Archiv für den Monat Januar 2017

Jenen, deren Zeit vorbei ist

Wenn man sich in der Hölle empört, dann scheint am Himmel ein Licht zu sein. Es ist doch sehr bemerkenswert, mit welcher Einhelligkeit sowohl das politische Personal, wie die Auftragswissenschaftler und die Medien außer Rand und Band sind, wenn das Thema Donald Trump zur Diskussion steht. Ja, vieles spricht dafür, dass da einer an die Macht gekommen ist, der lieber einen Betonmischer umwirft als auf dem diplomatischen Parkett zu flanieren und der sich verbal an nichts hält, was im Salon als heilig gilt. Nur, und das wird in den aufgeregten Äußerungen vergessen, dieser Mann wurde, obwohl er kein Unbekannter war, in freien, gleichen und geheimen Wahlen gewählt. Da helfen auch nicht die Erklärungsversuche mit russischen Hackern. Die gibt es sicherlich, wie übrigens auch deutsche und amerikanische und israelische und private und und und.

Was ist zu tun, wenn etwas geschieht, womit niemand gerechnet hat und das alle entsetzt? Nahezu kindlich ist die Beschimpfung des Neuen. Und leider ist festzustellen, dass diese Phase immer noch anhält und in ihr ein Unsinn abgesondert wird, der die Intelligenz beleidigt. Der beste Rat an jene, die nicht mit der Vernunft umzugehen verstehen und die Gründe für das Neue zu erforschen suchen, ist es, sich im Stillen für ihr eigenes Versagen zu schämen anstatt den Mund aufzureißen und die Welt zu beschimpfen.

Ratsam wäre es, und überfällig ist es längst, sich zu fragen, was dazu geführt hat, dass sich die eigenen Völker beginnen abzuwenden von den westlichen Demokratien und ihren nun so plötzlich reklamierten Werten. Was hat dazu geführt, dass das Vertrauen dahin ist in jene, die die Politik gestalten und kommunizieren? Diejenigen, die jetzt immer noch in den alten Talk Shows sitzen und auf die Werte des Westens pochen, sind diejenigen, die sie geschändet und verspielt haben. Sie sind die Protagonisten von gestern, das wissen sie und deshalb schreien sie so laut und vor allem Dinge, die daran zweifeln lassen, ob sie noch im Besitz ihres Verstandes sind. Die Werte, die sie nun aufrufen zu verteidigen, sind gerade von ihnen mit Füßen getreten worden. Ihnen fehlt eines, was unwiederbringlich ist: Sie sind nicht wahrhaftig. Das ist ein Wort, das gerade im Deutschen eine so wundervolle Bedeutung hat, denn es steht für das Bekenntnis zur Wahrheit, auch wenn sie furchtbar schwierig ist.

Die Vertreter einer sehr einfachen und harten Politik, in der es um wirtschaftliche Macht geht, ohne viel investieren zu müssen, sie haben viele Jahre mit verschiedenen Maßen gemessen und immer nur die halbe Wahrheit erzählt. Das hat sich herumgesprochen und plötzlich ist das geschehen, was man das Umschlagen von Quantität in Qualität zu nennen pflegt. Der Umgang der Regierten mit der Handelsware Politik ist ein anderer geworden. Es geht nicht mehr um das kleinere Übel, sondern nach dem Prinzip „versagt und weg!, der nächste bitte“.

Und jetzt, wo sich abzeichnet, dass das nicht nur in einem, sondern in vielen Ländern so geschehen wird, müssen alle, die im Tross der wirklich Mächtigen mitgefahren sind, um ihre Apanagen fürchten. Das macht sie so rasend, das lässt sie fortfahren in ihrem so beherrschten Handwerk der Verleumdung und Verfälschung. Die Boten, die nun auftauchen, die hoffentlich nicht das Produkt der Zukunft sind, sie sind das Werk derer, die jetzt so schreien. Es ist kurios. Ihre Zeit jedoch ist vorbei.

Fragen zum Wahljahr

In der EU hielt sich die Begeisterung für die “Eiserne Uckermark-Lady” zumindest in der EU-Südschiene schon seit Jahren in engen Grenzen. Merkels starrre Wirtschaftspolitik zwingt diese verschuldeten Staaten auf inabsehbare Zeit in die Knie. Weder Griechenland, noch Portugal an den Peripherien, noch die zentraleren Südstaaten Spanien und Italien sind von der “Alternativlosen” Kanzlerin und der […]

über Wer setzt eigentlich noch auf Merkel, außer der CDU? — almabus blog

Nachher zuerst

Eigenartige Phänomene überschatten das menschliche Dasein. Dabei handelt es sich um solche, die durchaus positiv gewertet werden können, wie zum Beispiel die Fähigkeit, mit Frustrationen und Rückschlägen umgehen zu können, sofern eine klare Vorstellung von einem bestimmten Ziel existiert und der Wille vorhanden ist, dieses Ziel zu erreichen. Andererseits wiederum fällt auf, dass Menschen in bestimmten Situationen in der Lage sind, Ereignisse und Dinge, die für sie brandgefährlich sein können, erfolgreich auszublenden. Das kann sich in einer Katastrophe zuspitzen, sodass noch Jahrzehnte nach so einem Debakel selbst von Expertenpublikum darüber gerätselt wird, wie es überhaupt dorthin hat kommen können.

Das Phänomen, das neben vielen anderen und den beiden hier genannten momentan ganz besonders zu beobachten ist, hat etwas mit der Komplexität der Erscheinungen, die unser Leben bestimmen, zu tun. Da spielen weltwirtschaftliche, ökologische, politische, soziologische, kulturelle und rein monetäre Fragen eine Rolle, da hängen politische Entscheidungen davon ab, wie die Gremien besetzt sind oder bei den nächsten Wahlen besetzt werden, da müssen vielleicht Koalitionen geschmiedet werden, die vorher noch nie in dieser Form existiert haben, da fehlt vielleicht auch noch Wissen oder die Technik, um etwas machen zu können. Klar ist nur, dass es mit sehr viel Arbeit und sehr vielen unterschiedlichen Abhängigkeiten zu einem Ergebnis kommen kann. Das ist nicht jedermanns Sache.

Insbesondere jene Zeitgenossen, die bei Wahlen vor allem mit dem Slogan der Sicherheit abgeholt werden können, verfallen in einer solchen Situation in die sprichwörtliche Schockstarre. Sie tendieren in ganzen Kohorten dazu, auf die Interdependenz der Teilaspekte zu verweisen und genau damit zu begründen, dass es da das Sinnvollste zu sein scheint, zu warten und nichts zu tun. Erst, so ihre Argumentation, erst wenn der Wahlkampf zu Ende, erst wenn das Handelsabkommen geschlossen, erst wenn das Gesetz verabschiedet, erst wenn die ersten Testergebnisse vorliegen, erst wenn das neue Personal die Ämter besetzt hat etc. sei es geraten, sich, dann aber mit Schwung, in Bewegung zu setzen. Dann aber, so verkünden sie für ihre Verhältnisse sogar temperamentvoll, dann lege man los mit allem verfügbaren Schwung.

Es ist kein Geheimnis, dass die heute von uns bewohnte Welt, egal aus welchem Winkel betrachtet, an Komplexität alles Bisherige überbietet. Und es ist auch klar, dass wir uns den Interdependenzen genauso wenig widersetzen können wie die Tatsache akzeptieren müssen, dass sich die technische, wirtschaftliche, politische oder kulturelle Entwicklung auf diesem Planeten ungleichmäßig vollzieht. Das ist der Grund dafür, dass die Welt bunt und verschieden ist. Und genau an dieser Stelle hört man schon wieder die Stimme des Stillstandes, die reklamiert, man könne erst beginnen, wenn allgemein gültige Standards entwickelt und verabschiedet sind…

Das Phänomen der Erstarrung in Situationen der Komplexität ist eines, das sowohl psychologisch und individuell als auch sozial und kollektiv noch weiter betrachtet werden muss. Denn hinter diesem Phänomen verbirgt sich die Gefahr der politischen Lähmung, was meistens nur denen etwas nützt, die andere über den Tisch ziehen wollen. Nein, das ist kein Aufruf zu blindem Aktionismus, nein, das ist kein unreflektierter Fortschrittsglaube, sonders es handelt sich um eine einzige, aber entscheidende Karte: es geht darum, die Option des Handelns und Gestaltens in der Hand zu behalten. Wer passiv wartet, legt sie auf den Tisch und gibt sie her.