik des Bösen, ohne davon betroffen zu sein. Für diesen Trugschluss wurden alle bestraft. Und als die großen Lehren gezogen wurden aus den Lügen in Zeiten des Krieges, da waren sich viele Menschen aller Nationen einig, so etwas dürfe sich nicht wiederholen.

Um Allen, die sich im Heute unsicher fühlen, einen Eindruck zu geben, was gemeint ist, kann nur der gut gemeinte Ratschlag gegeben werden, Begleys Roman zu lesen. Und zwar schleunigst. Vielleicht führt ja die Lektüre zu dem Schluss, dass es nichts bringt, im Gegenteil, dass es ins Verderbnis führt, wenn man die Lüge in der Verkleidung der bequemen Wahrheit weiter ehrt und sich nicht um die Wahrheit schert. Es ist an der Zeit, den Schein zu durchbrechen und die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Sowohl die USA als auch ihre britischen Vasallen haben den Irak-Krieg basierend auf einer Lüge begonnen. Sich dazu bekannt oder es bereut zu haben, das ist bis heute unbekannt. Freunde der Impertinenz und der Menschenverachtung, in diesem Falle Frau May und Herr Trump, für wie dumm haltet ihr das Konsortium Menschheit? Und Mutti, die ewige Kanzlerin, spricht von „schweren Indizien“, die dafür sprächen, dass die Lügner von Gestern Recht hätten.

Liebe Frau Bundeskanzler, was spricht für die Transformation der Kriegstreiber vom Irak zu den Jüngern der Wahrheit in Syrien? Da wären ein paar ganz profane Indizien hilfreich, und vielleicht noch ein kleiner Tipp an die Vertreterin des neuen Deutschlands, das jetzt endlich soweit ist, „Verantwortung zu übernehmen“, in dem es Fake News folgt und Kriege mit inszeniert: Wer mit den Wölfen heult, wird allenfalls als Hund überleben. Gerade als Mädchen des Ostens solltest du das wissen.

Und noch ein Ratschlag: Nimm dein ganzes Kabinett, das sich so trefflich streitet um Quoten und Tagessätze, um Identitäten und vor allem um Symbole, und lass ihnen von irgendjemandem Kompetenten erklären, dass das Dasein ohne Frieden keines ist. Indem sie den Kriegstreibern das Wort reden, unterminieren sie ihre eigene Existenz, denn der Krieg wird vor allem jene treffen, die selber keinen führen können. Wer sich bei dieser Nummer behaupten will, der muss das Handwerk des Tötens beherrschen. Da helfen weder KITAS noch familienfreundliche Arbeitszeiten für die Soldaten, da hilft nur einsatzbereites Material und eine Mentalität, die beim massenhaften Töten nicht erodiert.

Sollte das klar sein, dann fragt sich, wieso so geredet wird, als wären die Verhältnisse so, wie sie sein müssten, um in diesen Zeiten zu bestehen? Die Antwort liegt nicht nur bei der Regierung, sondern bei einer ganzen Klasse von Politikern. Wer jetzt nicht nach der Wahrheit ringt und das Theater beenden will, der wiederholt den Trugschluss. Bei den Lügen in Zeiten des Krieges.

Dirty Boogie & Lügenlords

Die Lage ist angespannt. Sehr angespannt. Worum es dabei geht, ist der gesetzten Öffentlichkeit nicht sonderlich klar. Wieder wird ein Giftgasangriff auf die Zivilbevölkerung in Syrien bemüht, und wieder liegen keine Beweise vor. Das Spiel ist bekannt. Es scheint sich im Westen durchgesetzt zu haben, dass der Terminus „mutmaßlich“ ausreicht, um militärisch harte Fakten zu schaffen. Gäbe es klare Beweise, dann spräche vieles für das geplante Muster. Sie liegen aber nicht vor. Dass sich Zweifel anmelden muss, ist folgerichtig. Die seitens der Bush-Administration reklamierten Beweise für chemiewaffenfähige Produktionsanlagen im Irak führten zu einem Krieg, der nicht nur annähernd eine Million Tote forderte, sondern auch die gesamte Region nachhaltig destabilisierte. Der Vorwand entpuppte sich als ein Propaganda-Coup. Warum ist der Verdacht so abwegig, dass diesmal das gleiche Szenario dem angedrohten Krieg zugrunde liegt?

Was als eine wirre Eskalation erscheint, ist hingegen aus Sicht der USA die Fortsetzung kalter Logik. Obamas Versuch, sich aus der selbst inszenierten fragilen Lage zurückzuziehen, hat zu keinen vorteilhaften Entwicklungen geführt. In das Vakuum, das durch die US-Abstinenz entstanden ist, drang Russland ein, indem es sich als Partner Assads etablierte. Die massiv von den USA unterstützten islamistischen Terrorgruppen mauserten sich Ende des Irak-Krieges zu einer eigenständigen Kraft, die in Syrien begann, durchaus eigendynamisch, die dortige Regierung zu bekämpfen und das Land zu destabilisieren. Die Taten des IS waren und sind terroristisch, und allein die Tatsache, dass er zeitweise seitens der USA unterstützt wurden, nehmen diesen, wie im Falle Al Quaidas in Afghanistan, jegliche Legitimation, sich moralisch zu entrüsten. Und wer in diesem Kontext von einer Wertegemeinschaft redet, schadet jedem ernst gemeinten Ethos.

Die US-Abstinenz hat Einfluss gekostet und die Kontrolle über die Region dramatisch minimiert. Dass es um geostrategische Aspekte geht, um den Transport von Gas aus Katar nach Europa, um einen Zugang des Iran zum Mittelmeer, dass es um die Vormacht Saudi Arabiens gegenüber dem Iran, dass israelische Sicherheitsinteressen eine Rolle spielen und um florierende, nicht abreißende deutsche Waffengeschäfte, davon erzählen die Nachrichtenmagazine wenig, es sind aber die wahren Gründe für die jetzige Bereitschaft der USA, den Krieg neu und auf einer anderen Ebene zu entfachen. Jetzt, wo die islamistischen Terroristen dank der syrischen Regierung und ihrer russischen Allianz bezwungen wurden, gibt es keinen Unruheherd mehr, der zumindest nur temporär den amerikanischen Interessen nützen würde. Daher die Eskalation, daher Trumps Ankündigung, jetzt würden Raketen eingesetzt.

Was logisch folgerichtig ist, muss politisch nicht vernünftig sein. Die Bereitschaft, die eigenen Interessen mit jeder Form des Krieges und des Terrors durchzusetzen, hat weltgeschichtlich viele Imperien ausgezeichnet. Entweder sie scheiterten relativ schnell, oder sie zeigten damit an, dass ihre Blüte hinter ihnen lag. Krieg und Terror sind keine Formen von langfristigen Perspektiven. Angesichts der ungeheuren Macht, mit der China täglich weiter auf die Weltbühne schreitet, lässt sich durchaus die Frage stellen, ob die strategisch überdehnten USA dem noch lange werden standhalten können. Es sei denn, es würden neue Zugriffe gesichert, auf Land und Ressourcen.

Insofern ist der Dirty Boogie keine Überraschung. Dass europäische Lügenlords mittanzen, macht die Perspektive nicht rosiger. Sie sind sehr schlecht beraten, wenn sie glauben, Russland sei zu bezwingen, ohne dass der neue Riese sich dazu verhielte. Der ist weit von Europa, aber nah an Russland. Und er denkt viel weiter, Lichtjahre weiter, als in Quanten von Legislaturperioden.