Obama zum Zweiten!

Im größten, mächtigsten Land des Westens wurde gewählt. Es war knapp, sehr knapp und es wurde deutlich, dass die Afro-Amerikaner und Kubaner letztendlich die Wahl entschieden haben. Präsident Barack Obama, der vor vier Jahren ins Amt kam und der so viele und sehr große Hoffnungen mit seinem Konzept des Change geweckt hatte, wurde im Amt bestätigt. Seine Referenzen sind Taten, die sich letztendlich nicht leugnen lassen. Er musste und wollte sich an seinen Vorhaben messen lassen. Die Referenzen, die er vorzuweisen hatte, waren im Vergleich zu vielen Regierungen vor ihm und in anderen Ländern nicht schlecht.

Mit der Etablierung der Gesundheitsreform hat er endlich, zum ersten Mal in der Geschichte, allen Bürgerinnen und Bürgern des Landes eine Grundversorgung in der Gesundheit erwirkt, die größte Ressentiments ausgelöst hat, war und ist sie doch ein Affront der alten Ideologie der Siedlergesellschaft, die den Staat als Intervention in die privaten Angelegenheiten betrachtet. Er hat mit den Schlägen gegen die Protagonisten von Al Quaida eine Linderung des Traumas erreicht, das seit dem 11. September große Teile der Amerikanerinnen und Amerikaner ereilt hat. Er hat dafür gesorgt, dass angesichts der Weltfinanzkrise in den USA Gesetze gegen das Hasardspiel der Spekulation verabschiedet wurden, von denen man in Europa nur träumt. Und er hat Schritte eingeleitet, um den Status der USA als Hegemonialmacht und Weltpolizisten gewaltig zu relativieren. All das verlief nicht ohne mächtigen Widerstand im eigenen Land und all das ist nicht so, als hätte es ohne weitere Arbeit gesicherten Bestand. Aber es zeigt, dass sich etwa bewegt hat, merklich, signifikant und vehement.

Dass die Wahlen dennoch so knapp ausgegangen sind, im Grunde sogar ein Patt festgestellt werden muss, demonstriert, wie tief die Gesellschaft der USA gespalten ist: Hinsichtlich der Auffassung über die Rolle des Staates, hinsichtlich der eigenen Rolle in der Welt und hinsichtlich der Suprematie der White Anglo Saxon Protestants in den Staatsämtern. In letzterem Punkt gab es während der ersten Amtszeit Obamas innerhalb der USA böse, zumTeil blutige Kämpfe, denn der Präsident machte ernst und etablierte viele Immigranten in hohen Staats- und Regierungsämtern und schuf damit Fakten der Integration, wie sie bestechender nicht sein können. Der Ausgang der Wahlen hat gezeigt, dass es nicht leichter werden wird, sondern die USA sich in einem Prozess der Transition befinden, die noch für viele Überraschungen und Rollbacks gut ist.

Nahezu amüsant, aber dann doch eher ärgerlich sind die Kommentare der namentlich deutschen Presse, die sich anmaßt, in einer Arroganz die Bilanzen zu schwärzen, auf die die amerikanische Gesellschaft letztendlich stolz sein kann. Denn nahezu alles, was an Obamas Amtszeit bekrittelt und hinterfragt wird, ragt weit über das systemimmanente Gewese hinaus, was sich die deutsche und die europäischen Demokratien seit der Weltfinanzkrise geleistet haben. Ohne Strategie, mit dem Euphemismus auf Sicht zu fahren, wurde nichts bewerkstelligt, was den Hochmut zuließe, über die Transformation der größten Demokratie der Neuzeit in dieser Weise zu urteilen. Was im eigenen Wirkungskreis als Hofberichterstattung nur noch Langeweile auslöst, entpuppt sich plötzlich im Blick über den Atlantik als blitzende Klinge des investigativen Journalismus. So ist das mit den Papiertigern.

Bleibt also nichts, als den Amerikanern weiterhin viel Glück zu wünschen und den Versuch zu machen, das eine oder andere von ihnen zu lernen.