#Amazing Trip, #Discovery
Archiv für den Monat Februar 2018
Die Falken und die Nachrichten
Wer wählt die Sprache aus, wer setzt die Bilder? Bei dem, was in der Regel als ein Neutrum der Informationsübermittlung angesehen wird, handelt es sich um den gezielten Versuch, Beeinflussung vorzunehmen, wenn nicht Sprache und Bilder das Gegenteil belegen. Man kann von einer militärischen Konfrontation in einer mittelöstlichen Wüste sprechen, und versuchen, die jeweiligen Interessen zu beschreiben. Da steht sich ein Nationalstaat, der im eigenen Land deshalb Probleme hat, weil sich eine große, ethnisch differente Minderheit nicht so mir nichts dir nichts assimilieren lässt. Diese Minderheit verfügt in einem im Bürgerkrieg befindlichen Nachbarland ebenfalls über militärische Verbände. Diese wiederum sind jetzt Ziel eines Nationalstaates, der jetzt auf das Territorium des Nachbarstaats militärisch vorgedrungen ist, um die Verbände anzugreifen, die ethnisch zur eigenen nationalen Minderheit gehören.
Das Beschreiben, nicht das sofortige Bewerten, fördert oft bereits Erkenntnisse zu Tage, die bei der überschnellen Analyse verloren gehen. In dem hier angeführten Fall deutet die Beschreibung bereits an, wie hirnrissig die Operationen der Türkei in Syrien sind und verfolgte man die Geschichte in der Logik der Beschreibung weiter, dann käme man zu dem Ergebnis, dass die Komplexität des Konfliktes sehr viel mit archaischen Mordphantasien auf allen Seiten zu tun hat als mit einer rationalen Politik, die bereit ist, in Lösungskonzepte die unterschiedliche Interessenlage vieler einzubinden. Stattdessen herrschen die Messer und der Kuhhandel.
Um das zu beflügeln, kommen dann in die obige Beschreibung sehr gezielt die nötigen, bewertenden Beiworte, die das Gift in die Köpfe transportieren. Da sind dann schnell irgendwelche Heckenschützen zu Freiheitskämpfern erkoren, während andere Terroristen sind, da sind die Opfer der „anderen“ Seite in solider Regelmäßigkeit anonym, während die auf der „eigenen“ Seite ausschließlich aus Kindern, Frauen und Alten bestehen. Das ist alles so schön einfach: hier die reine Demokratie, dort der Despot. Und wer diese schlichte, allzu schlichte Dichotomie hinterfragt, der ist sehr schnell ein Sympathisant. Oder ein Putinversteher, oder ein Europahasser.
Dass sich der Journalismus auch in unserem Land in starkem Maße dieser Entwicklung untergeordnet hat, ist ein beklagenswerter Umstand, der noch besonders dramatisch wird, weil große Teile der Berichterstattung aus den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sich dieser Tendenz ebenfalls verschrieben haben. Dass ist, in Bezug auf unsere Geschichte und die Rolle, die dort die Propaganda eingenommen hat, unverzeihlich. so, wie es aussieht, wird sich an diesen Verhältnissen nichts ändern. Was sich bereits geändert hat, ist eine kleine, nicht feine, aber zunehmend respektable Gegenwelt „im Netz“. Verbessern wird diese Gegenwelt die Verhältnisse alleine nicht, denn auch hier herrscht die Einsicht, dass nichts als die Politik die politischen Verhältnisse wird ändern können.
Das, was als Weltbild in vielen Journalen und Medien momentan produziert wird, stimmt in auffälliger Weise mit dem Bild überein, das in vielen, aus den USA heraus operierenden Think Tanks vorherrscht. Es ist bekannt, dass ein Gros der hiesigen Journalisten in den erwähnten Think Tanks auf den Mitgliederlisten stehen. Und es ist ein Fakt, dass letztendlich als Produkt dieser Mitgliedschaften eine Berichterstattung steht, die dem Weltbild amerikanischer Falken entspricht. Inklusive aller Feindbilder und Ressentiments.
Das Wissen um diesen Zusammenhang muss dazu führen, darüber aufzuklären und zumindest in öffentlich-rechtlichen Medien die gleichzeitige Arbeit für diese und eine Mitgliedschaft in einer dieser ideologischen Kriegswerkstätten anzuzweifeln.
Valentin und die Romantik
Eines muss man dem amerikanisch-angelsächsischen Kapitalismus lassen: In Sachen kultureller Hegemonie ist er unschlagbar. Das bezieht sich auf die Möglichkeiten, alle erdenklichen Anlässe aus dem eigenen Kulturkreis zu vermarkten. Und es bezieht sich auf die Fähigkeit, die Anlässe aus der eigenen Bezugswelt sogar in andere, fernere Kosmen zu exportieren. Die besten Beispiele sind Halloween und der heute wieder bis zum Erbrechen angemahnte Valentinstag. Beide Ereignisse hatten in der zentraleuropäischen Welt vor zwei bis drei Jahrzehnten noch keinerlei Stellenwert, heute glaubt zumindest die jüngste Generation, beides hätte es schon immer gegeben und sieht den Spuk Festen wie Weihnachten und Ostern ebenbürtig. Alles hat zwar mit dem Glauben zu tun, und, ehrlich gesagt, jenseits des Glaubens sogar mit einem sehr archaischen Animismus, aber wenn es darum geht, die Kassen klingeln zu lassen, dann ist dem amerikanisch-angelsächsischen Kapitalismus alles Recht.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass das produktive Höchststadium des Kapitalismus eher teutonisch-japanisch geprägt ist, böse Zungen behaupten sogar, dass es den Briten nie gelungen sein, von der Manufaktur bis zur seriellen Industrieproduktion zu kommen. Und auch der amerikanische Kapitalismus kann bis auf den militärisch industriellen Komplex, der hoch subventioniert wird, nicht in Konkurrenz zu den zwei Warenschmieden des Weltkapitalismus treten. Ganz im Gegenteil, mit Hilfe der kulturellen Hegemonie hat man es sogar vermocht, Qualitätsstandards wie z.B. die DIN (Deutsche Industrie Norm) durch niedrigere wie ISO zu ersetzen. Aufgrund der politischen Überlegenheit gaben die entwickelteren Produktionsstätten nach und verschrotteten die eigenen Maßstäbe.
Die merkantil überlegene amerikanisch-angelsächsische Variante des Kapitalismus trieb die produktiv überlegeneren Systeme in die Defensive und sorgte für die psychologische Dominanz der schwächeren Ökonomie. An Tagen wie dem heutigen Valentinstag lässt sich ablesen, wie konkret der Verkauf einer romantischen Regung werden kann: Wieviel Schoko- oder Pralinenprdukte mehr verkauft, wie viele Blumen die Läden verließen, wie viele Juweliere Sondereinnahmen verbuchten oder wie viele Gastronomen mit besonders ausgestatteten Menus Erfolg hatten.
Und es sei zusätzlich ein kleiner Verweis auf die Romantik erlaubt. Litt diese ziemlich lange unter dem Schicksal, aus der tiefen Abneigung gegen Aufklärung und Fortschritt entstanden und damit reaktionär zu sein, so gewann im Laufe der Jahre auch die Interpretation Gewicht, die in der Verklärtheit und dem schnörkeligen Irrationalismus der Romantik auch eine Art des Protestes lag. Des Protestes gegen die soziale Kälte des Kapitalismus und des Protestes gegen die Logik der Verwertung.
Insofern läge die strikte Deutung nahe, dass sich wahre Romantik in unseren Tagen daran ablesen ließe, inwieweit diejenigen, die sie unbedingt zelebrieren wollten, dem Konsum den Rücken kehrten und sich zwar wollüstig, aber in ökonomischer Askese einander zuwendeten, um die wahre Kerze des Begehrens kräftig flackern zu lassen.
Aber machen wir uns nichts vor. Keine semantische Sau, und sei sie auch noch so mager, die nicht durch das Dorf des Konsums getrieben würde, um dem schnöden Mammon zu huldigen. Und wieder einmal zeigt sich, dass die Lehre von der reinen Ökonomie niemals alleine ausreichen wird, um dem terroristischen Merkantilismus das Handwerk zu legen. Dazu bedarf es einer konsequent unromantischen Einstellung an Tagen wie heute und handfester Gesten in der ersten Novembernacht.


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